Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der viele Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Oksana Galzewa, Leiterin des Clubs „Zwiebel“ in Kostanai.
Liebe Oksana, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
Ich bin durch mein Interesse an der deutschen Kultur und der deutschen Sprache in den Jugendclub gekommen. Ich wollte wissen, ob es in unserer Stadt Organisationen gibt, in denen man die Sprache erlernen und gleichzeitig die deutsche Kultur kennenlernen kann. Eine meiner Freundinnen gab mir damals den Kontakt zur damaligen Leiterin Mascha. Schon während unseres ersten Austauschs hatte ich das Gefühl, dass dort offenherzige, interessante und engagierte Menschen zusammenkommen.
Meine erste Veranstaltung war ein Treffen von drei Jugendclubs. Dort lernte ich die anderen Jugendlichen kennen, erlebte die warme und freundschaftliche Atmosphäre im Club und merkte, dass ich mich hier wirklich wohlfühlte. Letztlich hielten mich aber nicht nur mein Interesse an der deutschen Kultur, sondern vor allem die Menschen, die mich inspirieren, unterstützen und mir die Möglichkeit geben, mich selber weiterzuentwickeln. Seitdem ist der Club für mich ein Ort geworden, an den ich immer wieder gerne zurückkehre.
Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?
Als Leiterin des Jugendclubs kümmere ich mich um die Organisation unserer Treffen und Veranstaltungen. Alles beginnt mit der Planung: Wir überlegen uns das Programm, bereiten die benötigten Materialien vor und versuchen, eine angenehme Atmosphäre sowohl für die Teilnehmenden als auch für die eingeladenen Referenten zu schaffen. Mir ist wichtig, dass sich jeder, der zu uns kommt, willkommen fühlt.
Ich versuche immer, jeden persönlich kennenzulernen, ihm dabei zu helfen, sich einzuleben, und dafür zu sorgen, dass es ihm leichtfällt, ein Teil unserer Gemeinschaft zu werden. Genau so wurde ich damals aufgenommen, und heute möchte ich dieses Gefühl an andere weitergeben.
Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?
Ich denke, die größte Stärke unseres Jugendclubs sind die Menschen. Denn sie sind es, die den Club erst zu dem machen, was er ist. Jeder kommt mit seinen eigenen Erfahrungen, Interessen, Talenten und seiner ganz persönlichen Sicht auf die Welt. Und jedes Mal, wenn ich die jugen Leute etwas besser kennenlerne, dann entdecke ich auch neue Seiten an ihnen. Bei uns gibt es viele kreative, engagierte und vielseitig interessierte Menschen, die sich gegenseitig inspirieren.
Wahrscheinlich ist es genau das, was unseren Club lebendig und authentisch macht. Hier findet man Unterstützung, Gleichgesinnte, kann etwas Neues lernen oder auch ganz einfach eine schöne Zeit in guter Gesellschaft verbringen. Manchmal, wenn die Woche besonders anstrengend war oder der Alltag zu eintönig erscheint, wird der Club zu einer kleinen warmen Insel, auf der auf einen ehrliche Emotionen, liebe Menschen und das Gefühl warten, genau am richtigen Ort zu sein.
Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?
Ich würde nicht sagen, dass wir mit besonders großen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Es sind eher alltägliche Herausforderungen, mit denen sich wahrscheinlich jeder Jugendclub auseinandersetzt.
Die größte Aufgabe besteht vielleicht darin, jeden einzelnen Teilnehmer zu erreichen und für einige der Aktivitäten zu begeistern. Alle Jugendlichen sind unterschiedlich: Jeder hat seine eigenen Interessen, Hobbys und Erwartungen. Selbst wenn sich die meisten gerne auf ein bestimmtes Thema einlassen, kann es immer jemanden geben, der keinen Bezug dazu hat. Für mich als Leiterin ist es wichtig, nicht einfach nur eine Veranstaltung durchzuführen, sondern dafür zu sorgen, dass sich jeder eingebunden fühlt und etwas Interessantes für sich entdeckt.
Deshalb versuche ich ständig, neue Formate zu entwickeln, auf die Meinung der Teilnehmer zu hören und ihre Interessen zu berücksichtigen. Ich möchte, dass sich jeder, der in den Club kommt, als Teil unseres Teams fühlt und gerne wiederkommt.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Ich denke, für viele Jugendliche ist unser Jugendclub zu einem Ort geworden, an den sie wirklich gerne zurückkehren. Hier finden sie Gleichgesinnte, Freunde und Menschen, bei denen sie einfach sie selbst sein können, mit denen sie ihre Interessen teilen und eine schöne Zeit verbringen.
Besonders schön ist es, wenn die Teilnehmer von verschiedenen Projekten zurückkommen und so begeistert von ihren Erlebnissen erzählen, dass man sofort merkt, wie wichtig diese Erfahrungen für sie waren. In solchen Momenten wird einem bewusst, dass der Club viel mehr bietet als nur die Möglichkeit, an Treffen teilzunehmen. Er eröffnet neue Möglichkeiten, hilft dabei, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren, interessante Menschen kennenzulernen und selbstbewusster zu werden.
Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?
Für mich steht das 30-jährige Jubiläum vor allem für Geschichte, Kontinuität und den Erhalt unserer Kultur. Es erinnert daran, dass vor vielen Jahren junge Menschen wie wir mit demselben Interesse in die Clubs kamen, sich kennenlernten, Neues lernten, Projekte ins Leben riefen und neue Dinge für sich entdeckten.
Ich finde den Gedanken sehr schön, dass in diesen 30 Jahren unglaublich viele junge Menschen Teil des Verbandes waren und er für viele zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden ist. Hier haben sie echte Freunde gefunden, manche haben ihre große Liebe kennengelernt, andere ihre berufliche Zukunft entdeckt, und wieder andere haben einfach einen Ort gefunden, an dem sie sich zu Hause fühlten.
Ich hoffe, dass wir diese Geschichte heute weiterschreiben. Wir bewahren Traditionen, schaffen neue Möglichkeiten für junge Menschen und leisten unseren Beitrag dazu, dass sich viele Jahre später auch die nächste Generation mit derselben Wärme an ihre Zeit im Jugendclub erinnert.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?
Vor allem wünsche ich uns neue Ideen, Inspiration und Menschen, die einander unterstützen und gemeinsam vorankommen. Ich hoffe, dass wir immer Menschen an unserer Seite haben werden, die uns motivieren, uns dabei helfen, unsere Talente zu entfalten, und die keine Angst davor haben, etwas Neues auszuprobieren.
Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir die Wärme, Aufrichtigkeit und das Gefühl der Verbundenheit bewahren, die unsere Gemeinschaft so besonders machen. Möge diese Kontinuität von Jahr zu Jahr fortbestehen, immer mehr junge Menschen zusammenbringen und sie zu guten Taten, neuen Projekten und großen Erfolgen inspirieren.























