Erstmals sind in Kasachstan Przewalski-Pferde geboren worden. Ihre Mütter Tessa und Umbra kamen 2024 aus dem Berliner Tierpark.
Im Alibi-Wiederansiedlungszentrum im Naturschutzgebiet Altyn Dala in Zentralkasachstan sind in diesem Sommer zwei Przewalski-Fohlen geboren worden. Nun wurde ihnen die Namen Botai und Tumar gegeben. Ihre Mütter sind Tessa und Umbra, die 2024 gemeinsam aus dem Berliner Tierpark nach Kasachstan gebracht wurden.
Die Geburten sind ein wichtiger Schritt für das Wiederansiedlungsprogramm: Die aus Europa überführten Pferde haben sich an die Bedingungen der Steppe gewöhnt und pflanzen sich dort fort, teilte das Umweltministerium mit.
Die Namen verweisen auf zwei unterschiedliche Traditionen. Botai erinnert an die durch archäologische Forschung wiederentdeckte Kultur in Nordkasachstan, die mit einer frühen Pferdehaltung in Verbindung gebracht wird. Tumar ist ein kasachisches Wort für ein Amulett oder ein Schutzzeichen. Die Namen sagen nichts über die Abstammung der Fohlen aus.
Beide Mutterstuten kamen aus Berlin
Tessa und Umbra wurden 2024 aus dem Berliner Tierpark nach Kasachstan gebracht. Tessa wurde im Tierpark Berlin geboren, Umbra in Schweinheim. Mit ihnen kamen damals zwei weitere Stuten aus Berlin: Wespe, geboren im Tierpark Weilburg, und Sary, geboren in Thoiry, Frankreich. Die Berliner Stuten wurden gemeinsam mit Hengsten aus Prag für das internationale Wiederansiedlungsprojekt ausgewählt.
Die Tiere stammen aus der in europäischen Zoos koordiniert gezüchteten Population. Das Programm soll bis 2029 rund 40 Przewalski-Pferde nach Kasachstan bringen.
Viktor Seibert und die Botai-Kultur
Mit dem Namen Botai ist auch das Vermächtnis des kasachstandeutschen Archäologen Viktor Seibert verbunden. Er entdeckte 1980 die Siedlung Botai im Norden Kasachstans und prägte die Erforschung der nach ihr benannten frühzeitlichen Kultur. Sein Bezug zur Botai-Kultur ist vor allem wissenschaftlich: Er machte den Fundplatz bekannt und prägte die Forschung über Jahrzehnte.
Die Benennung des Fohlens würdigt damit eine archäologische Entdeckung, die eng mit Seiberts Lebenswerk verbunden ist. Sie belegt jedoch nicht, dass die heutigen Przewalski-Pferde direkt von den Botai-Pferden abstammen. Eine Genomstudie von 2018 brachte Botai-Pferde mit der Linie der Przewalski-Pferde in Verbindung, nicht aber mit den Vorfahren der meisten heutigen Hauspferde. Die archäologische Deutung der frühen Domestikation der Botai-Pferde wird in Fachkreisen weiterhin heftig diskutiert.
























