Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der viele Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Wilhelm Schander, der Leiter des Clubs „Kornblumen“ in Scheskasgan.
Wilhelm, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
Ich habe eher zufällig erfahren, dass es bei uns eine deutsche Gesellschaft gibt. Über Bekannte lernte ich Julia Ogol, die Leiterin der örtlichen deutschen Gesellschaft, kennen. Sie schlug mir vor, einen neuen Jugendclub zu gründen, weil der vorherige geschlossen werden musste. Ich nahm ihre Einladung gerne an, und gemeinsam begannen wir Schritt für Schritt, junge Leute für den Club zu gewinnen. Heute bilden vor allem Schülerinnen und Schüler den Kern unserer Jugendgruppe. Was mich im Club hält, ist die besondere Atmosphäre: Hier begegnen sich Menschen, die ähnliche Interessen teilen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen.
Welche Aufgaben hast du als Leiter und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?
Als Leiter sehe ich meine wichtigste Aufgabe darin, mit gutem Beispiel voranzugehen und auch andere durch mein eigenes Engagement zu motivieren. Ich möchte den Jugendlichen zeigen, dass sie ihre Ideen einbringen und die Zukunft des Clubs aktiv mitgestalten können. Bei unseren Treffen herrscht eine offene Atmosphäre, in der Respekt und gegenseitiges Verständnis selbstverständlich sind. Wir erzählen einander, was in der vorangegangenen Woche passiert ist, hören aufmerksam zu und tauschen Erfahrungen und Ratschläge aus. Danach widmen wir uns unserem Programm und den jeweils geplanten Aktivitäten.
Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?
Die größte Stärke unseres Clubs sind die Menschen, die seinen Kern bilden. Wir alle bringen unterschiedliche Charaktere, Erfahrungen und Sichtweisen mit. Gerade diese Vielfalt macht unseren Club lebendig und bereichernd. Was uns verbindet, ist das gemeinsame Interesse an unserer ethnischen Kultur und der Wunsch, sie besser kennenzulernen und aktiv weiterzuleben.
Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?
Eine der größten Herausforderungen ist es, neue Mitglieder zu finden. Oft fehlen uns geeignete Möglichkeiten, junge Menschen gezielt anzusprechen. Meistens erfahren sie über Bekannte von unserem Club. Auch ist es nicht immer einfach, das Interesse der Jugendlichen zu wecken und es dann auch dauerhaft aufrechtzuerhalten. Umso wichtiger ist es, abwechslungsreiche Angebote zu schaffen und den Jugendlichen Raum für eigene Ideen zu geben.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Der Jugendclub eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und interessante Menschen kennenzulernen. Er bietet Raum, sich mit der eigenen ethnischen Kultur auseinanderzusetzen und mehr über die eigenen Wurzeln zu erfahren. Gleichzeitig kann man hier entdecken, wie man selbst Teil der deutschen Gemeinschaft in Kasachstan ist und diese aktiv mitgestalten kann.
Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?
Dreißig Jahre sind eine beachtliche Zeit. In dieser Zeit sind mehrere Generationen junger Menschen durch den Verband der Deutschen Jugend Kasachstans gegangen. Dass der Verband bis heute aktiv ist und sich weiterentwickelt, zeigt, wie wichtig und lebendig seine Arbeit ist. Für mich ist dieses Jubiläum deshalb auch ein Zeichen dafür, dass ein über viele Jahre hinweg anhaltendes Engagement durchaus etwas bewirken kann.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich unser Jugendclub weiterentwickelt, neue Mitglieder gewinnt und weiterhin ein Ort bleibt, an dem junge Menschen eine lebendige Gemeinschaft erleben und eigene Ideen verwirklichen können. Auch den anderen Jugendlichen in Kasachstan wünsche ich vor allem Zuversicht, neue Möglichkeiten und den Mut, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.























