Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der 27 Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Nikita Giljow, Leiter des Clubs “Junge Sterne” in Aqtöbe.
Lieber Nikita, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
In den Jugendclub bin ich durch Freunde gekommen. Sie haben mich zu einem Basteltreffen eingeladen, bei dem Requisiten für das Theaterstück „Hände“ angefertigt wurden. Anfangs war ich einfach neugierig, neue Leute kennenzulernen, an Veranstaltungen teilzunehmen und etwas mehr über die deutsche Kultur zu erfahren. Ich hätte damals nie gedacht, dass der Club einmal zu einem so wichtigen Teil meines Lebens werden würde.
Was mich sofort begeistert hat, war die Atmosphäre im Club. Hier fühlt sich niemand als Fremder. Alle sind bereit, sich gegenseitig zu unterstützen, zu helfen und zuzuhören. Mit der Zeit begann ich, bei der Organisation von Veranstaltungen mitzuwirken, übernahm immer mehr Verantwortung und erkannte, dass ich nicht nur teilnehmen, sondern auch etwas Sinnvolles für andere tun kann. Es sind vor allem die Menschen, die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, und das Gefühl, Teil eines echten Teams zu sein, die mich bis heute hier halten.
Welche Aufgaben hast du als Leiter des Jugendclubs und wie sieht ein typischer Tag im Jugendclub aus?
Als Leiter eines Jugendclubs übernimmt man gleichzeitig mehrere Rollen. Man organisiert Veranstaltungen, koordiniert die Arbeit des Teams, hält den Kontakt zu den Mitgliedern, unterstützt neue Teilnehmer bei ihrer Eingewöhnung und arbeitet mit der Regionalvertretung des Verbands der Deutschen Jugend Kasachstans zusammen.
Einen wirklich typischen Tag gibt es eigentlich nicht. Mal bereiten wir Kulturabende vor, mal organisieren wir Sprachtreffen, Workshops oder Bildungsprojekte. Neben den organisatorischen Aufgaben ist es besonders wichtig, sich den Menschen zu widmen: neue Ideen zu besprechen, Initiativen der Mitglieder zu unterstützen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder seine Fähigkeiten entfalten kann.
Worin liegt derzeit die Stärke eures Jugendclubs?
Ich bin überzeugt, dass unsere größte Stärke in den Menschen liegt. Wir haben ein sehr aktives und eng verbundenes Team,
in dem jeder bereit ist, den anderen zu helfen und seinen Beitrag zum gemeinsamen Erfolg zu leisten. Wir arbeiten gut zusammen, vertrauen einander und sind stets offen für neue Ideen.
Eine weitere Stärke unseres Clubs ist, dass wir keine Angst vor neuen Wegen haben. Wir bemühen uns, Veranstaltungen zu gestalten, die für die heutige Jugend attraktiv sind, und gleichzeitig die Verbindung zur deutschen Kultur und zu den Traditionen bewahren.
Mit welchen Herausforderungen seid ihr bei der Jugendarbeit vor Ort derzeit konfrontiert?
Eine der größten Herausforderungen besteht heute darin, junge Menschen für gesellschaftliches Engagement zu gewinnen. Viele sind durch Studium, Beruf oder private Verpflichtungen stark eingebunden. Deshalb ist es oft nicht einfach, Zeit für ehrenamtliche Arbeit und eine aktive Teilnahme am Klubleben zu finden.
Hinzu kommt, dass sich die Interessen junger Menschen ständig verändern. Deshalb müssen wir immer wieder neue Veranstaltungsformate entwickeln, die tatsächlich interessant und nützlich sind. Gleichzeitig möchten wir unserem eigentlichen Auftrag treu bleiben: die deutsche Sprache und Kultur zu fördern, Führungsqualitäten bei jungen Menschen zu entwickeln und einen Raum für Begegnung und Austausch zu schaffen.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Für viele junge Menschen ist der Jugendclub ein Ort, an dem sie Freunde finden, neue Erfahrungen sammeln und sich als Teil einer großen Gemeinschaft fühlen können. Hier lernen sie, im Team zu arbeiten, Projekte zu organisieren, vor einem Publikum aufzutreten und Verantwortung zu übernehmen.
Darüber hinaus eröffnet der Jugendclub Möglichkeiten zur Teilnahme an regionalen, landesweiten und internationalen Programmen, zum Kennenlernen der deutschen Kultur und zur Verbesserung der Sprachkenntnisse. Viele entdecken hier ihre Talente und erwerben Fähigkeiten, die ihnen später im Studium und im Berufsleben zugutekommen.
Was bedeutet für dich persönlich das 30-jährige Jubiläum des Verbands der Deutschen Jugend Kasachstans?
Für mich ist dieses Jubiläum weit mehr als nur ein schönes Datum. Es ist das Ergebnis der engagierten Arbeit vieler Generationen von Aktiven, die über drei Jahrzehnte hinweg die Jugendbewegung der Deutschen in Kasachstan aufgebaut und weiterentwickelt haben.
Das Jubiläum erinnert daran, wie wichtig die Weitergabe von Erfahrungen zwischen den Generationen ist. Heute führen wir die Arbeit derjenigen fort, die vor vielen Jahren die ersten Jugendclubs gegründet und junge Menschen zusammengebracht haben. Es ist für mich eine große Ehre, Teil dieser Geschichte zu sein und zu ihrer weiteren Entwicklung beizutragen.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du deinem Jugendclub und der Jugend in Kasachstan?
Ich wünsche mir vor allem, dass sich unser Jugendclub weiterentwickelt und immer mehr junge Menschen für sich gewinnen kann. Jeder, der zu uns kommt, soll Unterstützung erfahren, Freunde finden, neue Möglichkeiten entdecken und das Gefühl haben, dass seine Ideen tatsächlich verwirklicht werden können.
Der Jugend in Kasachstan wünsche ich, dass sie keine Angst hat, Eigeninitiative zu zeigen, sich kontinuierlich weiterzubilden, neue Projekte auszuprobieren und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Ebenso wichtig ist es, das Interesse an der eigenen Geschichte und Kultur zu bewahren, aber auch die Traditionen verschiedener Völker zu respektieren und offen zu sein für eine Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Denn die jungen Menschen gestalten schon heute die Zukunft unseres Landes, und ich bin überzeugt, dass sie alles mitbringen, um diese Zukunft erfolgreich zu gestalten























