Rohstoffe, Robotik, Milliardenprojekte: Beim Wirtschaftsforum in Berlin warben Kasachstan und Deutschland für eine neue industrielle Partnerschaft.
Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben beim Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforum für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit geworben. Nach Angaben des Ost-Ausschusses kamen im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt standen Möglichkeiten zur Vertiefung der Kooperationen in Industrie, Energie, Rohstoffen sowie Transport und Logistik.
Tokajew bezeichnete Deutschland als langjährigen strategischen Partner. Er würdigte die deutsche Industrie und den Mittelstand und sagte, Kasachstan wolle die bisherigen Einzelprojekte zu einer systematischeren Industriepartnerschaft weiterentwickeln. Dafür schlug er eine kasachisch-deutsche Investitions- und Industrieinitiative vor, die ausgewählte Vorhaben in einem gemeinsamen Portfolio bündeln soll. Ziel sei es, wirtschaftlich tragfähige Projekte zu fördern, die deutsche Technologien und Kompetenzen nach Kasachstan bringen und dort wettbewerbsfähige Produkte für regionale und internationale Märkte entstehen lassen.

Bemerkenswerter Investitionsbestand
Der gemeinsame Investitionsbestand umfasst laut Tokajew 40 Initiativen im Wert von mehr als 54 Milliarden US-Dollar; 21 Projekte seien bereits umgesetzt. Als Beispiele für bestehende Zusammenarbeit nannte er die deutschen Unternehmen CLAAS, Horsch, Amazonen-Werke und Knauf. Allein CLAAS habe in den vergangenen fünf Jahren in Kasachstan mehr als 2.100 Landmaschinen produziert. Tokajew verwies außerdem auf Vereinbarungen, kasachstanische Maschinenbauerzeugnisse – darunter Eisenbahnräder, die mit deutscher Ausrüstung hergestellt werden – auf den deutschen Markt zu liefern.
Für das Wirtschaftsforum hatte der Ost-Ausschuss die Unterzeichnung von 37 bilateralen Projektvereinbarungen im Gesamtwert von 1,8 Milliarden Euro angekündigt.
Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen. Kasachstan verfüge über 21 der 34 Rohstoffe, die die Europäische Union als strategisch einstuft, sagte Tokajew. Deutschland brauche verlässliche und diversifizierte Lieferungen; Kasachstan wiederum suche Investitionen und Technologie, um Rohstoffe stärker im eigenen Land zu verarbeiten.
Als nächsten Schritt regte der Präsident Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette an – von der Erkundung und Förderung bis zur Verarbeitung und Herstellung höherwertiger Produkte.
Auch in der Landwirtschaft sieht Tokajew Wachstumsmöglichkeiten. Der bilaterale Handel mit Agrarprodukten sei 2025 um 23 Prozent gestiegen; Kasachstans Agrarexporte nach Deutschland hätten um 38 Prozent zugenommen. Künftige gemeinsame Projekte könnten nach seinen Worten die gesamte Lieferkette umfassen – von Präzisionslandwirtschaft und wassersparender Produktion bis zu Verarbeitung, Lagerung und Export.

Gemeinsame Roadmap von 2026 bis 2028
Weitere mögliche Felder der Zusammenarbeit sind Energieinfrastruktur, Automatisierung, Werkzeugmaschinenbau, Industrierobotik und Digitalisierung. Tokajew schlug vor, bei wirtschaftlich tragfähigen Energieprojekten nicht nur Ausrüstung zu liefern, sondern sie auch teilweise in Kasachstan herzustellen. Deutsche Unternehmen könnten sich zudem am Ausbau von Rechenzentren beteiligen und gemeinsam mit kasachischen Partnern Anwendungen künstlicher Intelligenz für Bergbau, Energie und Logistik entwickeln.
Steinmeier beschrieb die wirtschaftlichen Stärken der beiden Länder als gegenseitige Ergänzung: Deutschland bringe Kapital, Technologie und industrielle Erfahrung ein; Kasachstan verfüge über bedeutende Rohstoffvorkommen, Wachstumspotenzial und eine strategische Lage zwischen Europa und Asien.
Die gemeinsame Erklärung der Präsidenten sieht zudem eine Roadmap für die industrielle, technologische und rohstoffbezogene Zusammenarbeit in den Jahren 2026 bis 2028 vor. Sie definiert den Aufbau von gemeinsamen Produktionen, die Gewinnung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe und den Ausbau belastbarer Lieferketten als Schwerpunkte.
























