Am 23. Mai 2026 fand im historischen Schloss Massenbach in Baden-Württemberg der Katharinenball statt. Dieser Abend vereinte Vertreter aus Kultur, Kunst, gesellschaftlichem Leben, Wirtschaft mit Menschen, denen die Bewahrung der Geschichte und das Schicksal der Deutschen aus Russland am Herzen liegt. Der Ball war nicht nur eine festliche Veranstaltung. Vielmehr war er ein bedeutendes kulturelles und gesellschaftliches Ereignis. Er war der Erinnerung, Identität, den Traditionen und den Erfolgen der russlanddeutschen Community in Deutschland gewidmet.
Organisiert wurde der Ball von den Kulturschaffenden Katharina Martin-Virolainen und Oleg von Riesen gemeinsam mit der Theatergruppe „Meine Leute“ und dem Team von KuBIK e.V. – Verein zur Förderung von Kultur, Bildung, Integration und Kunst. Das Ziel der Veranstaltung war nicht nur die Bewahrung der historischen Erinnerung. Außerdem wollte man die Förderung der Kultur, Literatur, Musik und Kunst der Russlanddeutschen erreichen. Ein weiteres Ziel war die Sichtbarmachung ihrer Leistungen für die bundesdeutsche Gesellschaft.
Die Geschichte der Deutschen aus Russland ist geprägt von dunklen Kapiteln – von Deportation, Repressionen, der harten Nachkriegszeit und jahrzehntelanger Diskriminierung in der Sowjetunion.
Aber auch die Elterngeneration hatte es nach der Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland oft nicht leicht. Viele mussten ganz von vorne anfangen. Diplome und Abschlüsse wurden nicht anerkannt, sie mussten sich in einer neuen Gesellschaft zurechtfinden und ihren Platz im neuen Leben finden.
Und trotz all dieser Schwierigkeiten kann man heute von einer echten Erfolgsgeschichte sprechen. Deutsche aus Russland sind heute in allen Bereichen des gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland vertreten. Diesen Erfolg verdankt die junge Generation vor allem ihren Eltern und Großeltern – ihrer Stärke, ihrem Durchhaltevermögen, ihrem Glauben und ihrer Zuversicht.
Der Katharinenball sollte deshalb nicht nur die Geschichte und Kultur sichtbar machen. Vielmehr sollte er auch ein Zeichen des Dankes sein – an die ältere Generation, die so viel geleistet und getragen hat.
Zudem sollte die Veranstaltung auch als Plattform zur Vernetzung und zum Austausch dienen. Zu den Ehrengästen des Abends gehörten das bekannte Schauspielpaar Peter Warkentin und Maria Warkentin, der Filmschauspieler Stephan Grossmann, der Sänger Björn Werner, Schriftstellerin und Journalistin Tamara Kudelin, Kulturschaffende und Schauspielerin Ida Martjan sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Kultur und öffentlichem Leben.
Unter den Gästen befanden sich Künstler aus unterschiedlichen Sparten, Unternehmer, Vertreter des Journalismus und Ehrenamtliche, die sich aktiv für die Bewahrung der Geschichte und Kultur der Deutschen aus Russland einsetzen.
Ein Ball aus vergangenen Zeiten
Bereits zu Beginn der Veranstaltung tauchten die Gäste in eine besondere Atmosphäre ein. Die alten Mauern des Schlosses, historische Porträts, das gemütliche Licht der Kronleuchter und sanfte Klänge des Harfenspiels durch die Musikerin Dorothee Memmler vermittelten das Gefühl eines Balls aus vergangenen Zeiten.
Viele Gäste erschienen in Abendgarderobe oder in Ballkleidern aus vergangenen Epochen, was die Eleganz und Feierlichkeit des Abends zusätzlich unterstrich. Die Atmosphäre des Schlosses versetzte die Besucher in eine andere Zeit. Gleichzeitig verband sie historisches Erbe mit moderner Kultur.
Ein zentraler Bestandteil des Programms war das preisgekrönte Theaterstück „Meine Leute“. Die Inszenierung ist ein Streifzug über die Geschichte der Spätaussiedler. Sie beginnt beim Manifest Katharinas II. und der Umsiedlung deutscher Kolonisten in das Russische Reich. Anschließend werden die tragischen Kapitel von Deportation, Repressionen unter Stalin und jahrzehntelanger Diskriminierung in der Sowjetunion gezeigt. Schließlich gibt es die Rückkehr vieler Familien nach Deutschland in den 1980 und 1990 Jahren.
Das Theaterstück löste beim Publikum viele Emotionen aus. Lachen wechselte sich mit Tränen ab, und nach der Aufführung berichteten einige Gäste, dass sie zum ersten Mal so intensiv mit der Geschichte der Russlanddeutschen in Berührung gekommen sind. Tief bewegt waren auch jene Besucher, die zuvor kaum etwas über das Schicksal der Russlanddeutschen wussten. Nach der Vorstellung bedankten sich viele Zuschauer bei den jungen Schauspielern und betonten die Bedeutung solcher Kulturprojekte und die Notwendigkeit, diese Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Musikalisches Highlight
Ein besonderes Highlight des Abends war der Auftritt der Sängerin Helena Goldt. Die Künstlerin präsentierte ein vielseitiges musikalisches Programm mit Liedern aus verschiedenen Epochen und Genres. Mit ihrer außergewöhnlichen Energie, Ausstrahlung und ihrem unvergleichlichen Gesangstalent begeisterte Helena das Publikum.
Die Gäste sangen mit, tanzten und wollten die Sängerin nicht von der Bühne gehen lassen. Ihr Auftritt wurde zu einem der emotionalsten Momente des Abends. Außerdem schenkte sie dem Publikum eine festliche und mitreißende Atmosphäre.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die Wanderausstellung „Geschichte als Schlüssel zur Gegenwart“ der Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen präsentiert. Die Ausstellung widmet sich der Geschichte der Auswanderung deutscher Kolonisten aus Büdingen in das Russische Reich in den Jahren 1766 und 1767. Seit 2023 begleitet die Ausstellung kulturelle, politische und geschichtliche Veranstaltungen. Sie wurde bereits in zahlreichen Städten in ganz Deutschland gezeigt.
Nach dem Abendessen fand eine festliche Tombola statt, die bei den Gästen auf großes Interesse stieß. Verlost wurden zahlreiche Geschenke der Veranstaltungspartner. Zu den Preisen gehörten Geschenksets des Kreativateliers von Yulia Vedentsova, das Buch „Möge die Welt dein Zuhause sein“ von Lena Wolf, Bücher zur Geschichte der Russlanddeutschen sowie Musik-CDs von Helena Goldt. Diese wurden von der Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen gesponsert. Die Tombola war nicht nur ein unterhaltsamer Programmpunkt. Darüber hinaus war sie ein Symbol für die Unterstützung kultureller Initiativen und die Zusammenarbeit der Organisationen.
Dialog zwischen Generationen
Der Höhepunkt des Abends bildete die große Fashion-Show des russlanddeutschen Designers August Raddatz aus Berlin. Er präsentierte seine neue Winterkollektion 2026-2027 unter dem Titel „Geschwindigkeit und Gefühle“.
Eine Kollektion, in der fließende Silhouetten und kühne Energie auf eine theatralische Ästhetik treffen und zu einem Manifest von Leidenschaft und Stärke verschmelzen. Die Modenschau sorgte für Begeisterung unter den Gästen des Balls. Die Models in eindrucksvollen Kreationen, die historischen Schlossinterieurs, das sanfte Kerzenlicht und die Atmosphäre der Mainacht schufen eine filmreife Szene.
Nach dem offiziellen Programm blieben die Gäste noch einige Zeit zusammen, tanzten, unterhielten sich und genossen die nächtliche Atmosphäre des Schlosses. Die Gäste betonten, wie wichtig solche Veranstaltungen heute seien, um kulturelle Erinnerung zu bewahren, den Dialog zwischen den Generationen zu stärken und Räume für Begegnung und Kreativität zu schaffen.
Dank des gemeinsamen Engagements wurde der Abend zu einem echten Fest der Erinnerung, der Kunst und der Begegnungen. Bereits jetzt freuen sich viele Gäste auf den nächsten Katharinenball, der erneut Menschen im Zeichen von Kultur, Musik, Geschichte und Gemeinschaft zusammenbringen wird.























