Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der viele Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Inga Jurgelaitine, Leiterin des Clubs „Minions“ in Kaskelen.
Liebe Inga, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
In den Jugendclub in Almaty bin ich ganz spontan, eigentlich eher zufällig, gekommen. Meine Mutter hat eines Tages eine Visitenkarte bekommen und man hat ihr erzählt, dass sich dort Jugendliche treffen und es einen Jugendclub gibt. Ich dachte mir: „Warum nicht einfach hingehen und schauen, was die dort machen?“ Also bin ich hingegangen und am Ende geblieben.
Was mich wahrscheinlich gehalten hat, war, dass ich mich dort ziemlich schnell wohlgefühlt habe. Ich hatte das Gefühl, dazuzugehören. Mir hat es gefallen, Teil von etwas zu sein, mitzumachen, eigene Ideen einzubringen und gemeinsam mit anderen etwas zu machen.
Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?
Ich bin Leiterin des Clubs der deutschen Jugend in Kaskelen. Da wir aber eine Zweigstelle des Clubs „Vorwärts“ in Almaty sind, habe ich nicht so viele Aufgaben.
Wenn ich eine Veranstaltung organisiere, beginnt mein Tag schon morgens mit den Vorbereitungen. Ich kümmere mich um die Dekoration, drucke Materialien aus, schneide Sachen aus, bereite Aufgaben vor und teile die Teilnehmer in Teams ein. Dazu kommen noch viele kleine Dinge, die man von außen gar nicht unbedingt sieht.
Wenn ich keine Veranstaltung organisiere, bin ich einfach ganz normal als Teilnehmerin dabei. Ich komme, mache mit und genieße einfach den Prozess.
Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?
In Kaskelen ist unsere größte Stärke wahrscheinlich der Zusammenhalt: Wir sind wirklich nicht viele. Aber trotzdem halten wir schon seit drei Jahren zusammen. Wir haben ein gemeinsames Ziel und versuchen, es gemeinsam zu erreichen. Ich glaube, genau das macht uns stark. Auch wenn etwas mal nicht klappt oder es schwierig wird, bleiben wir ein Team und unterstützen uns gegenseitig.
Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?
Ich glaube, es ist heute schwieriger geworden, die Jugendlichen und ihre Interessen zu verstehen. Nicht jeder möchte Teil von etwas Gemeinsamen sein. Ich höre immer öfter Sachen wie: „Ich würde lieber zu Hause bleiben“ oder „Mit anderen Leuten zu kommunizieren ist cringe“ und solche Dinge.
Deshalb ist es manchmal schon schwierig, jemanden überhaupt zum ersten Mal in den Club zu bringen. Man muss dieser Person zeigen, dass es hier interessant ist und dass sie sich wohlfühlen kann. Wenn jemand aber einmal da war und gesehen hat, was diese Familie namens „Club der deutschen Jugend“ eigentlich ist, dann ist es viel einfacher, die Person auch für den Club zu begeistern und dabei zu halten.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Ich glaube, in Kaskelen sehen die Jugendlichen den Club als einen kleinen, gemütlichen Ort, an dem man einfach man selbst sein kann. Man kann hier reden, etwas Neues lernen, sich entspannen und einfach mal für einen Moment aus dem ganzen Alltag rauskommen.
Für mich ist das eine der wichtigsten Sachen am Club. Man muss hier nicht immer etwas machen oder irgendwohin rennen. Manchmal kann man einfach kommen, mit seinen Leuten zusammen sein und sich wohlfühlen.
Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?
Für mich ist das vor allem aus historischer Sicht etwas sehr Wertvolles. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, und 30 Jahre Verband sind für mich fast eine ganze Geschichte, die vor meiner Zeit passiert ist. In diesen Jahren gab es viele Menschen, die selbst einmal Jugendliche waren, in die Clubs gekommen sind und diese Bewegung aufgebaut, weiterentwickelt und stärker gemacht haben.
Alle hatten dabei irgendwie das gleiche Ziel: Sie wollten dazu beitragen, dass unsere Zukunft besser und interessanter wird und dass die nächsten Generationen das weiterführen können, was sie begonnen haben. Für mich bedeutet das vor allem großen Respekt vor den Menschen, die vor uns Jugendliche waren und uns etwas hinterlassen haben, wovon wir heute ein Teil sein können.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?
Ich wünsche mir, dass wir unsere Motivation nicht verlieren. Dass wir nicht vergessen, warum wir in den Club kommen und warum wir uns engagieren. Und natürlich, dass wir weiterhin Lust darauf haben, Teil von etwas zu sein.
Ich möchte, dass die Jugendlichen verstehen, warum sie hier sind, warum sie mitmachen und dass sie selbst etwas aufbauen und in ihrem Umfeld verändern können.
Und ganz wichtig finde ich auch, dass wir unsere Kultur und unsere Vorfahren nicht vergessen. Dass wir wissen, woher wir kommen und was vor uns war. Denn ich glaube, wenn man seine eigene Geschichte kennt und versteht, woher man kommt, kann man auch viel besser verstehen, wohin man in Zukunft gehen möchte.























