Wenn man an Kasachstan denkt, kommen den meisten Menschen zunächst zwei Dinge in den Sinn: endlose Steppen und imposante Berglandschaften. Doch das größte Land Zentralasiens hat Naturliebhaber*innen aber noch weit mehr zu bieten. Rund drei Autostunden nördlich von Astana liegt der Nationalpark Burabai, der wegen seiner bewaldeten Hügel, glasklaren Seen und markanten Felsformationen auch als die „kasachische Schweiz“ bekannt ist.
Der Name Burabai entstammt dem kasachischen Wort „Bura“, übersetzt Höcker. Die Form der Hügel erinnern an die Höcker eines Kamels, welches den Nomaden als heiliges Tier galt, weil es bei Gefahr die Menschen beschützte. Die drei größten Hügel Burabais symbolisieren ein lächelndes Gesicht.

Burabai wurde im Jahr 1898 als Park eingeweiht. Bereits 20 Jahre später erlangte der Nationalpark weitere Bekanntheit als Bade- und Kurort. Den Wassern wurde eine heilende Wirkung nachgesagt, welche vermehrt Atemwegserkrankte anzog, die sich von einem Besuch eine schnelle Genesung erhofften. Das milde Klima, die gute Luft und die Kiefernwälder machten Burabai daher zu einem attraktiven Erholungsort. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Burabai als Standort für verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen der Sowjetarmee genutzt, die zu Beginn des Krieges aus dem europäischen Teil der Sowjetunion dorthin verlegt worden waren. Im Jahr 1951 erhielt Burabai den Status eines Naturschutzreservates.
Somit kehrte Burabai allmählich zu seinen Ursprüngen zurück und wurde 2010 offiziell als Nationalpark anerkannt, der schon 2015 durch die Regierung als kasachstanischer „Hotspot des Ökotourismus“ ausgezeichnet wurde. Der bislang nennenswerteste Erfolg ist die Aufnahme des Parks in die Biosphärenreservate der UNESCO im Jahr 2022.
Im Laufe der Nachkriegsjahre entwickelte sich Burabai zu einem der artenreichsten Biotope des Landes mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Der Nationalpark beheimatet mehr als 305 verschiedene Tierarten. Dazu zählen das Sibirische Reh und der Eurasische Otter. Ebenfalls wurden im Nationalpark bis heute 757 Pflanzenarten registriert, wovon über 119 unter Schutz gestellt sind.
Die Legende um Burabai
Der Blick auf den massiven Granitfelsen Zhumbaktas, der mitten aus dem Burabai-See ragt, stellt das Wahrzeichen des Nationalparks dar. Interessant ist zudem, dass der 20 Meter hohe Felsen von jeder Seite anders aussieht. Um das Erscheinen des Zhumbaktas ranken sich viele Mythen.
Eine dieser Legenden besagt, dass im Zuge der Eroberung der Region durch Ablai Khan im 18. Jahrhundert eine wunderschöne Frau gefangengenommen wurde. Um sich der Avancen der Soldaten zu erwehren, rief sie einen Wettbewerb aus. Der geschickteste Soldat, welcher ihr Taschentuch auf der Spitze des Hügel Okzhetpes treffen könnte, den würde die junge Frau heiraten. Doch es gelang keinem der Soldaten, ihr Ziel aus so großer Entfernung zu erreichen.
Die Soldaten beschlossen daher, die junge Frau gewaltsam vom Berg herunterzuholen. Doch diese wollte ihren „Freiern“ unbedingt entgehen und stürzte sich vom Okzhetpes hinab, woraufhin sie der Wind bis ins Wasser des Burabai-Sees getragen haben soll, in dem sie spurlos verschwand. An der Stelle ihres vermuteten Aufschlages in der Mitte des Sees aber steht heute der Zhumbaktas.
Ausflüge und Aktivitäten rund um den See
Burabai besticht durch seine grüne Landschaft, die sich bis an den Horizont des insgesamt fast 130 000 Hektar großen Areals erstrecken. Besonders reizvoll ist der Aufstieg auf den Aussichtspunkt Bolektau. Von dort aus erhält man eine atemberaubende Aussicht auf den gesamten Nationalpark.
Wer den Aufstieg und Abstieg auf die unzähligen Hügel und Plateaus gemeistert hat, hat im Anschluss die Möglichkeit, mit einem gemieteten Boot über den See zu fahren oder die Wälder mit einem Rad zu erkunden. Doch es sind nicht nur die Wälder, die Tourist*innen nach Burabai locken: Der Urlaubsort punktet durch die Vielseitigkeit der Aktivitäten. Von Schwimmen und Angeln bis Wandern oder Klettern ist für jeden etwas Passendes dabei.

Die Wanderwege sind für ein durchschnittliches Fitnesslevel geeignet, jedoch sollte man darauf achten, genügend Wasser und Proviant mitzunehmen sowie die Haut durch das ausreichende Auftragen von Sonnencreme zu schützen. Grundsätzlich finden Touren bei jedem Wetter statt, so dass auch eine Regenjacke und vor allem Wanderschuhe mit festen Sohlen nicht im Reisegepäck fehlen dürfen.
Dies gilt insbesondere deshalb, da das Wetter schnell umschlagen und auf den Hochplateaus ein starker Wind wehen kann. Die Auf- bzw. Abstiege dauern je nach der Lage des jeweiligen Plateaus zwischen 30 Minuten und fünf Stunden. Man wird jedoch mit einer spektakulären Aussicht auf die Wälder und Felsen belohnt.
Obwohl ein Tagesausflug nach Burabai genügt, um die Hauptwanderrouten zu entdecken, ist ein längerer Aufenthalt vor Ort vor allem dann zu empfehlen, wenn man mehr Zeit mitbringt und sich auf eine längere Erholung eingestellt hat.
Das Zentrum Burabais bietet neben gehobeneren Hotels, Gasthöfen und Hostels auch die Chance zum Campen, wobei der Campingplatz nur wenige hundert Meter vom Flussufer entfernt liegt. Somit ist für jede*n Urlauber*in eine geeignete Unterkunft zu finden, die in Abhängigkeit vom individuellen Komfortniveau und Budget ausgewählt werden kann.
Viele Wege in die grüne Perle Kasachstans
Positiv fällt auf, dass der Ort nur von wenigen Tourist*innen aus dem Ausland angesteuert wird. Zudem gibt es von Astana aus mehrere erschwingliche Optionen nach Burabai zu gelangen. Möchte man kostensparend unterwegs sein, wählt man den Bus oder den Zug, welche mehrmals täglich zwischen der Hauptstadt und dem Kurort verkehren.
Allerdings ist zu beachten, dass die einzelnen Wanderrouten über den Nationalpark verteilt sind, weshalb es sich vielleicht dennoch empfiehlt mit dem Auto anzureisen, da öffentliche Verkehrsmittel vor Ort nur eingeschränkt zur Verfügung stehen und ein per Handy bestellbarer Taxiservice noch nicht funktioniert.
Bucht man eine Tour von Astana aus, welche Fahrzeug und Tourguide umfasst, ist diese jedoch mit höheren Kosten verbunden und man muss mit Ausgaben zwischen 100 und 300 Euro pro Tag rechnen. Dennoch lohnt es sich, in einen Mietwagen und einen ortskundigen Tourguide zu investieren, um ein bequemes und reibungsloses Reiseerlebnis zu genießen und sich mit der Region vertraut zu machen.
Ein Abstecher in die grüne Perle Kasachstans ist zu jeder Jahreszeit ein sehenswertes Erlebnis. Wer also fernab der großen Metropolen nach einem idyllischen Reiseziel sucht, wird sich mit Burabai eine weitere beeindruckende Region erschließen.


























