Das Jahr 2015 stand ganz im Zeichen der Gedenkfeier „70 Jahre Sieg über den Nationalsozialismus“: Zeitzeugen erinnerten sich an die entsetzliche Zeit vom 22. Juni 1941 bis 9. Mai 1945, in der die Sowjetunion um Leben und Tod gegen die Nationalsozialisten kämpfte. Seite an Seite mit anderen sowjetischen Nationalitäten haben die Sowjetdeutschen alles für den Sieg hergegeben – sowohl an der Front als auch im Hinterland.

 

[…] Es wurde der Versuch unternommen, auf weitere Sowjetdeutsche aufmerksam zu machen, die an der Front gekämpft haben und heil zu ihren Familien in die Altairegion zurückgekehrt sind. Zum Erfolg dieses Versuchs hat zu einem großen Teil das Material der Zeitung “Rote Fahne” (Slawgorod) als Informationsquelle beigetragen. Die ersten Artikel zu diesem Thema veröffentlichte die Zeitung zum 25-jährigen Jubiläum des Großen Sieges im Jahr 1970. Der Artikel über Viktor Strauchmann trug den Namen „Kommissar Viktor Strauchmann: zum 25-jährigen Jubiläum des Großen Sieges”.
Nach einem aussichtslosen Kampf im August 1941 in der Nähe von Smolensk fand sich Kommissar Viktor Strauchman verletzt auf erobertem Gebiet wieder. Er wurde von einigen Dorfjungen mit durchgeschossenem Bein aufgefunden, welche daraufhin Erwachsene zu Hilfe holten. Diese kümmerten sich trotz der drohenden Gefahr fürsorglich um den verletzten Soldaten. Mit der Zeit verheilte die Wunde und Viktor begann, auf Krücken zu gehen. Die Bewohner von Smolensk schlugen ihn als Kommissar der Partisanengruppe des Dorfes vor. Als sowjetischer Soldat und Parteimitglied war Viktor stolz auf das Vertrauen ihm gegenüber.
Die Bewohner gründeten die Partisanengruppe, um den nationalsozialistischen Besatzern der Gegend und ihren Handlangern zu schaden, sie an der Ausführung ihrer Befehle zu hindern und die Dorfbevölkerung zum Widerstand aufzurufen. Sie erhielten die Aufgabe, das Gebiet zu einer Partisanenregion hochzuziehen. Viktor Strauchmann wurde zum Reservekommissar der 8. Partisanengruppe ernannt.
In den Dörfern der Region wurden Kampfgruppen aus ehemaligen, aus der Gefangenschaft geflohenen Soldaten und Kommandeuren sowie aus Zivilpersonen gebildet. Jede Kampfgruppe wurde mit Gewehren und Granaten aus dem Waffenlager ausgestattet; für die Beschaffung weiterer Waffen sowie von Kleidung und Nahrungsmitteln vom Feind waren die Partisanengruppen selbst zuständig. Zusätzlich erworbene Waffen sowie Munition lieferten die Partisanen im Zentrallager ab. Die Kampfgruppen blieben in ihren jeweiligen Dörfern, die sie nur auf Befehl verließen. Sowohl an der Front als auch im Hinterland mussten die Besatzer schwere Verluste tragen und hatten auch in den Wäldern um Smolensk keine Feuerpausen. Bereits nach einem halben Jahr bestand die Partisanengruppe aus 300 Mann, 50 Maschinengewehren, 10 leichten Kanonen, einer Kavallerie-Schwadron und vielem mehr. So konnten sie bereits einen offenen Kampf gegen die Nationalsozialisten führen: Sie zerstörten einige kleine nationalsozialistische Garnisonorte, befreiten Gefangene, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert werden sollten und beschlagnahmten Transportkolonien.
Daraufhin wurde eine eigene Spezialeinheit mobilisiert, um die Partisanen in den Wäldern um Smolensk auszuschalten. Währenddessen erhielten mehrere kleine Partisanengruppen den Auftrag, sich unter dem Kommando des Helden der Sowjetunion S.W.Grischin zu einer größeren zusammenzuschließen. Das Bataillon sollte seine Kampfeinsätze aus dem Hinterland in das Gebiet um die Weißrussische Front verlegen. Die Partisanen drangen in erbitterten Kämpfen immer weiter gen Westen, wurden aber schlussendlich von einem Strafkommando umzingelt. Es folgte ein verlustreicher Kampf mit unzähligen Opfern. In dieser kritischen Situation drang Viktor Strauchman mit einer kleinen Partisanengruppe ins feindliche Gebiet vor und eröffnete das Feuer auf die Nationalsozialisten. Zur selben Zeit ging das Partisanenbataillon zum Angriff über. Die Nationalsozialisten gerieten in Panik:
Sie flüchteten und ließen dabei Waffen, Munition und Nahrungsmittel zurück. So konnte das Bataillon seinen Weg im feindlichen Gebiet fortsetzen, wobei es einige weitere Garnisonorte entlang des Dnjeprs zerstörte.
Das Partisanenbataillon setzte unter anderem Taktiken ein, um die Infrastruktur der Nationalsozialisten zu schwächen und so eine Truppen– und Waffenaufstockung der Feinde zu verhindern. Die Brigade, in der Viktor Strauchman als Kommissar diente, zerstörte in nur einer Nacht eine 40 km lange Eisenbahnstrecke zwischen den Städten Orscha und Borrissow.
Währenddessen verschob sich die Weißrussische Front immer mehr nach Westen. Im Juni 1944 traf Strauchmann erstmals auf sowjetische Kampftruppen. Seine Gruppe übergab ihnen eine beträchtliche Anzahl an errungenen Waffen sowie Munition.
So verlief die Heldengeschichte des Partisanenkommissars Viktor Strauchmann, der, an der Wolga geboren, in den 30-er Jahren ein Komsomolze war und nach Abschluss einer landwirtschaftlichen Hochschule mehrere Jahre am Technikum unterrichtete. Von 1937 bis zu seinem Einberufungsbefehl in die Sowjetarmee war Viktor Strauchmann Mitglied des Komsomol-Komitees. Nach dem Krieg lebte er im Bezirk Omsk, wo er als Landwirtschaftswissenschaftler tätig war. Für seinen Beitrag zum Sieg der UdSSR wurde er mit zahlreichen Medaillen sowie dem Orden des Vaterländischen Krieges Zweiter Stufe ausgezeichnet. […]

Die Fortsetzung dieses Beitrags lesen Sie in den nachfolgenden Ausgaben.

Übersetzung: Sabrina Kaschowitz

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