Trotz der Hochsaison von Sommerferien und Urlaub versammelte sich Mitte Juli im BUNT – dem Integrationszentrum Berlin-Neukölln – eine große Gruppe von Studenten und Nachwuchswissenschaftlern zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Deutschland – Kasachstan: Wissenschaftlicher Austausch im Bereich der Hochschulbildung und Forschung“. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Deutsch-Kasachischen Gesellschaft e. V. und dem Projekt (p)ost berlin der Stiftung BUNT.

Die wissenschaftliche und akademische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kasachstan ist ein wichtiger Bestandteil des Wissensaustauschs und der internationalen Vernetzung. Im Rahmen des Runden Tisches wurden aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Zusammenarbeit im Bereich Hochschulbildung und Forschung diskutiert.

Dabei ging es um Möglichkeiten für Studenten, Forscher und Hochschulen sowie um Förderprogramme wie die des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und Erasmus+. In diesem Jahr erhielten 16 leistungsstarke Studenten der Kasachisch-Deutschen Universität in Almaty ein DAAD-Stipendium für ein Jahr mit Doppelabschlussprogramm, elf weitere werden für ein Semester an eine deutsche Partnerhochschule gehen.

In seinem einführenden Vortrag gab Prof. Dr. Peter Enders, ein deutscher Physiker, der seit 2011 regelmäßig als Gastprofessor an Universitäten in Kasachstan tätig ist, einen Überblick über die inzwischen drei Jahrzehnte dauernde Entwicklung der deutsch-kasachischen wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit. Zu den wichtigsten gemeinsamen Forschungsfeldern zählen Umwelt- und Klimaforschung, erneuerbare Energien, Wasserressourcen, Medizin, Biotechnologie, Landwirtschaft, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Geologie und Rohstoffe sowie nachhaltige Entwicklung.

Im Mittelpunkt standen auch neuere Kooperationen, etwa zwischen der Kasachischen Nationalen Technischen Satbajew-Universität in Almaty und dem Bundesverband Logistik sowie zwischen der Ruhr-Universität Bochum, der Ostkasachischen Technischen Universität und der Deutsch-Kasachischen Universität. Über das erste „Deutsche Hochschul- und Wissenschaftsforum Zentralasien“ und das „Zentralasiatische Büro für nachhaltige Innovationen“ berichtete die DAZ bereits am 12. März 2026. Das Hochschul- und Wissenschaftsforum soll vom 22. bis 24. Februar 2027 fortgesetzt werden.

Perspektiven der weiteren Zusammenarbeit

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Teilnehmer ihre Erfahrungen und Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit. Besonders großes Interesse galt den Fremdsprachenkenntnissen als wichtiger Voraussetzung für den akademischen Austausch. Prof. Enders berichtete von seinen Erfahrungen mit Deutsch- und Englischkenntnissen an kasachischen Hochschulen. Häufig musste er in seinen Vorlesungen von Englisch auf Russisch wechseln, um komplexe Sachverhalte zu erläutern.

Vielen jungen Wissenschaftlern fällt es zudem schwer, wissenschaftliche Artikel auf Englisch zu verfassen. Zwar können moderne KI-Anwendungen dabei helfen, doch fundierte Englischkenntnisse und der Zugang zur internationalen Fachliteratur bleiben für einen erfolgreichen wissenschaftlichen Austausch unverzichtbar.

Immer mehr staatliche Universitäten in Deutschland bieten Studiengänge auf Englisch an und werden dadurch international attraktiver. Gleichzeitig bleibt die Beherrschung der Landessprache entscheidend für ein erfolgreiches Leben im jeweiligen Land. Aus diesem Grund hat Sanjar M., Informatikstudent an einer privaten Universität in Potsdam, bereits in Almaty begonnen, am Goethe-Institut Deutsch zu lernen.

Über die beruflichen Chancen, die Deutschkenntnisse eröffnen, berichtete Zarina Esbulatova, Stipendiatin des Internationalen Parlamentspraktikums des Deutschen Bundestages und Absolventin der Deutsch-Kasachischen Universität.

Die Diskussion zeigte deutlich: Der akademische Austausch zwischen Deutschland und Kasachstan bietet jungen Menschen vielfältige Chancen. Sprachkenntnisse persönliche Kontakte und gemeinsame Projekte bleiben dabei der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Peter Enders und Galina Nurtasinowa

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