Der Wiedereinstieg in Schule, Studium oder Arbeit muss kein Stress sein. Unternehmensberaterin Marina Schiller erklärt, warum Konzentrationsprobleme nach den Ferien normal sind, wie man Schritt für Schritt wieder in den Rhythmus findet – und wann hinter der vermeintlichen „Faulheit“ eigentlich Erschöpfung steckt.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu – und damit auch die Zeit der Ferien, des Urlaubs und des freien Tagesablaufs. Schon bald erwarten uns wieder frühes Aufstehen, lange Vorlesungen und drängende Deadlines. Nach der Rückkehr in den Alltag kann der Wunsch nach einem weiteren Urlaub aufkommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man fauler geworden ist. Körper und Gehirn brauchen einfach Zeit, um sich wieder an den Arbeitsalltag zu gewöhnen.

Wie der Wiedereinstieg ohne Stress gelingt, erklärt die Unternehmensberaterin und Expertin für Organisationsentwicklung und strategisches Management Marina Schiller. Seit 2021 ist sie außerdem als eingeladene Referentin bei verschiedenen Projekten des Verbands der Deutschen Jugend Kasachstans (VDJK) tätig.

„Zurück in den Rhythmus zu finden, bedeutet nicht, die Belastung sofort zu erhöhen, sondern Gewohnheiten und Regelmäßigkeit Schritt für Schritt wieder aufzubauen“, betont Marina Schiller.

Nach einer längeren Auszeit sollte man nicht sofort wieder die volle Leistung erwarten. Die Expertin empfiehlt, zunächst Schlafrhythmus und Tagesstruktur wiederherzustellen und die Belastung schrittweise zu steigern. Wichtig bleibt dabei ausreichend Zeit für Erholung: Schlaf, Spaziergänge und körperliche Aktivität helfen, wieder in den Arbeitsrhythmus zu finden.

Multitasking an, Konzentration weg

Nach den Ferien kann die Konzentration zunächst geringer sein. Laut Schiller lässt sie sich jedoch schrittweise wieder verbessern.

„Als Erstes empfehle ich, auf Multitasking zu verzichten. Wenn man gleichzeitig lernt, Nachrichten am Handy schreibt und durch soziale Netzwerke scrollt, wird die Aufmerksamkeit ständig hin und her gelenkt und die Effizienz sinkt. Besser ist das Prinzip: eine Lerneinheit – eine konkrete Aufgabe.“

Auch Aufgaben sollten möglichst konkret formuliert sein. Statt „Heute Mathematik lernen“ sollte man sich ein klares Ziel setzen: „In 30 Minuten fünf Aufgaben lösen.“ Große Aufgaben lassen sich zudem in kleinere Schritte teilen.

Die ersten zwei bis drei Wochen des Schuljahres sollte man als Anpassungsphase betrachten. Um sich nicht zu überfordern, hilft es, Aufgaben in Pflichtaufgaben, wichtige Aufgaben und zusätzliche Aufgaben einzuteilen und etwas Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen. Versäumtes sollte man nicht mit einer doppelten Belastung nachholen – kleine, regelmäßige Schritte sind effektiver.

Faulheit oder Erschöpfung?

„Mit dem Begriff ‚Faulheit‘ wäre ich vorsichtig. Hinter dem Satz ‚Ich möchte nicht lernen‘ können ganz unterschiedliche Gründe stecken: eine schwierige Aufgabe, fehlendes Interesse, die Angst, etwas nicht zu schaffen, oder einfach Müdigkeit. Statt sich selbst Vorwürfe zu machen, sollte man sich deshalb fragen: ‚Was hindert mich gerade daran, anzufangen?‘“

Wird es nach 10 bis 15 Minuten leichter, weiterzumachen, handelt es sich wahrscheinlich um normalen Widerstand beim Start. Schiller empfiehlt dann die Technik des kleinen Schrittes: nicht zwei Stunden lernen, sondern zunächst fünf Minuten anfangen.

Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und das Gefühl, dass selbst Erholung nicht hilft, sollte man dagegen ernst nehmen. Statt sich zu sagen „Reiß dich zusammen“, gilt es herauszufinden, was die Erholung erschwert.

Die Rückkehr zum Lernen ist kein Wettlauf. Manche brauchen wenige Tage, andere mehrere Wochen. Entscheidend ist, nicht sofort maximale Leistung zu erwarten, sondern Schritt für Schritt zu Rhythmus, Konzentration und dem gewohnten Tempo zurückzufinden. Ein stabiler Rhythmus ist wichtiger als schnelle Ergebnisse.

Veronika Librikht

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