Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der 27 Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Maulen Abralin, Leiter des Clubs „Lenz” in Pawlodar.

Lieber Maulen, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?

Innerhalb der deutschen Gemeinschaft Kasachstans bin ich seit Juli 2021 aktiv. Und, obwohl ich heute den „Lenz“ in Pawlodar leite, so habe ich meine Tätigkeit dennoch im Club „Glück“ in Semei begonnen.

Dorthin bin ich durch einen kostenlosen Gitarrenkurs gekommen, von dem ich durch einen Bekannten erfahren hatte. Von 2021 bis 2024 war ich als Aktivist im „Glück“ tätig. Im Sommer 2024 begann ich mein Studium an einer Universität in Pawlodar und wurde anschließend auch im Jugendclub „Lenz“ aktiv. Im Februar 2026 wurde ich zum Leiter des Clubs gewählt – damit begann für mich ein gänzlich neues Kapitel im gesellschaftlichen Leben.

Welche Aufgaben hast du als Leiter des Jugendclubs und wie sieht ein typischer Tag im Jugendclub aus?

Zu meinen Aufgaben als Leiter gehören die Organisation von Clubtreffen, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben des Clubs sowie an den Aktivitäten der Gemeinschaften VDJK, an der Volksversammlung Kasachstans und an den Tagungen der Jugendorganisation „Assambleja Zhastary“.

Außerdem kümmere ich mich darum, neue Teilnehmer für den Club zu gewinnen und sie zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. Ein weiterer, für mich wichtiger Verantwortungsbereich ist die Entwicklung von Führungsqualitäten und Selbstständigkeit der Jugendlichen sowie die Durchführung von Bildungs- und Informationsarbeit mit den Aktivist*innen.

Mein typischer Tag im Jugendclub beginnt bereits einige Tage vor dem eigentlichen Treffen, wenn ich die notwendigen Materialien vorbereite. Beim Treffen selbst erkundige ich mich zunächst bei den Jugendlichen nach ihrem Alltag, ihrer Stimmung und sonstigen Neuigkeiten. Danach beginnen wir mit unserem Programm.

Worin liegt derzeit die Stärke eures Jugendclubs?

Die Stärke unseres Clubs liegt vor allem darin, dass er jungen Menschen einen Raum bietet, in dem sie sich entwickeln, neue Kontakte knüpfen und eigene Erfahrungen sammeln können. Der Club schafft Möglichkeiten, sich gesellschaftlich einzubringen und erste Erfolge zu erzielen.

Mit welchen Herausforderungen seid ihr bei der Jugendarbeit vor Ort derzeit konfrontiert?

In unserer Arbeit begegnen wir verschiedenen Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem die fehlende Motivation einzelner Teilnehmer, ein mangelndes Wissen in bestimmten Bereichen, gelegentliche Konflikte zwischen den Jugendlichen sowie die nachlassende Präsenz einiger Mitglieder.

Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?

Für die Jugend in Pawlodar ist der „Lenz“ eine Möglichkeit, sich zu entfalten, neue Menschen kennenzulernen, Freundschaften
zu schließen, erste Erfolge zu erzielen und wichtige Kontakte innerhalb Kasachstans sowie darüber hinaus aufzubauen.

Was bedeutet für dich persönlich das 30-jährige Jubiläum des Verbands der Deutschen Jugend Kasachstans?

Für mich persönlich ist das 30-jährige Jubiläum des VDJK ein Zeichen dafür, dass die Organisation nicht stehen bleibt, sondern sich weiterentwickelt und neue Möglichkeiten für sich selbst sowie für ihre Teilnehmer schafft.

Mich beeindruckt besonders, dass eine solche Organisation ohne das Registrieren einer eigenen juristischen Person so lange bestehen und erfolgreich arbeiten konnte. Meiner Meinung nach liegt der Grund dafür vor allem in den Menschen selbst, Und es sind genau diese Menschen innerhalb des VDJK, die der Organisation die Kraft geben, trotz allem weiterzuleben und sich stets weiterzuentwickeln.

Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du deinem Jugendclub und der Jugend in Kasachstan?

In der heutigen Zeit ist es schwierig, die eigene Identität zu bewahren und gleichzeitig neue Teilnehmer zu gewinnen. Deshalb wünsche ich allen Clubs und dem VDJK, dass sie ihre Werte bewahren, sich kontinuierlich weiterentwickeln und dadurch auch in Zukunft noch schneller voranschreiten können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Annabel Rosin.

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