Anlässlich des 35. Jahrestages der Unabhängigkeit lud die usbekische Botschaft in Berlin zu einem hochkarätigen Empfang. Im Fokus standen die Bilanz des Reformkurses von Präsident Mirsijojew, die vier strategischen Zukunftsziele des Landes sowie die Vertiefung der verlässlichen deutsch-usbekischen Partnerschaft.

Zum 35. Jubiläum der Staatsgründung öffnete die usbekische Botschaft in Berlin-Moabit ihre Türen für einen diplomatischen Empfang, zu dem Botschafter Dilshod Akhatov Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft begrüßte. Die Feier zog Gäste aus der Diplomatie, dem Deutschen Bundestag, der usbekischen Community sowie der Zivilgesellschaft an.

Ein feierlicher Auftakt im Zeichen der Musik

Eingeleitet wurde der Abend durch die Nationalhymnen von Usbekistan und Deutschland. Am Klavier brillierte die Konzertpianistin Elena Kotlibulateva aus Taschkent, während Michael Lewin als Violinist das Publikum berührte. Unter der musikalischen Leitung von Inobat Akhmedova stimmten diese Klänge auf einen Abend der Völkerverständigung ein. Dilfuza Aslanova moderierte die Veranstaltung mit Fachwissen und Humor souverän und verlieh dem feierlichen Rahmen eine professionelle sowie herzliche Struktur.

Von den Anfängen der Souveränität zum Reformkurs

In seiner Ansprache blickte Botschafter Akhatov auf die Anfänge der staatlichen Souveränität Usbekistans zurück. Der Weg seit dem 1. September 1991, als das Land die Unabhängigkeit erlangte, führte auch durch komplexe historische Herausforderungen, die entschlossen gemeistert wurden.

1992 wurden mit Inkrafttreten der Verfassung die rechtlichen Strukturen des Landes verankert. Einen entscheidenden historischen Wendepunkt markiert das Jahr 2016, in welchem Schawkat Mirsijojew zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Durch umfassende Reformen und eine konsequente internationale Öffnung vollzog das Land den Wandel hin zu einer modernen Marktwirtschaft.

Vier strategische Ziele für das „Neue Usbekistan“

Für die nächste Entwicklungsphase hat der Staatspräsident vier zentrale Zielvorgaben gemacht, die das Fundament für das „Neue Usbekistan“ bilden sollen. Das erste Ziel umfasst die konsequent angestrebte Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung. Durch stetiges Wirtschaftswachstum soll das Bruttoinlandsprodukt massiv gesteigert werden, um so den allgemeinen Wohlstand langfristig zu sichern.

Als zweites Ziel forciert Usbekistan eine umfassende High-Tech-Transformation aller Wirtschaftssektoren und den Übergang zu einem innovationsgetriebenen Entwicklungsmodell mit Fokus auf wertschöpfungsstarke Branchen wie Elektronik und Automobilindustrie sowie auf die Förderung digitaler Dienstleistungen, den Ausbau der IT-Infrastruktur und die Anwendung von künstlicher Intelligenz.

Das dritte Kernziel beinhaltet den Ausbau der „Grünen Energie“, deren Anteil an der Gesamtenergieproduktion auf 40 Prozent anwachsen soll. Durch internationale Großprojekte mit globalen Partnern wird der Ausbau von Solar- und Windenergie vorangetrieben, um auch hier Ökologie und Wachstum miteinander zu vereinbaren.

Das vierte Ziel ist einer nachhaltigen Infrastruktur- und Sozialentwicklung in den lokalen Gemeinschaften gewidmet. Hierbei investiert der Staat gezielt und direkt vor Ort in den Ausbau von Trinkwasser- und Energienetzen, in die Modernisierung von Schulen und die Stärkung der sozialen Sicherheit.

Die deutsch-usbekische Partnerschaft auf neuem Niveau

In diesem Entwicklungsprozess nimmt die Bundesrepublik Deutschland einen besonderen Stellenwert ein. Als eines der ersten Länder weltweit hat Deutschland die Unabhängigkeit Usbekistans im Dezember 1991 anerkannt. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im März 1992 erweist sich Deutschland als verlässlicher Partner. Beide Staaten betonen die Absicht, die bilaterale Zusammenarbeit im Zuge des Modernisierungskurses auf ein noch höheres Niveau zu heben. Der Botschafter hob hervor, dass immer mehr namhafte deutsche Betriebe das Potenzial des usbekischen Marktes erkennen und darin investieren.

Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung ist die Förderung der jungen Generation. Mit modernen Berufsbildungsprogrammen schafft das Land die Basis für zukunftsfähige High-Tech-Branchen und neue Arbeitsplätze, betonte der Diplomat.

Ein Brückenbauer mit Herz, Humor und historischer Tiefe

Ein Highlight des Abends war das Grußwort von Gunther Krichbaum (CDU), dem Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. In seiner nahbaren, humorvollen Art verlieh er der Atmosphäre der Veranstaltung eine herzliche Note. Er schlug den Bogen zur Geschichte und erwähnte auch seine persönliche Verbindung zum Land, da sich seine eigene Tochter gegenwärtig in Usbekistan aufhält.

Krichbaum verwies auf die eindrucksvolle Geschichte Usbekistans und hob Samarkand als historische Wiege des Wissens hervor, in der Fundamente der modernen Medizin, Astronomie und Mathematik geschmiedet wurden. Die Region gilt seit der Antike als essenzieller Brückenbauer auf der Seidenstraße. In diesem Kontext lobte er auch das neue Zentrum für islamische Zivilisation (Center of Islamic Civilization), welches das historische Erbe schützt und als Brücke für den globalen Dialog fungiert.

Beeindruckt zeigte sich Krichbaum zudem von seinem kürzlichen Besuch in der Internationalen Tourismushochschule von Samarkand, die als zukunftsweisendes Innovationszentrum fungiert. Dort wird die berufliche Praxis – von Hotelzimmern bis zu realitätsnahen Airline-Strukturen – eins zu eins nachgebaut. Als wesentlichen Erfolgsfaktor nannte er die gelebte Mehrsprachigkeit. In Usbekistan erlernen derzeit rund 40.000 junge Menschen die deutsche Sprache, was eine ungemein starke Brücke bildet.

Kulturelle Vielfalt auf der Botschaftsbühne

Untermauert wurde die Veranstaltung durch filmische Impressionen aus Usbekistan, die den Gästen die landschaftliche Schönheit und den rasanten Modernisierungsprozess näherbrachten. Direkt im Anschluss an die Filmvorführung folgte ein alle Gäste beeindruckendes Konzert- und Tanzprogramm.

Neben dem wirtschaftlichen Fortschritt zeichnet sich die usbekische Gesellschaft durch ihr tiefes Streben nach Harmonie aus. Mit 16 staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften wird die religiöse Toleranz im Land als fester Bestandteil der nationalen Identität aktiv gelebt – eine Vielfalt, die sich auch auf der Bühne widerspielte.

Im Konzertteil wurden von den Musikern Werke von Chopin, Dilorom Omonullaeva, Avaz Mansurov, Fritz Kreisler und Fattah Nazarov vorgetragen. Den glanzvollen Schlusspunkt bildete der Auftritt zweier Tänzerinnen, deren grazile Bewegungen und farbenfrohe traditionelle Kleidung die verschiedenen Regionen Usbekistans repräsentierten.

Kulinarischer Ausklang im idyllischen Botschaftsgarten

Nach dem Kulturprogramm lud der Botschafter die Gäste zum feierlichen Empfang in den idyllischen Garten der Botschaft ein. Bei einem lebhaften Austausch unter freiem Himmel konnten die Teilnehmer moderne usbekische Kunstwerke betrachten.

Der kulinarische Höhepunkt des Empfangs im Freien war das traditionelle Nationalgericht Plov, das frisch zubereitet bei den Gästen auf begeisterte Resonanz stieß und den festlichen Charakter dieses diplomatischen Jubiläums perfekt abrundete.

Christian Grosse

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