Das Stipendienprogramm für Kulturassistenten des ifa richtet sich an Menschen, die die deutsche Gemeinschaft in Ost- und Mitteleuropa sowie Zentralasien unterstützen. Seit meiner Studienzeit arbeite ich als freie Korrespondentin für die DAZ und berichte über deutsch-kasachische Zusammenarbeit sowie kulturelle, politische und wirtschaftliche Themen. Dennoch fragte ich mich, ob ich für das Programm die Richtige war – nicht nur wegen meines Alters, sondern auch wegen der Anforderungen: jede Woche ein Artikel und ein Video für soziale Medien oder ein längerer Beitrag für YouTube. Neben meiner journalistischen Arbeit schreibe ich Auftragsgedichte, organisiere kreative und pädagogische Veranstaltungen, führe einen kleinen Blog und kümmere mich um Familie und Kinder. Schnell wurde klar: Ohne präzise Planung wäre dieses Pensum nicht zu bewältigen gewesen.

Genau hier erwiesen sich Projektmanagement-Kenntnisse als entscheidend. Ich musste Themen im Voraus planen, Interviews mit interessanten Persönlichkeiten organisieren, Veranstaltungen beobachten, relevante Anlässe identifizieren, Themen rechtzeitig mit der Redaktion abstimmen und anschließend die Videos schneiden. All das verlangte nicht nur Disziplin, sondern auch die Fähigkeit, Arbeitsschritte frühzeitig zu koordinieren und flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Besonders anspruchsvoll war die starke Terminabhängigkeit journalistischer Arbeit. Wenn eine Konferenz oder ein anderes wichtiges Ereignis stattfand, musste die Berichterstattung zeitnah erscheinen – in derselben oder spätestens in der darauffolgenden Woche. In ruhigeren Phasen war es deshalb umso wichtiger, auf Themen zurückgreifen zu können, die dauerhaft aktuell bleiben. Für mich waren das vor allem Interviews mit interessanten Vertretern der deutschen Volksgruppe in Kasachstan: Schriftstellern, Musikern, Kunsthandwerkern, Dorfbewohnern mit deutschen Vorfahren und anderen Persönlichkeiten. Die kontinuierliche Beobachtung von Ereignissen, die Pflege eines Publikationskalenders und die Arbeit mit deutschsprachigen Texten prägten meine vier Monate im Programm.

Ebenso wichtig waren Kommunikationsfähigkeiten. Ich arbeitete mit Interviewpartnern, Veranstaltern, Vertretern von Schulen, Stiftungen, Unternehmen, Behörden und natürlich mit der Zeitungsredaktion zusammen. Gerade in einem solchen Arbeitsfeld hängt vieles davon ab, ob es gelingt, Kontakte aufzubauen, Vertrauen zu schaffen und Themen rechtzeitig zu koordinieren. Interkulturelle Kommunikation wurde daher auch zu einem der zentralen Themen des Abschlussseminars in Berlin.

Dort kamen Stipendiaten aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Zentralasien zusammen. Jeder brachte ein eigenes Projekt mit – aus den Bereichen Medien, Sozialforschung oder Veranstaltungsarbeit für ethnische Deutsche – und teilte seine Erfahrungen. Alle Teilnehmenden waren junge Fachkräfte, wenn auch mit sehr unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Erfahrungen. Die meisten von ihnen waren ethnische Deutsche aus verschiedenen Ländern. Ich gehörte nicht dazu: Ich bin ethnische Kasachin, liebe die deutsche Sprache und arbeite seit vielen Jahren mit Deutschen zusammen. Gerade deshalb war es für mich besonders wichtig zu sehen, dass das Programm auch für Teilnehmende wie mich offen ist.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Kulturassistenz weit mehr ist als eine Gelegenheit, journalistische Fähigkeiten zu vertiefen. Sie bietet die Möglichkeit, Kompetenzen in Projektmanagement, Kommunikation, interkultureller Zusammenarbeit und Medienarbeit unter der Begleitung eines ifa-Redakteurs weiterzuentwickeln. Das Programm schenkte mir nicht nur neue berufliche Impulse, eine Reise nach Deutschland und Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Es vermittelte mir auch eine wichtige Erkenntnis: Vieles von dem, woran wir beruflich zweifeln, ist oft bereits in uns angelegt. Manchmal braucht es nur den Mut, einen neuen Rhythmus anzunehmen, konsequent zu arbeiten und zu erkennen, wie aus vielen kleinen wöchentlichen Schritten ein großes Ergebnis entsteht.

Nurgul Adambayeva

Auf das Stipendium für dMi innerhalb des eigenen Landes (ehemals Kulturassistenzprogramm) können sich Organisationen der dMi, die einer Nachwuchskraft im Bereich des Kulturmanagements, der Jugendbildung oder der Medien einen Einblick in ihre Arbeit geben und so mithilfe des Stipendiums besondere Projekte umsetzen möchten, bewerben. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 27.04.2026. Mehr Infos sowie das Bewerbungsformular finden Sie auf dem Instagram-Kanal @mind_netz.

 

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