Das internationale Jugendcamp „Sommercamp 2026 – Vielfalt verbindet“ in Rumänien war für die Teilnehmenden viel mehr als nur eine Woche im Ausland. Für mich wurde es zur Erfüllung eines Kindheitstraums, zu einer intensiven Sprachpraxis und zum Beweis dafür, dass eine Sprache Menschen unabhängig von ihrer Herkunft verbinden kann.
Manchmal kann ein einziger Wettbewerb einen ganzen Sommer verändern und den Blick auf die Welt erweitern. Genau das ist mir passiert. Durch den Wettbewerb „Sommercamp 2026 – Vielfalt verbindet“ durfte ich gemeinsam mit drei weiteren Jugendlichen aus Kasachstan mein Land bei einem internationalen Jugendcamp im rumänischen Șumuleu-Ciuc (Schomlenberg) vertreten. Vom 26. Juli bis zum 3. August kamen dort rund 70 junge Menschen aus 13 Ländern Europas und Zentralasiens zusammen. Uns verband vieles: deutsche Wurzeln, das Interesse an der deutschen Sprache und die Freude daran, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen.
Endlich sicherer Deutsch sprechen
Als ich mich bewarb, hatte ich zwei große Ziele. Zum einen wollte ich endlich sicherer Deutsch sprechen, eine Sprache, die ich seit vielen Jahren lerne. Zum anderen wollte ich meinen Kindheitstraum verwirklichen und Siebenbürgen sehen. Was lange wie eine unerreichbare Vorstellung schien, wurde dank der deutschen Gemeinschaft, der Organisatoren und dieses Projekts Realität.
Von der ersten Minute an herrschte im Camp eine besondere Atmosphäre. Ich hatte keine Angst vor dem Kennenlernen, sondern war überzeugt, dass wir schnell eine gemeinsame Sprache finden würden. Und genau so kam es. Wenige Minuten nach meiner Ankunft führte ich bereits mein erstes Gespräch mit meiner Zimmernachbarin aus Serbien, natürlich auf Deutsch. Schon bald entstanden neue Freundschaften und das zunächst fremde Camp wurde zu einem Zuhause auf Zeit.
Besonders beeindruckt haben mich die vielen historischen Kirchen und die Architektur Rumäniens. Die gotischen Bauwerke haben mich schon immer fasziniert, deshalb wollte ich bereits am ersten Tag jede Straße erkunden. Später erfuhren wir mehr über die Geschichte der Region und den Einfluss deutscher Siedler auf die Entwicklung Siebenbürgens.
Der Alltag im Camp war abwechslungsreich. Nach dem Frühstück begannen die Projektarbeiten, bei denen wir uns mit Themen wie Migration, Heimat, Identität und der Geschichte der Gastarbeiter beschäftigten. Jeder beantwortete auf seine eigene Weise die Frage: „Was bedeutet Heimat für dich?“ Die unterschiedlichen Perspektiven zeigten, wie vielfältig unsere Erfahrungen waren.
Den Abschluss unserer Projektarbeit bildete ein interaktives Museum. Wir entwickelten Geschichten fiktiver Personen, gestalteten sie als Ausstellungsstücke und präsentierten sie beim offiziellen Abschluss Gästen aus Deutschland und den anderen Teilnehmenden. Jede Figur erzählte von Migration, der Suche nach einem Zuhause und dem eigenen Lebensweg. Dieses Projekt gab uns die Möglichkeit, das Thema Identität aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Teil einer Gemeinschaft
Doch das Camp bestand nicht nur aus Workshops. Nach den Programmpunkten begann die Freizeit, die viele von uns besonders genossen. Wir spielten Volleyball, Badminton und Gesellschaftsspiele, gingen gemeinsam durch die Stadt oder besuchten Kirchen. Schnell entstanden kleine Traditionen. Niemand blieb außen vor. Wenn jemand einen Witz nicht verstand, übersetzten wir ihn auf Deutsch, Englisch oder Russisch, damit alle gemeinsam lachen konnten. Genau darin zeigte sich für mich der wahre Geist eines internationalen Camps: Nicht die verschiedenen Länder standen im Mittelpunkt, sondern das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Eines Tages bemerkte ich plötzlich, dass um mich herum fast ausschließlich Deutsch gesprochen wurde und ich nahezu alles verstand. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Nach Jahren des Lernens merkte ich, dass ich tatsächlich frei mit Menschen aus verschiedenen Ländern kommunizieren konnte. Genau dafür hatte sich die Reise gelohnt.
Ein besonderer Bestandteil des Camps waren die Länderabende. Sie zeigten am besten die Idee des Projekts: Vielfalt trennt Menschen nicht, sondern bringt sie einander näher. Jede Delegation stellte ihre Kultur, Traditionen, Musik und Küche vor.
Bei der Präsentation Kasachstans wollten wir unser Land besonders vielfältig zeigen. Wir waren zu viert und bereiteten uns zwei Tage lang intensiv vor. Wir brachten traditionelle Kleidung, Schmuck, Spezialitäten und Spiele mit. Ich trug ein vollständiges, nationales Kostüm mit allen Verzierungen. Viele Teilnehmende kamen schon vor Beginn der Präsentation auf mich zu, stellten Fragen und bewunderten die Details des Outfits.
Unser Programm begann mit einer Begrüßung auf Kasachisch und Deutsch. Danach erzählten wir von Kasachstan, stellten unsere Traditionen vor und tanzten den Volkstanz „Қара жорға“. Anschließend luden wir alle ein, einige Bewegungen selbst auszuprobieren.
Auch traditionelle Spiele wie „Арқан тарту“, das Tauziehen, sorgten für Begeisterung. Zum Abschluss führten wir den Brauch „Шашу“ vor, bei dem Süßigkeiten verteilt werden. Für viele Teilnehmende war diese Tradition völlig neu und besonders spannend.

Ausflug nach Brașov
Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug nach Brașov (Kronstadt) und zum berühmten Schloss Bran. Für mich war dieser Besuch mehr als nur eine Reise. Schon als Kind wollte ich schon immer mal Transsilvanien besuchen. Als unser Bus das Schloss erreichte, konnte ich kaum glauben, dass eine Besichtigung diesen Ortes, den ich bisher nur aus Bildern kannte, nun Wirklichkeit geworden war. Wir erkundeten die alten Räume, engen Treppen und Innenhöfe des Schlosses, machten Fotos und genossen die besondere Atmosphäre. Die Bilder von diesem Tag gehören heute zu meinen schönsten Erinnerungen.
Noch wichtiger als die Orte waren jedoch die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Besonders die Freundschaften mit Teilnehmenden aus Ungarn, Polen, der Ukraine, Georgien und Serbien bleiben mir in Erinnerung. Obwohl wir aus unterschiedlichen Ländern kamen und zu Hause im Alltag verschiedene Sprachen sprechen, verstanden wir uns schnell. Wir halfen einander, erklärten neue Wörter und lernten kleine Ausdrücke aus unseren jeweiligen Sprachen.
Im Camp habe ich verstanden, dass perfekte Sprachkenntnisse nicht die wichtigste Voraussetzung für echte Kommunikation sind. Entscheidend ist die Bereitschaft, einander zuzuhören. Wenn jemand ein Wort nicht wusste, halfen Gesten, Beispiele oder Erklärungen. So erlernten wir nicht nur neue Begriffe, sondern erfuhren auch viel über die Menschen um uns herum.
Der Abschied war der schwierigste Moment. Viele konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Auch ich versuchte stark zu bleiben, doch als ich meine Freunde weinen sah, wusste ich, dass dieser Abschied nicht ohne Emotionen möglich sein würde. Wir umarmten uns lange und versprachen uns gegenseitig ein Wiedersehen, vielleicht als Teilnehmende bei weiteren internationalen Projekten oder eines Tages als Betreuerinnen und Betreuer.
Mehr als ein gewöhnliches Jugendcamp
Auch nach dem Camp ist der Kontakt geblieben. Wir schreiben uns, teilen Fotos und erinnern uns gemeinsam an diese neun Tage, die für uns alle etwas Besonderes geworden sind. Als das Flugzeug zurück nach Kasachstan abhob, wusste ich, dass ich nicht nur Souvenirs und Fotos mit nach Hause nahm. Ich brachte neue Erfahrungen, Erinnerungen und Freundschaften mit Menschen aus verschiedenen Ländern zurück.
Heute weiß ich, dass das Sommercamp 2026 viel mehr war als ein gewöhnliches Jugendcamp. Es hat mir geholfen, wesentlich selbstbewusster Deutsch zu sprechen, meinen Horizont zu erweitern, mir einen Kindheitstraum zu erfüllen und dabei Menschen kennenzulernen, die ich heute meine Freunde nennen kann.
Für diese Möglichkeit bin ich der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien (ADJ), dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR), dem Goethe-Institut Rumänien und dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) sehr dankbar. Durch ihre gemeinsame Arbeit entstehen Projekte, die jungen Menschen aus verschiedenen Ländern ermöglichen, die deutsche Sprache nicht nur zu lernen, sondern sie als Verbindung zwischen Menschen, Kulturen und Lebensgeschichten zu erleben.























