Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der viele Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Darja Suworowa, Leiterin des Clubs „Neue Welle“ in der Stadt Lenger, unweit von Sсhymkent.

Liebe Darja, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?

Mein Weg in den Jugendclub begann schon in meiner Kindheit. Seit etwa zehn Jahren besuche ich das Deutsche Zentrum. Angefangen habe ich mit der Sonntagsschule. Als ich älter wurde, wechselte ich in den Jugendclub und begann, die älteren Mitglieder stärker zu beobachten. Mich hat inspiriert, wie sie sich weiterentwickeln, an Projekten teilnehmen und kreativ tätig sind.

Mit der Zeit wollte ich selbst Teil dieser Bewegung sein: mich weiterentwickeln, mehr über meine deutschen Wurzeln, die Geschichte und Kultur erfahren. Ich begann, an verschiedenen Projekten, darunter auch internationalen, teilzunehmen, und dadurch wurde mein Interesse noch größer. Später wurde ich zur Leiterin unseres Clubs „Neue Welle“ in Lenger gewählt.

Ich denke, genau die Möglichkeit, sich ständig weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein, hält mich bis heute dort.

Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?

Als Leiterin organisiere und koordiniere ich vor allem die Arbeit des Clubs. Dabei versuche ich, die Aufgaben entsprechend den Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder zu verteilen. Ich weiß, wer welche Stärken hat und wer vielleicht zusätzliche Unterstützung braucht.

Mir ist wichtig, dass niemand außen vor bleibt und sich jeder als Teil des Teams fühlt. Ich teile Neuigkeiten, informiere über neue Projekte und Aufgaben, verteile die Verantwortlichkeiten und achte darauf, dass alles erledigt wird.

Normalerweise treffen wir uns einmal pro Woche, meistens an den Wochenenden. Dann besprechen wir bevorstehende Veranstaltungen, proben, entwickeln neue Ideen und verbringen einfach Zeit miteinander.

Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?

Die größte Stärke unseres Clubs sind natürlich die Menschen. Wir sind eine sehr freundschaftliche und kreative Gruppe. Wir haben keine Angst vor neuen Ideen und sind immer bereit, etwas Neues auszuprobieren.

Wenn eine interessante Idee entsteht oder wir auf der Ebene unserer Stadt, unseres Bezirks, unserer Region oder gar der Republik ein Angebot bekommen, versuchen wir, diese Gelegenheit nicht ungenutzt zu lassen und packen die Sache an.

Natürlich wäre vieles davon ohne die Unterstützung unserer Lehrkräfte und der Leitung des Deutschen Zentrums nicht möglich. Gerade durch die gemeinsame Arbeit gelingt es uns, interessante Projekte auf die Beine zu stellen und die Jugendarbeit in Lenger weiterzuentwickeln.

Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?

Eine der größten Herausforderungen ist der ständige Wechsel in der Zusammensetzung des Clubs. Unsere älteren Mitglieder werden volljährig, beginnen ein Studium und ziehen häufig zum Studieren in andere Städte. Einerseits ist das ein ganz natürlicher Teil des Lebens, andererseits müssen wir dadurch ständig neue Mitglieder gewinnen, sie mit erst mit der Arbeit vertraut machen und nach und nach wieder ein neues aktives Team aufbauen.

Deshalb ist es für uns wichtig, nicht nur bestehende Traditionen zu bewahren, sondern auch die nächste Generation für die Arbeit zu begeistern.

Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?

Für unsere Region hat der Jugendclub eine große Bedeutung. Lenger ist eine vergleichsweise kleine Stadt, deshalb gibt es für junge Menschen nicht so viele Möglichkeiten, sich untereinander auszutauschen, sich kreativ weiterzuentwickeln und an interessanten Projekten teilzunehmen.

Dank „Neue Welle“ haben sie die Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen, ihre kommunikativen und kreativen Fähigkeiten zu entwickeln, mehr über die deutsche Sprache und Kultur zu erfahren und an verschiedenen Projekten und Veranstaltungen teilzunehmen. Für viele wird unser Club zu einem Ort, an dem sie sich entfalten, Freunde finden und das Gefühl bekommen können, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein.

Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?

Für mich ist dieses Jubiläum vor allem ein Grund, stolz zu sein. Ich bin stolz darauf, dass sich die deutsche Jugend Kasachstans bereits vor 30 Jahren zusammengeschlossen hat und seither das Interesse an ihrer Geschichte und ihren Wurzeln bewahrt, wodurch sich die deutsche Kultur auch hierzulande ständig weiterentwickelt. Ich bin stolz auf meine deutschen Wurzeln und darauf, dass wir heute offen darüber sprechen und uns als Deutsche bezeichnen können. Meine Großmutter hat erzählt, dass die Menschen früher manchmal sogar Angst hatten, offen über ihre Nationalität zu sprechen. Deshalb schätze ich es besonders, dass wir heute die Möglichkeit haben, unsere Geschichte und Kultur offen zu bewahren.

Darüber hinaus bietet der Verband zahlreiche interessante Projekte. Ich freue mich sehr, Teil dieser Bewegung und der modernen Geschichte der deutschen Jugend Kasachstans zu sein.

Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?

Ich wünsche unserem Club und der gesamten Jugend Kasachstans, dass sie sich weiterentwickeln können und viele neue interessante Projekte und Möglichkeiten bekommen, wobei die mutigsten Ideen auch wirklich umgesetzt werden sollten. Ich wünsche mir, dass junge Menschen keine Angst davor haben, Initiative zu zeigen, Neues auszuprobieren und alle Möglichkeiten zu nutzen, die ihnen offenstehen.

Und vor allem wünsche ich jedem, seinen eigenen Platz, Gleichgesinnte und die Möglichkeit zu finden, sich selbst zu entfalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Annabel Rosin.

Teilen mit:

Hinterlasse eine Antwort

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein