Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist mit dem „Board of Peace“ eine neue internationale Initiative zur Konfliktlösung gestartet worden. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan. Der von US-Präsident Donald Trump initiierte Friedensrat will politische Dialoge bündeln und den Wiederaufbau in Krisenregionen unterstützen, stößt jedoch international auch auf Skepsis.
Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hat US-Präsident Donald Trump am 22. Januar 2026 die Gründung einer neuen internationalen Initiative mit dem Namen „Board of Peace“ vorgestellt. Bei einer offiziellen Zeremonie unterzeichneten Vertreter von insgesamt 19 Staaten die Gründungsurkunde des Gremiums, darunter auch Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan.
Mit der Unterzeichnung der Charta wurde der Friedensrat formell ins Leben gerufen. Die Initiative versteht sich als neues multilaterales Forum zur Förderung von Frieden, Stabilität und Wiederaufbau in Konfliktregionen. Der anfängliche Schwerpunkt liegt auf dem Nahen Osten, insbesondere auf Perspektiven für eine politische und wirtschaftliche Nachkriegsordnung im Gazastreifen, soll jedoch langfristig auch auf andere internationale Konflikte ausgeweitet werden können.
Ein konsultatives und koordinierendes Gremium
Der Board of Peace ist nicht als klassische internationale Organisation mit verbindlichen Entscheidungsmechanismen konzipiert, sondern als konsultatives und koordiniertes Gremium. Er verfügt weder über eigene exekutive Befugnisse noch über militärische Instrumente. Vielmehr soll er politischen Dialog ermöglichen, diplomatische Initiativen bündeln und freiwillige Beiträge der Mitgliedstaaten für humanitäre Hilfe, Wiederaufbauprojekte und institutionelle Stabilisierung koordinieren.
Nach den bislang bekannt gewordenen Regelungen ist die Mitgliedschaft zunächst auf drei Jahre befristet. Eine Verlängerung oder eine dauerhafte Beteiligung ist möglich, unter anderem durch freiwillige finanzielle Beiträge oder die Übernahme konkreter Projekte. Den Vorsitz des Gremiums behält Donald Trump dauerhaft, während die operative Arbeit von einer Exekutivstruktur begleitet werden soll, deren genaue Zusammensetzung und Arbeitsweise sich noch im Aufbau befinden.
Kasachstan gehört zu den Gründungsmitgliedern des Board of Peace. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterzeichnete die Charta persönlich und bekräftigte damit die Bereitschaft seines Landes, sich an internationalen Friedensinitiativen zu beteiligen. In offiziellen Stellungnahmen wurde der Beitritt als Ausdruck der kasachischen Außenpolitik gewertet, die seit Jahren auf multilateralen Dialog, Vermittlung und internationale Verantwortung setzt.
Astana sieht in der neuen Initiative eine zusätzliche Plattform, um sich an globalen sicherheitspolitischen Debatten zu beteiligen und eigene Erfahrungen im Bereich der Konfliktprävention und des diplomatischen Ausgleichs einzubringen. Auch Usbekistan und Aserbaidschan schlossen sich dem Gremium als Gründungsmitglieder an und signalisierten damit ihr Interesse an einer aktiveren Rolle in internationalen Friedensprozessen.
Keine Beteiligung von westlichen Industriestaaten
Neben den drei genannten postsowjetischen Staaten beteiligen sich zahlreiche Länder aus unterschiedlichen Regionen der Welt an dem Board of Peace. Die Zusammensetzung des Gremiums verdeutlicht den Anspruch, Staaten aus verschiedenen politischen, kulturellen und regionalen Kontexten zusammenzuführen. Auffällig ist zugleich, dass mehrere westliche Industriestaaten dem Board of Peace bislang fernbleiben. Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Deutschland haben keine Teilnahme angekündigt und äußerten teils grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der Initiative.
International wird der Board of Peace entsprechend kontrovers diskutiert. Befürworter sehen in dem neuen Gremium einen pragmatischen Ansatz, der jenseits etablierter multilateraler Strukturen neue Handlungsspielräume eröffnen könne. Insbesondere die flexible Struktur und der Verzicht auf starre institutionelle Vorgaben werden als Chance betrachtet, um in festgefahrenen Konflikten schneller politische Impulse zu setzen und Staaten stärker in Wiederaufbau- und Stabilisierungsprozesse einzubinden.
Kritische Stimmen hingegen zweifeln an der Legitimität und Transparenz des Gremiums. Sie warnen davor, dass der Board of Peace bestehende internationale Institutionen, vor allem die Vereinten Nationen, politisch schwächen oder parallelisieren könnte. Zudem wird hinterfragt, inwieweit ein dauerhaft von einer einzelnen Person geführtes Gremium langfristig glaubwürdig und ausgewogen agieren kann.
Ungeachtet dieser Kritik markiert die Unterzeichnung der Charta in Davos einen außenpolitisch bemerkenswerten Schritt für die beteiligten Staaten. Für Kasachstan und andere Länder der Region eröffnet der Board of Peace die Möglichkeit, ihre internationale Sichtbarkeit weiter zu erhöhen und sich aktiv an globalen Debatten über Frieden, Sicherheit und Wiederaufbau zu beteiligen.
Gleichzeitig bleibt offen, welche konkrete Rolle das neue Gremium künftig spielen wird und ob es über symbolische Gesten hinaus tatsächlichen Einfluss auf internationale Konfliktlösungsprozesse entfalten kann. Die praktische Arbeit des Board of Peace und seine Wirksamkeit werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen.


























