Neuer Taxi-Hype in Kasachstan: Warum Green SM plötzlich alle herausfordert – und woran der Dienst noch scheitert.
Einen Fahrdienst zu nutzen ist für viele Menschen in Zentralasien ein ganz normaler Bestandteil des Alltags. Mit YandexGo hat sich seit 2016 ein im postsowjetischen Raum bekannter Anbieter fest in Kasachstan etabliert. Das russische Unternehmen bietet seine Fahrdienste auch in mehr als 20 Städten dieses Landes an. Es ist sowohl im Passagiergeschäft als auch als Lieferant von Lebensmitteln und Fertiggerichten aktiv.
Seit Juni drängt jedoch ein weiterer Anbieter auf dem Markt: Green SM. Das Versprechen des Neulings besteht in einer vollständig elektrifizierten Flotte von Taxis, die ihre Dienste zu angeblichen Kampfpreisen ab 700 Tenge anbieten. Doch wie gut ist der neue Fahrdienst wirklich? Ein Selbsttest ergab das Folgende.
Ein herausfordernder Buchungsprozess
Bei Green SM wird ebenso wie bei YandexGo über die eigene App gebucht. Diese ist für Apple iOS und Android-Geräte verfügbar. Der Buchungsprozess gestaltet sich zunächst herausfordernder als angenommen. Green SM funktioniert ausschließlich mit einer kasachstanischen Telefonnummer. Nicht alle Bezirke in Almaty werden angefahren. Somit sind die Kund*innen derzeitig in ihrer Zielauswahl eingeschränkt. Als Zahlungsmittel funktionieren alle nationalen und internationalen Mastercard und VISA-Karten. Genauso wie digitale Bezahlungsoptionen wie Apple Pay.
Nachdem meine ersten Registrierungsversuche fehlgeschlagen waren, ist es mir jedoch nach weiteren mehrmaligen Versuchen gelungen, mich mit einer kasachstanischen Handynummer erfolgreich zu registrieren. YandexGo ist in dieser Hinsicht einfacher zu bedienen. Denn die Registrierung und Buchung der Fahrten ist problemlos auch mit einer ausländischen Handynummer möglich. Das erleichtert vor allem Tourist*innen aus dem Ausland die Mobilität in der Stadt.
Ursprünglich hatte ich für meine erste Fahrt mit Green SM die Strecke vom DAZ-Büro ins Zentrum zur Ablai Khan Straße nahe der Kathedrale geplant. Jedoch stellte sich heraus, dass die Taxis von Green SM die Adresse der Redaktion nicht anfahren. Daher wählte ich eine nahegelegene Straße unterhalb der Al-Farabi als Abfahrtsort aus, um zu meinem Zielort zu gelangen. Eine Fahrt um 16:30 Uhr wird mit elf Minuten berechnet und kostet 1.020 Tenge (ca. 1,90 Euro).
Der Konkurrent bietet für die gleiche Fahrstrecke und Uhrzeit einen Preis von 1.100 Tenge an, womit Green SM einen minimalen Preisvorteil gegenüber Yandex bietet. Ich habe jedoch ungefähr 15 Minuten auf den Fahrer warten müssen, was im Schnitt zehn Minuten länger dauert im Vergleich zu YandexGo. Ebenfalls lässt sich die Wartezeit vor der Abholung nicht einsehen. Das bedeutet, dass die Abholzeiten mitunter länger sein können, was sich bei meinem Test leider bestätigt hat.
Komfortables Fahrerlebnis
Green SM betreibt eine Einheitsflotte der Klasse VinFast VF 6, welche besonders emissionsarm fahren. Wirklich hervorzuheben ist der Komfort im Fahrgastraum, welcher im Vergleich zu YandexGo höher ist. Gepolsterte schwarze Ledersitze und Klimaanlage sorgen für ein angenehmes und elegantes Raumgefühl. Ebenso steht dem Fahrgast genügend Stauraum vor und unter den Sitzen zur Verfügung. Das Auto ist modern und macht einen gepflegten, sauberen Eindruck.
Der Fahrer ist freundlich und gesprächig. Als ich ihn jedoch nach seiner bisherigen Erfahrung mit dem Unternehmen frage, reagiert er verhalten und verweist auf die vermeintlich günstigeren Preise für Fahrgäste. Weitere Informationen wollte er nicht mit mir teilen.
Die Gemütlichkeit meiner Fahrt steht leider im Kontrast zu den jüngsten Streikbewegungen der Fahrer*innen. Diese hatten sich vor der Green SM Zentrale versammelt, um für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu protestieren. Laut einer Beschwerde, die ich gepostet auf dem Newsfeeder Threads gefunden habe, werden die Ausgaben für Marketingkampagnen sowie Rababtte für Neukund*innen über Gehaltskürzungen bei den Fahrer*innen finanziert.
Ebenfalls würden die Fahrten unter den Angestellten ungerecht aufgeteilt. Dadurch hätten einige Fahrer*innen pro Tag viel geringere Verdienstmöglichkeiten als ihre Kolleg*innen. Dies führe zu einer verschlechterten Stimmung im Unternehmen. Es mache die Beschäftigungsverhältnisse weniger attraktiv für neu angeworbene Mitarbeitende. Daher zögen viele Fahrer*innen bereits einen Wechsel zur Konkurrenz in Betracht.
Persönliches Fazit
Entgegen der auf Social Media verbreiteten Bewertungen, ist Green SM im Vergleich zu YandexGo nicht unbedingt günstiger. Schon kurz nach Buchungsstart beschwerten sich Kund*innen über mehrfach abgebuchte Zahlungen vor Fahrtantritt. Sie berichteten von willkürlichen Stornierungen der Fahrten oder gar vom Nichtauftauchen der gebuchten Fahrt. Gleichzeitig beklagen aufgebrachte Fahrer*innen einen mangelnden Respekt der Führungsebene gegenüber der Belegschaft. Sie geben an, dass ihre Klagen systematisch ignoriert werden, obwohl die Lohnzahlungen ausbleiben.
Dass sich Green SM als eine erschwingliche, aber gleichzeitig qualitativ hochwertige Alternative zu YandexGo profiliert, ist meiner Ansicht nach nicht vollständig gerechtfertigt. Der Fahrdienst erfüllt neben Registrierungsproblemen von ausländischen Handynummern, längeren Wartezeiten und einem beschränkten Einsatzradius wichtige Voraussetzungen für ein reibungsloses Fahrterlebnis nicht. Damit positioniert sich Green SM momentan noch im Gegensatz zu seinem zuverlässigeren Wettbewerber.
Für den vietnamesischen Fahrdienst, welcher 2023 gegründet wurde, stellt der Eintritt in den zentralasiatischen Markt eine lukrative Expansionsmöglichkeit dar. Diese steht im Einklang mit dem rasanten Wirtschaftswachstums Kasachstan. Da Green SM auf dem kasachstanischen Markt noch in den Kinderschuhen steckt, muss dieser Anbieter zunächst seinen Bekanntheitsgrad steigern, um sich zu einer konkurrenzfähigen Alternative zu YandexGo zu entwickeln.
Angesichts des bisherigen Marktmonopols von YandexGo stellen weitere Fahrdienste dennoch eine willkommene Bereicherung für die ambitionierten Mobilitätsziele des Landes dar. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Green SM in Almaty angenommen wird und wie der Fahrdienst bestehende Probleme angeht, um dauerhaft auf dem kasachstanischen Markt Fuß zu fassen.























