Und wie lassen sich anspruchsvolle Themen in lebendige Gespräche verwandeln, denen man gerne zuhört? Die Teilnehmenden des Bildungsprojekts „Podcast als Lernformat“ suchten Antworten auf diese Fragen. Das Projekt fand vom 1. bis 5. Juli im Kasachisch-Deutschen Zentrum in Astana statt.

Den Auftakt bildete die Begrüßung durch den Geschäftsführer der Stiftung „Wiedergeburt“, Dmitry Redler. Er betonte, dass gerade in solchen Initiativen wie jener zur Verbesserung der Kommunikation von geschichtlichen und kulturellen Inhalten die Zukunft der deutschen Gemeinschaft in Kasachstan liege. Seiner Ansicht nach könne die Generation junger Menschen, die an diesem Projekt teilnimmt, künftig auf interessante, professionelle und zeitgemäße Weise über die deutsche Volksgruppe in Kasachstan berichten.

Die jungen Deutschen lernten den Podcast als Instrument zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses und zur Vermittlung ihrer Kultur kennen. Das Ziel bestand nicht nur darin, die Feinheiten eines neuen Medienformats zu erlernen, sondern auch, dass die Teilnehmenden nach Abschluss des Projekts eigene Podcasts in ihren jeweiligen regionalen Gesellschaften produzieren und so deren Arbeit für alle sichtbarer und attraktiver machen.

Als Hauptreferent trat der Historiker und Slawist Edwin Warkentin auf, der ein Experte für die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen ist. Zu seiner beruflichen Tätigkeit gehört auch die Realisierung moderner Bildungs- und Medienprojekte. Eines der bekanntesten seiner erfolgreich realisierten Projekte ist der Podcast Steppenkinder.

Nicht nur ein gewöhnliches Gespräch

Doch das Seminar beschränkte sich nicht darauf zu erklären, wie Podcasts funktionieren. Bereits in den ersten Einheiten wurde deutlich, dass die Produktion eines hochwertigen Audioformats deutlich anspruchsvoller ist, als es auf den ersten Blick erscheint.

Gemeinsam analysierten wir, worin sich ein Podcast von einem gewöhnlichen Gespräch unterscheidet, wie sich die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer halten lässt, warum die Zielgruppe bereits im Vorfeld festgelegt werden sollte und wie sich eine spannende Dramaturgie für eine Episode entwickelt.

Besonderes Augenmerk galt der Themenfindung. Wir diskutierten darüber, welche Geschichten das Publikum wirklich interessieren können und weshalb es nicht ausreicht, lediglich Fakten zu vermitteln. Entscheidend ist vielmehr, den menschlichen Kern einer Geschichte sichtbar zu machen.

„Im Mittelpunkt jeder guten Geschichte steht der Mensch“, wiederholte Edwin während des gesamten Projekts immer wieder. Praxis und der „rote Faden“

Ein großer Teil des Seminars bestand aus praktischer Arbeit. Die meisten Aufgaben wurden in kleinen Gruppen bearbeitet. Jedes Team entwickelte ein eigenes Podcast-Konzept. Zunächst wurde ein Thema gewählt. Anschließend wurde die zentrale Botschaft der Folge definiert – jener „rote Faden“, der sich durch das gesamte Gespräch ziehen und alle Inhalte miteinander verbinden sollte.

Nach der Vorbereitung der Konzepte folgte der spannendste Moment – die Aufnahme der Pilotfolgen. Natürlich handelte es sich zunächst nur um erste Versuche. Es waren gewissermaßen die Simulation echter Podcasts. Dennoch boten sie die Möglichkeit, sich selbst als Autorinnen und Autoren, Moderatorinnen und Moderatoren sowie Interviewerinnen und Interviewer zu erleben.

Professionelle, journalistische Methoden

Ein wichtiger Bestandteil des Programms waren außerdem die Einheiten mit dem zweiten Referenten Anton Genza, einem Autor und Übersetzer der Deutschen Allgemeinen Zeitung. Er vermittelte professionelle journalistische Methoden, die sowohl für die Produktion von Podcasts als auch für die Arbeit in modernen Medien allgemein von großem Nutzen sind.

Während der Seminare beschäftigten wir uns ausführlich damit, wie Interviewfragen so formuliert werden können, dass ein Gespräch informativ bleibt, ohne langweilig zu werden. Ein weiterer Schwerpunkt war der Einsatz der Künstlichen Intelligenz im Journalismus.

Zu den vorgestellten Projekten gehörten Podcasts über die Bedeutung der ethnischen Identität, das Leben der Deutschen im heutigen Kasachstan, vorhandene Vorurteile gegenüber der deutschen Gemeinschaft, die Deportation und andere tragische Kapitel der Geschichte, das Programm „Avantgarde“, den Erhalt des kulturellen Erbes sowie Jugendinitiativen.

Nach den Worten Edwin Warkentins war es nahezu unmöglich, nur ein oder zwei Ideen als besonders gelungen hervorzuheben: „Alle vorgeschlagenen Themen sind aktuell, inhaltlich relevant und können ihr Publikum finden – vorausgesetzt, sie werden spannend erzählt.“

Podcasts gehören heute zu den beliebtesten Formaten der Informationsvermittlung. Um so wichtiger ist es, dass in diesem Raum auch die Geschichten der Deutschen Kasachstans ihren Platz finden.

Autorin: Eugenia Schol.

Übersetzung: Annabel Rosin.

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