Der deutsche Bestsellerautor Pierre Jarawan war vom 28. September bis zum 2. Oktober auf Lesereise in Kasachstan. Im Goethe-Institut in Almaty stellte er am vergangenen Freitag seine drei Romane vor und sprach über den Libanon, Identität und die Verbindung von Geschichte und Fiktion. Außerdem gab er Schreibworkshops in Astana und Almaty.

Ein deutscher Schriftsteller, drei Romane über den Libanon – und eine Lesung in Kasachstan: Am vergangenen Freitag, dem 2. Oktober, präsentierte Pierre Jarawan seine Bücher im Goethe-Institut in Almaty. Im Rahmen seiner Lesereise verbrachte der Bestsellerautor knapp eine Woche in Kasachstan.

Unterstützt von einer PowerPoint-Präsentation, jeder Menge Bildmaterial und einer Dolmetscherin stellte Jarawan seine Bücher vor, gab historische Kontexte und las einen kurzen Abschnitt – „nur dass ihr die Sprache mal hört“, richtete er sich an die Zuhörer. Es war eher eine Präsentation, als eine klassische Lesung.

In der Bibliothek des Goethe-Instituts kamen rund 20 Literaturinteressierte zusammen, darunter viele Studierende der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU), sowie Matthias Kiesler, der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Almaty.

Jarawan spricht ruhig und gelassen. Die Pausen, die er setzt, damit Bibliotheksleiterin Scholpan Kysaibaewa dolmetschen kann, klingen schon routiniert. Er hatte schon einige Tage hinter sich, um sich daran zu gewöhnen. Am 28. und 29. September hatte Jarawan zunächst der kasachischen Hauptstadt Astana einen Besuch abgestattet. Dort hielt er einen Workshop im Kasachisch-Deutschen Zentrum und trat in der Nationalen Akademischen Bibliothek auf. Neben Lesungen gab er sowohl in Astana als auch in Almaty Schreibworkshops. „Wir haben ganz viel selbst kreativ geschrieben, da ging es zum Beispiel darum, Atmosphäre zu erzeugen“, erzählt der Autor und Schreib-Coach.

Drei eigenständige Romane

Jarawan wurde als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Seine Eltern verließen den Libanon wegen des Bürgerkrieges. Seine drei veröffentlichten, eigenständigen Romane spielen allesamt im Libanon.

Sein Debütroman „Am Ende bleiben die Zedern“ wurde mehrfach ausgezeichnet. 2020 veröffentlichte er mit „Ein Lied für die Vermissten“, einen Roman, der das Thema der 17.000 im libanesischen Bürgerkrieg Verschwundenen behandelt. Im April 2025 erschien mit „Frau im Mond“ sein dritter Roman. Er wurde mit dem Tukan-Preis ausgezeichnet und vom SPIEGEL zu einem der 20 besten Romanen des Jahres 2025 gewählt.

In „Frau im Mond“ verknüpft Jarawan zwei reale historische Ereignisse, die genau 54 Jahre auseinanderliegen. Den „Höhepunkt Traum” – den Start einer Rakete der „Lebanese Rocket Society“, einer Gruppe von Studierenden mit dem Traum, zum Mond zu fliegen und den „Höhepunkt Albtraum” – die Explosion im Beiruter Hafen im Jahr 2020.

Im Buch erzählt der 100-jährige Maroun seiner Enkelin Lilith die Geschichte der „Lebanese Rocket Society“, die er mitbegründete. Lilith ist Dokumentarfilmerin und reist daraufhin 2020 in den Libanon, um nach Spuren ihrer Großmutter Anoush zu suchen, die armenische Wurzeln hatte und den Genozid an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts als kleines Mädchen in einem libanesischen Waisenhaus überlebte. Das Buch verbindet reale historische Ereignisse mit fiktionalen Charakteren und Geschichten.

Kasachstan ist Neuland

Einen Bezug zu Kasachstan hatte Jarawan vor dieser Reise nicht. Als Workshop-Leiter war er bereits in New York, Beirut, Kairo, Riga und Abu Dhabi tätig. „Es ist immer bereichernd, andere Menschen und andere Kulturen kennenzulernen“, sagt der Schriftsteller.

„Ich habe schon für einige Goethe-Institute etwas gemacht und irgendwann ist man bei denen im System”, erklärt er. Auch dieses Mal kam das Goethe-Institut auf ihn zu. „Themen wie Identität und Heimat spielen in diesem Land eine große Rolle, ich glaube, das ist der Grund, warum ich nach Kasachstan empfohlen wurde“, führt Jarawan aus. Denn auch seine Werke setzen sich mit Themen wie Identität, Erinnerungen, kulturellen Wurzeln und Familiengeschichte auseinander. Dinge, die auch das kasachische Publikum beschäftigen.

Auch nach der Präsentation am Freitag haben die Zuhörerinnen und Zuhörer jede Menge Fragen. Unter ihnen Zhanat. Zhanat ist Studentin an der Deutsch-Kasachischen Universität. „Ich denke, es ist ein sehr interessantes Buch, es ist ein historisches Thema und die Protagonistin ist sehr stark“, sagt die 19-Jährige. Zhanat schreibt selbst gerne Gedichte, vor allem über den Feminismus.

„Die Menschen sind sehr nett, offen und neugierig“, berichtet der 41-Jährige von seinen Erfahrungen in Kasachstan. Hier bleibe man nach dem Vortrag länger sitzen, als er es aus Deutschland kenne.

Line Brümmer

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