Die außergewöhnliche Sommerhitze hat in diesem Jahr nicht nur Zentralasien, sondern auch weite Teile Europas erfasst. Obwohl beide Regionen von extrem hohen Temperaturen betroffen sind, gehen die Menschen mit der Hitze unterschiedlich um – dieser Umgang ist geprägt von Klima, Alltagsgewohnheiten und den jeweiligen infrastrukturellen Gegebenheiten.
In diesem Sommer wurden in zahlreichen europäischen Ländern neue Temperaturrekorde gemessen. Besonders Deutschland, das lange Zeit als ein Land mit gemäßigtem Klima galt, sieht sich zunehmend mit Hitzewellen konfrontiert. Immer häufiger steigen die Temperaturen auf bislang ungewohnte Höchstwerte und stellen sowohl die Bevölkerung als auch die Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Doch auch Kasachstan ist von extremer Hitze betroffen: In einigen Regionen wurden bereits Temperaturen zwischen +40 und +46 Grad Celsius gemessen.
Wie sich die Sommerhitze in Deutschland und Kasachstan unterscheidet und wie sie von den Menschen in beiden Ländern wahrgenommen wird, darüber sprach mit uns der Sprachassistent Michael Marx, der im Rahmen des Sprachcamps Jugendtreff.kaz kürzlich Kasachstan besuchte.
„Ja, der größte Unterschied zwischen der Hitze in Kasachstan und in Deutschland ist für mich, dass sich die Sonne in Kasachstan viel intensiver anfühlt. Wenn ich dort in der Sonne war, hatte ich oft das Gefühl, dass meine Haut regelrecht verbrennt. Die Hitze wirkt dort trockener, während sie in Deutschland häufig eher feucht und schwül ist.
Das merkt man auch am Schwitzen. In Deutschland bleibt der Schweiß durch die höhere Luftfeuchtigkeit oft länger auf der Haut, wodurch sich die Hitze drückender anfühlt. In Kasachstan ist die Luft trockener, so dass der Schweiß schneller verdunstet. Dadurch fühlt sich die Hitze anders an, aber die Sonne selbst ist deutlich intensiver.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass Schatten in Kasachstan einen viel größeren Unterschied machen. Sobald man aus der direkten Sonne herausgeht, wird es oft sofort spürbar angenehmer. In Deutschland ist es an sehr schwülen Tagen dagegen selbst im Schatten häufig noch warm.
Die unterschiedlichen Formen der Hitze erfordern auch unterschiedliche Strategien, um mit hohen Temperaturen umzugehen. Während im trockenen Klima Kasachstans oft schon ein Platz im Schatten für spürbare Erleichterung sorgt, bleibt es in Deutschland aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit selbst im Schatten häufig schwül. Es überrascht daher nicht, dass sich auch der Umgang mit der Sommerhitze in beiden Ländern deutlich unterscheidet.
Aus diesem Grund stellte sich die nächste Frage: Wie kommen die Menschen in Deutschland mit Hitzewellen im Alltag zurecht und wie haben sich ihre Gewohnheiten in den vergangenen Jahren verändert?
In Deutschland schütze ich mich normalerweise nicht besonders vor der Sonne. Erst wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, benutze ich Sonnencreme oder trage einen Hut. In Kasachstan habe ich das ähnlich gemacht. Wenn ich bei großer Hitze unterwegs war, hatte ich fast immer eine Mütze oder einen Hut auf und habe versucht, regelmäßig Sonnencreme zu benutzen.
Was mir außerdem aufgefallen ist: In Kasachstan war es in vielen Gebäuden deutlich heißer als in Deutschland, wenn sie keine Klima Anlagen haben.
Zu Hause habe ich keine Klimaanlage, und ich kenne auch nur wenige Menschen in Deutschland, die eine Klimaanlage in ihrer Wohnung oder ihrem Haus haben. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass Deutschland traditionell deutlich mildere Sommer hatte als Kasachstan. Deshalb wurde in vielen Häuser der Einbau von Klimaanlagen gar nicht vorgesehen. Statt dessen lüften viele Menschen nachts, wenn es kühler ist, und halten tagsüber die Fenster geschlossen und die Rollläden unten, damit die Hitze möglichst draußen bleibt.
Interessant fand ich allerdings, dass es während meines Aufenthalts in Kasachstan in Deutschland zeitweise sogar Temperaturen von bis zu 40 Grad gab. Das hat mich überrascht, weil die Sommer normalerweise in Kasachstan heißer sind als in Deutschland.
Ich habe aber den Eindruck, dass Klimaanlagen in Deutschland in den letzten Jahren immer beliebter werden. Die Sommer werden häufiger sehr heiß, so dass sich inzwischen viele Menschen überlegen, eine Klimaanlage nachzurüsten – und das ist etwas, was früher für die meisten gar kein Thema war.“
Die Beobachtungen von Michael Marx verdeutlichen zugleich eine Besonderheit Deutschlands: Über viele Jahrzehnte hinweg waren langanhaltende Hitzewellen dort eher die Ausnahme als die Regel. Deshalb verfügen zahlreiche Wohnhäuser und öffentliche Gebäude bis heute über keine Klimaanlagen.
Aus kasachstanischer Sicht, wo hohe Sommertemperaturen seit langem zum Alltag gehören, wirkt das zunächst ungewöhnlich. Gleichzeitig berichten jedoch auch viele Menschen in Kasachstan, dass die Sommer in den vergangenen Jahren zunehmend belastender geworden sind und bisher bewährte Maßnahmen gegen die Hitze nicht immer mehr ausreichen.
Wie die Menschen in Kasachstan mit den hohen Temperaturen umgehen und welche Strategien ihnen im Alltag helfen, schilderte Gabriela Gerlitz.
„Früher hat mein Körper Hitze nur sehr schlecht vertragen, und an heißen Tagen ging es mir oft nicht besonders gut. In den letzten Jahren habe ich jedoch festgestellt, dass ich hohe Temperaturen deutlich besser verkrafte. Ich glaube, dass vor allem meine Erfahrungen beim Bergwandern dazu beigetragen haben. Durch frühere Touren in der Steppe bei großer Hitze hat sich mein Körper allmählich an diese Bedingungen angepasst.
Natürlich ist mir heute ebenfalls heiß, aber zu meiner eigenen Überraschung fühle ich mich wesentlich besser als früher. Ich habe am eigenen Körper erlebt, dass sich der menschliche Organismus Schritt für Schritt an extreme Temperaturen gewöhnen kann. Selbst an besonders heißen Tagen habe ich weiter trainiert, damit sich mein Körper an die Belastung anpasst. Inzwischen kann ich mich auch bei großer Hitze problemlos in der Stadt bewegen.
Eine Klimaanlage gab es in unserem Haus bereits von Anfang an. In den vergangenen Jahren haben wir zusätzlich noch zwei weitere installiert. Außerdem nutzen wir Ventilatoren und andere Möglichkeiten, um die Räume zu kühlen.
Mir ist außerdem bewusst geworden, wie stark schon ein vergleichsweise kleiner Temperaturanstieg den Alltag beeinflussen kann. Vor kurzem fiel an meinem Arbeitsplatz während einer Veranstaltung der Strom aus, obwohl ich das Programm moderieren sollte.
Die Veranstaltung musste schließlich abgesagt werden, weil das Stromnetz der hohen Belastung durch den gleichzeitigen Betrieb zahlreicher Klimaanlagen nicht standhielt. Solche Situationen zeigen deutlich, wie eng klimatische Veränderungen inzwischen mit unserem täglichen Leben verbunden sind.
Im Alltag helfen mir oft ganz einfache Maßnahmen. Das Wichtigste ist, ausreichend Wasser zu trinken, denn eine Dehydrierung kann für den Organismus gefährlich werden. Außerdem benutze ich einen kleinen tragbaren Ventilator, der sich als sehr praktisch erwiesen hat.
Manchmal nehme ich auch ein kleines Handtuch mit, befeuchte es mit kaltem Wasser und lege es mir in den Nacken oder kühle damit mein Gesicht. Das verschafft sofort Erleichterung. Und natürlich gehören an heißen Tagen auch eine Kopfbedeckung sowie Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor unbedingt dazu.“
Der Klimawandel ist längst kein abstraktes Thema wissenschaftlicher Forschung mehr. Seine Folgen prägen inzwischen den Alltag von Millionen Menschen: Wetterbedingungen verändern sich, Gewohnheiten passen sich an, Infrastruktur wird zunehmend belastet und selbst der Tagesablauf richtet sich nach den steigenden Temperaturen.
Die Erfahrungen von Michael Marx und Gabriela Gerlitz zeigen, dass sich Menschen – unabhängig davon, in welchem Land sie leben – immer häufiger an neue klimatische Bedingungen anpassen müssen, ohne dabei ihre Gesundheit aus den Augen zu verlieren.























