In Deutschland ist die Energiewende bereits im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Dafür sorgte in den letzten Jahren die Politik. Ursprünglich ist das Thema und die Ausrichtung jedoch Bürgerengagement zu verdanken. Aus einzelnen Initiativen entwickelte sich einst eine grüne Bewegung. Auch heute ist es wichtig, die Möglichkeiten einer sauberen Energiegewinnung zu präsentieren und das Wissen generationsübergreifend zu vermitteln. So geschieht es auch auf dem Tempelhofer Feld in Berlin.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat 2014 sein Vorhaben, bis zum Jahr 2025 45% des in Deutschland verbrauchten Stroms mit erneuerbaren Energien zu produzieren, ausgeführt. Und es scheint ein durchaus durchführbares Projekt zu sein, denn der Anteil des Ökostroms im Energiemix in Deutschland steigt; 2015 machten die erneuerbaren Energien bereits 30 Prozent der Bruttostromerzeugung aus. Auch die Bürger, allen voran die Jugend, setzen sich aktiv für eine Energiewende in Richtung Ökoenergie ein.
Studenten aus dem Energieseminar der Technischen Universität Berlin sowie engagierte Jugendliche aus der Taschengeldfirma e.V. und dem sozialen Projekt KitRad e.V. haben ein Windradprojekt initiiert. Im Rahmen dessen entwarfen, produzierten und errichteten sie selbstständig eine Windradanlage auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, um Ökostrom zu erzeugen. Nun feierten die Studenten vergangenen Samstag die Inbetriebnahme der Anlage mit dem Direktor der TU Berlin, dem Direktkandidaten der Grünen für den Landtag Berlin, Georg Kössler sowie einigen Professoren und vielen Zuschauern. Interessierte Besucher wurden durch die Anlage geführt und stellten im anschließenden Podiumsgespräch mit Professoren sowie Experten von Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen Fragen, die sachlich beantwortet und argumentiert wurden. Im Gespräch im Grünen hat einer der Initiatoren des Projekts, Talu Tüntaş, die Motive für das Projekt und die Nachhaltigkeit seines Resultats erklärt:

Endlich Strom auf dem Tempelhofer Feld! | Foto: Turonbek Kozokov

Was für eine Art Projekt ist ihr Windrad, ist es ein soziales? Und warum wurde ausgerechnet dieser Ort für das Windrad gewählt?

Das Windradprojekt ist ein soziales und zugleich ökologisches Projekt. Das Tempelhofer Feld ist von besonderer Bedeutung, zum einen, da es nach dem erfolgreichen Volksentscheid zur Verhinderung der Bebauung (2014) wie kein anderer für zivilgesellschaftliche Initiativen im öffentlichen Raum steht. Und zum anderen, weil es sich bestens dafür eignet, die Idee einer dezentralen, sauberen Stromgewinnung großflächig in der Bevölkerung zu verbreiten.

Welches waren die Hauptziele der Windkraftanlage, etwa Stromversorgung für andere soziale Projekte im Umfeld?

Unser Projekt hat mehrere Ziele. Unser zweckmäßiges Ziel ist jenes, den gemeinwohlorientierten Projekten auf der Ostseite des Tempelhofer Feldes Strom zur Verfügung zu stellen; geplant ist außerdem eine öffentliche Steckdose für alle Parkbesucherinnen und Parkbesucher.

Das akademische Ziel unseres Projekts ist, zunächst für angrenzende Schulen Workshops zum Thema erneuerbare Energien anzubieten. Darüber hinaus möchten wir eine Bildungsplattform aufbauen, auf der die Idee der dezentralen ökologischen Energieversorgung für alle Interessensgruppen verständlich gemacht wird und auf der diese selbst zur Eigeninitiative motiviert werden.

Wie sieht die Nachhaltigkeit ihres Projekts aus? Kann das auch ein kleiner Start für zukünftige Schritte in Richtung Ökoenergie in Berlin sowie für die Errichtung weiterer solcher Anlagen sein? Wie wird es weitergehen?

Wir starten erst einmal klein und bescheiden, sehen uns aber durchaus auch als Multiplikator für ähnliche unabhängige Ansätze und Initiativen im urbanen Raum. Es hat ca. drei Jahre gedauert, bis wir das Windrad vollständig errichtet hatten. In dieser Zeit haben wir viel Erfahrung in der Planungs– und Bauarbeit gewonnen. Andere gemeinnützige Initiativen könnten daher von unseren Erfahrungen profitieren.

In unserer großen Projektgruppe, die nahezu 40 Menschen umfasst, gibt es eine Untergruppe (KitRad) von ca. zehn Leuten, die mit dem Gedanken spielen, eine weitere Anlage in den Bio Ateliers aufzubauen. Des Weiteren wird darüber nachgedacht, Workshops anzubieten, im Rahmen derer gemeinsam Windanlagen errichtet werden können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sobir Pulatov

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