Am Freitagmorgen, dem 21. August, trafen sich am Zoologischen Institut in Almaty, unweit des Botanischen Gartens, Fledermaus-Enthusiasten und solche, die es vielleicht noch werden.
Knapp fünf Stunden lang ging es um Fledermausbiologie, die Besonderheiten Zentralasiens, Artbestimmung, akustische Kommunikation und Methoden der Fledermausforschung. Mitarbeitende des Instituts, Studierende, Vertreter von NGOs und schlicht Interessierte nahmen im Hörsaal im ersten Stock Platz. Die öffentlichen Vorträge wurden auch via Zoom übertragen. Ein Dolmetscher übersetzte die englischsprachigen Vorträge ins Russische.
„Wissenschaft ist nicht möglich ohne Zusammenarbeit“, begrüßte Aidyn Baurzhanovich Eszhanov, Direktor des Instituts, die Gäste. Vom 21. bis 26. August drehte sich alles um die fliegenden Säugetiere – zunächst im Hörsaal, später beim praktischen „Train-the-Trainer“-Lehrgang im Feld. Das sechstägige Programm fand im Rahmen eines Projekts statt, das die Weltnaturschutzunion (IUCN) zur Stärkung der Landschaftsresilienz gegenüber Zoonosen (Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können) in Zentralasien veranstaltete.
Kasachstan biogeographisch hochinteressant
Lehrgangsleiter Frieder Mayer interessiert sich schon seit seiner Schulzeit für Fledermäuse. Heute beschäftigt er sich auch mit ihrer Bedeutung für den Naturschutz. „Fledermäuse spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Beurteilung von Umwelteingriffen“, erklärt der Forscher vom Museum für Naturkunde Berlin.
Für ihn ist es der erste Aufenthalt in Kasachstan. In anderen Teilen Zentralasiens haben die Forschenden bereits Erfahrungen sammeln können.
Während sich das Wissen über Fledermäuse in Europa in den vergangenen Jahrzehnten – unter anderem durch Methoden wie das DNA-Barcoding zur Artbestimmung – stark erweitert hat, wurden in Kasachstan bislang vergleichsweise wenige Studien durchgeführt.
Dabei machen die große Lebensraumdiversität und die Lage zwischen verschiedenen faunistischen Räumen Kasachstan zu einem spannenden Forschungsgebiet. „Kasachstan verbindet den asiatischen Raum mit dem europäischen Raum und ist aus biogeographischer und evolutionsbiologischer Sicht hochinteressant“, sagt Mayer: „Hier gibt es sehr viele offene Fragen, die wir jetzt teilweise zu klären versuchen.“ Auch den Fledermausforscher Christian Diez reizt gerade das Unbekannte: „Es ist super spannend, hier gibt es riesige Flächen, wo noch nie jemand war.“
Aber auch nach der Abreise des internationalen Teams soll die Forschung weitergehen.
Ziel des Projektes ist es, Menschen vor Ort für die Fledermausforschung zu gewinnen und ihnen Methoden an die Hand zu geben, mit denen sie selbst weiterarbeiten können. Besonders interessant seien Forschende, die ohnehin viel im Feld unterwegs sind und bestehende Untersuchungen zum Beispiel an Insekten um Fledermausbeobachtungen erweitern könnten.
Mit ansteckender Begeisterung
Dietz’ Begeisterung für die Tiere ist kaum zu übersehen. Und er hat eine klare Mission: „Mein Ziel ist es, Sie alle in Fledermaus-Enthusiasten zu verwandeln“, richtet er sich an den Hörsaal. Bei Symbat Zhanbasbay könnte das bereits funktioniert haben. Die Biologiestudentin ist online auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. „Ich interessiere mich sehr für Biodiversität, Naturschutz und Artenschutz”, erzählt sie. Bei der Veranstaltung will sie Kontakte knüpfen, neue Interessen entdecken und mehr über das Forschungsfeld erfahren.
Am Samstag begann der praktische Teil des Projektes. Im Rahmen eines „Train-the-Trainer“-Lehrgangs ging es für eine kleinere, kuratierte Gruppe in den Altyn-Emel-Nationalpark, rund 230 Kilometer von Almaty. Dort standen unter anderem der Fang und die Bestimmung von Fledermäusen, der Umgang mit den Tieren, die akustische Überwachung sowie die Suche nach geeigneten Netzstandorten auf dem Programm. Bis Mittwoch lernten die Teilnehmenden, die vorgestellten Methoden selbst anzuwenden und die so erhaltenen Daten auszuwerten.
Auf fünf Stunden Theorie im Almatyer Hörsaal folgten somit mehrere Tage praktische Forschung – und vielleicht wurde dabei der eine oder andere neue Fledermaus-Enthusiast entdeckt.


























