Sind Experimente immer erfolgreich? Vor fünf Jahren startete MachMit! als Versuch, ein neues Sprachlernkonzept zu verwirklichen. Heute zählt das Projekt zu den bekanntesten Initiativen des Verbands der deutschen Jugend Kasachstans und gilt längst als dessen Aushängeschild. Im Mittelpunkt dieses Neuansatzes steht das „Blended Learning“, welches den Online- und den Präsenzunterricht miteinander verbindet.

Schon der Name des Projekts bringt seine Grundidee auf den Punkt: Mach mit! Anders als in einem klassischen Ferienlager, in dem die Teilnehmenden ein fertiges Programm vorfinden, gestalten sie hier den Projektalltag selbst aktiv mit. Nur beim Deutschunterricht wird eine Ausnahme gemacht.

„In der Jugendarbeit gibt es viele Projekte, doch MachMit! ist unter ihnen wohl das sprachintensivste. Die Teilnehmenden lernen zunächst ein halbes Jahr lang online in zwei Gruppen auf dem Niveau B1 und B2 und absolvieren dabei insgesamt 120 Unterrichtsstunden. Anschließend treffen sie sich zur Präsenzphase, in der der Fokus weiterhin konsequent auf der deutschen Sprache liegt. Fünf Unterrichtsstunden Deutsch pro Tag sind dabei noch längst nicht alles. Am Nachmittag gestalten die Teilnehmenden Workshops auf Deutsch und entwickeln mit Unterstützung der Abendprogrammleitung das Abendprogramm, das sie anschließend selbst durchführen“, erklärt die Methodiketerin Darya Damrina.

Weit über den Deutschunterricht hinaus

Anders als in einem klassischen Ferienlager, in dem das Betreuungsteam den Großteil des Programms organisiert, übernehmen bei MachMit! die Teilnehmenden selbst einen großen Teil der Verantwortung. Jeden Tag schlüpfen sie in neue Rollen: Sie leiten die morgendlichen Aktivitäten, organisieren sportliche und kreative Workshops oder gestalten das Abendprogramm.

Dabei wird ihnen schnell bewusst, dass der Erfolg des Projekts auch von ihrem eigenen Engagement und ihren Entscheidungen abhängt. Genau darin liegt ein weiteres wichtiges Ziel der Akademie: junge Menschen auf ihre zukünftigen Aufgaben als Organisatorinnen und Organisatoren, Betreuerinnen und Betreuer sowie Workshop-Leitende in der Jugendarbeit vorzubereiten.

Gerade dieser Aspekt hat den diesjährigen Teilnehmer Viktor besonders beeindruckt: „Am meisten hat mich überrascht, dass die Aufgaben für jeden Tag auf alle Teilnehmenden verteilt wurden. Jeder hatte die Möglichkeit, ein Projekt mit eigenen Ideen kreativ mitzugestalten und Einfluss darauf zu nehmen, wie es am Ende aussieht.“

Ein großer Teil der Arbeit bleibt für die Teilnehmenden jedoch unsichtbar. Während sie den Unterricht besuchen, Workshops durchführen und die besondere Atmosphäre der Akademie genießen, sorgt das Organisationsteam dafür, dass jeder Programmtag reibungslos verläuft. Welche Arbeit sich hinter den Kulissen verbirgt, erklärt Darya Damrina:

„Hinter jedem Programmpunkt steckt eine umfangreiche Vorbereitung: Wir entwickeln Konzepte und Materialien, verteilen Aufgaben, planen die Logistik und koordinieren kontinuierlich die Arbeit des Teams. Auch während der Akademie müssen wir immer wieder spontan auf neue Situationen reagieren und den Ablauf anpassen. Den Teilnehmenden ist oft gar nicht bewusst, wie viel Zeit und Einsatz in jedem einzelnen Tag steckt – vor allem deshalb, weil sie selbst während der gesamten zehn Tage aktiv an der Gestaltung des Programms beteiligt sind.“

Nach den Worten von Darya Damrina dauert es nicht lange, bis aus einer Gruppe eine echte Gemeinschaft wird.

„Der Moment, in dem aus einer Gruppe ein echtes Team wird, zeigt sich schnell: Die Teilnehmenden unterstützen sich gegenseitig, kommunizieren offen und meistern Herausforderungen gemeinsam. Erfolge werden als Gemeinschaftsleistung erlebt – ein starkes Wir-Gefühl entsteht.

Auch die Online-Phase trägt dazu bei. Da sich die Teilnehmenden bereits vor der Präsenzakademie kennenlernen, fällt ihnen die Zusammenarbeit vor Ort von Anfang an leicht.“

Was macht MachMit! für viele junge Menschen so besonders?

Vielleicht ist es gerade die besondere Atmosphäre, die durch viele kleine Details entsteht. Eines davon ist die Tradition, jedem Tag der Akademie eine eigene Farbe zu widmen. Woher stammt diese Idee und welche Bedeutung steckt dahinter? Die Idee der Farbtage entstand 2024, als Darya Damrina die Koordination des Projekts übernahm.

„Wir wollten dem Projekt etwas Neues geben, das die Teilnehmenden noch stärker verbindet. Die täglichen Farben fördern den Austausch: Wer etwas Passendes braucht, bekommt Unterstützung von den anderen. So entstehen Gespräche, Gemeinschaft und neue Traditionen. Und am letzten Tag der Akademie tragen dann alle Lila Pantone”, erzählt sie.

Heute ist MachMit! längst mehr als nur eine Sprachakademie. In den vergangenen fünf Jahren hat sich rund um das Projekt eine starke Gemeinschaft entwickelt: Viele ehemalige Teilnehmende kehren heute als Lehrkräfte, Koordinatorinnen und Koordinatoren oder Organisatorinnen und Organisatoren zurück. Das Projekt entwickelt sich kontinuierlich weiter und bleibt dabei seinen Grundwerten treu.
Um zu verstehen, wie alles begann, haben wir mit einer der Mitbegründerinnen von MachMit!, Olga Beder, gesprochen.

Wie sie uns erzählt, war der Weg von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung keineswegs einfach. So konnte das Konzept im ersten Jahr nicht vollständig verwirklicht werden. Aus finanziellen Gründen musste die Akademie von August auf Dezember verschoben werden. Dadurch veränderte sich die Zusammensetzung der Teilnehmenden in der Online- und der Präsenzphase erheblich, weshalb sie erst den Jahrgang 2023 als den ersten wirklich gelungenen Durchgang betrachtet.

Die Terminverschiebung war allerdings nur eine von mehreren Herausforderungen. Weitaus schwieriger war es, junge Menschen zu finden, die sich ernsthaft und kontinuierlich mit der deutschen Sprache auseinandersetzen wollten – und nicht nur auf der Suche nach einer schönen Freizeitbeschäftigung waren. Eine weitere große Aufgabe bestand darin, einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. Dieser musste für Teilnehmende aus ganz Kasachstan gut erreichbar sein und zugleich optimale Bedingungen sowohl für einen intensiven Deutschunterricht als auch für eine erholsame Sommerakademie bieten.

Fünfjährige Traditionen

Bemerkenswert ist, dass die Teilnehmenden auch fünf Jahre nach der Gründung des Projekts genau jene Momente schätzen, die bereits den Gründerinnen und Gründern besonders am Herzen lagen. Olga Beder erinnert sich vor allem an die MachMit!-Hymne, die von Elisaweta Turdijewa geschrieben wurde. Dieselbe Tradition bezeichnet auch der Teilnehmer des Jahrgangs 2026, Viktor Ferber, als einen der prägendsten Momente der Akademie: „Zum Abschluss jedes Abendprogramms sangen alle gemeinsam ein Lied, das von den Teilnehmerinnen Anna Jakowenko und Jelisaweta Turdijewa sowie dem Sprachassistenten Maruf Frosch geschrieben wurde. Diese Tradition brachte uns jeden Tag ein Stück näher zusammen und wird allen Teilnehmenden lange in Erinnerung bleiben.“

Für Olga Beder misst sich der größte Erfolg des Projekts nicht an der Zahl der durchgeführten Akademien, sondern an den Menschen, die auch Jahre später Teil der Gemeinschaft bleiben. Besonders freue sie sich darüber, dass ehemalige Teilnehmende sich selbst als „MachMiter“ bezeichnen, weiterhin miteinander in Kontakt bleiben und später selbst Verantwortung in neuen Projekten über-nehmen.

Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft des Projekts wünscht, antwortet Mitbegründerin Olga Beder: „Ich wünsche mir, dass MachMit! auch in Zukunft weiterlebt und engagierte, neugierige junge Menschen zusammenbringt. Veränderungen sind unvermeidlich – sie sind ein Zeichen von Entwicklung. Wichtig ist jedoch, dass die Liebe zur deutschen Sprache, Eigenverantwortung und Kreativität immer im Mittelpunkt stehen.“

MachMit! ist weit mehr als ein Sprachprojekt. Hier lernen die Teilnehmenden nicht nur Deutsch, sondern auch im Team zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen, vor einem Publikum aufzutreten, eigene Ideen umzusetzen und andere Meinungen zu respektieren. Neben den sprachlichen Kompetenzen entwickeln sie soziale, kommunikative und organisatorische Fähigkeiten.

Deshalb verlassen viele die Akademie selbstbewusster, engagieren sich anschließend in weiteren Projekten und bleiben langfristig Teil der deutschen Jugendgemeinschaft in Kasachstan. MachMit! macht die deutsche Sprache nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Werkzeug für Kommunikation, Kreativität und persönliche Entwicklung.

Sind Experimente immer erfolgreich?

MachMit! hat diese Frage längst überzeugend beantwortet.

Veronika Librikht

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