Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) fördert mit seinen Stipendienprogrammen Menschen, die sich für die deutsche Minderheit engagieren. Die Teilnehmenden sammeln praktische Erfahrungen, entwickeln ihre Fähigkeiten weiter und lernen neue Perspektiven kennen.

Ich hatte das Glück, Stipendiatin dieses Programms zu werden. Schon als Kind war ich von der deutschen Gemeinschaft umgeben und lernte die Traditionen und die Kultur der Deutschen kennen. Ich nahm an Projekten teil und besuchte regionale und internationale Jugendcamps. Erst später wurde mir bewusst, wie sehr diese Erfahrungen meine Identität geprägt hatten. Heute kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich mich als ethnische Deutsche verstehe.

Als ifa-Programmteilnehmerin hatte ich bereits erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einer Zeitung gesammelt. Ich hatte Artikel geschrieben und Videos gedreht. Deshalb sagte ich gerne zu, als man mir ein ifa-Stipendium vorschlug. Doch neben der Vorfreude kam bei mir auch Angst auf, ob ich all das schaffen würde, was da auf mich zukam?

Die Arbeit als ifa-Stipendiatin erforderte eine kontinuierliche Suche nach Themen und aktuellen Anlässen für Veröffentlichungen, die Vorbereitung von Beiträgen für Printausgaben und Videos für TikTok. Gleichzeitig mussten wir stets strenge Fristen einhalten und unseren Blick für interessante Themen und Geschichten schärfen. Anfangs war das eine große Herausforderung. Aber mit jedem Monat fiel mir die Arbeit leichter und ich gewann zunehmend an Sicherheit.

Austausch über Ländergrenzen hinweg

Ein wichtiger Bestandteil des Stipendienprogramms war eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung, die in Berlin stattfand. Sie bot uns die Gelegenheit, uns als ifa-Stipendiaten persönlich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam an neuen Ideen für die Arbeit mit der deutschen Minderheit zu arbeiten.

Während des Treffens sprachen wir auch über Stipendienprogramme und sonstige Unterstützungsmöglichkeiten für die deutsche Minderheit. Besonders überrascht hat mich, wie viele junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammengekommen waren, denn sie kamen aus Ungarn, Rumänien, Tschechien, Kirgisistan, Moldau, Kroatien und weiteren Ländern.

Im Mittelpunkt stand das Thema „Kulturvermittlung an eine junge Zielgruppe“. Wir tauschten Erfahrungen aus über unsere jeweiligen Organisationen und berichteten von bereits umgesetzten, laufenden und geplanten Projekten. Außerdem entwickelten wir eigene Konzepte, um junge Menschen für kulturelle Themen zu begeistern. Einige Teilnehmende bereiteten sich auf eine Hospitation in einem anderen Land vor.

Dieser Austausch zeigte mir, wie ähnlich die deutschen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern in ihrer Struktur sind und wie unterschiedlich sie sich zugleich entwickelt haben. Trotz unserer verschiedenen Herkunft verband uns jedoch die deutsche Sprache. Wir konnten Erfahrungen teilen und voneinander lernen.

Durch diese Begegnungen wurde mir erneut bewusst, wie tief meine eigene Identität verwurzelt ist. Sie ist eng mit meiner Liebe zur deutschen Sprache und Kultur verbunden. Gleichzeitig gehört auch meine Verbundenheit mit meiner Heimat zu meinem Selbstverständnis. Für mich schließen sich diese beiden Seiten nicht aus – sie gehören zusammen.

Kulturvermittlung und neue Methoden

Beim Austausch mit Katrin Boemer von Jugend im Museum e. V. erfuhren wir, wie Museen und Ausstellungen junge Menschen durch kreative Ansätze und interaktive Aktivitäten erreichen können.

Auch die Führung durch das Dokumentationszentrum „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat mir sehr gut gefallen. Besonders interessant war das Gespräch mit dem Historiker und Autor Dr. Andreas Kossert, der zur Geschichte von Flucht und Vertreibung der Deutschen forscht und publiziert.

Eine weitere wertvolle Erfahrung war die Fortbildung mit unserer Referentin Sophia Hörhold. Sie stellte uns auch eine recht spannende Möglichkeit vor, die künstliche Intelligenz künftig in unserer Projektarbeit einzusetzen.

Wir beschäftigten uns ebenfalls mit der Frage, wie wir unsere Zielgruppe besser verstehen können. Dazu baten wir die KI zunächst, ein Porträt unserer Zielgruppe zu erstellen. Das Ergebnis war erstaunlich treffend. Anschließend ließen wir die KI in die Rolle einer der Zielpersonen schlüpfen und stellten ihr Fragen. Die Antworten waren teilweise überraschend präzise.

Dabei war es wahrscheinlich von entscheidender Wichtigkeit, dass wir die KI zuvor ausführlich über unser Projekt und unsere Zielgruppe informiert hatten. Diese Übung zeigte mir jedoch, wie wichtig es ist, einen klaren Kontext der Aufgabenstellung zu definieren: Je genauer wir Ziele, Aufgaben und Hintergründe beschreiben, desto hilfreicher kann die KI uns bei der Projektarbeit unterstützen. Dabei müssen wir auch selbst über Details nachdenken, die wir zunächst vielleicht übersehen hätten.

Berlin aus einer persönlichen Perspektive

Berlin hat mich mit seiner Vielfalt, seiner abwechslungsreichen Geschichte und den unterschiedlichen Menschen, die dort leben, beeindruckt. Mir fiel auf, dass die Menschen im Alltag wenig darauf achten zu schienen, wie andere gekleidet sind oder wie sie sich präsentieren. Ich hatte das Gefühl, mich frei bewegen zu können, ohne ständig beurteilt zu werden. Diese Erfahrung fand ich besonders interessant.

Ich war auch dafür dankbar, dass uns neben dem Fortbildungsprogramm Zeit blieb, die Stadt selbst zu erkunden. Ich besuchte unter anderem die ehemalige Berliner Mauer, das Brandenburger Tor, den Checkpoint Charlie, den Potsdamer Platz, den Alexanderplatz und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Das ifa-Stipendium hat mir die Möglichkeit gegeben, meine journalistischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und herauszufinden, wie viel Freude mir diese Arbeit macht. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die neuen Perspektiven und den Austausch mit Menschen aus verschiedenen Ländern.

Wenn ihr euch ebenfalls journalistisch ausprobieren möchtet, verfolgt die Instagram-Seiten mind_netz und daz.asia. Dort findet ihr Informationen zu aktuellen Angeboten.

Veronika Librikht

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