Der Tourismus in Usbekistan erlebt derzeit einen echten Aufschwung – immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Urlaub im Herzen Zentralasiens und die Anzahl der Orte, die man unbedingt besuchen sollte, ist nahezu unendlich. Touristen wählen meist die klassischen Sehenswürdigkeiten und Freizeitangebote – Vergnügungsparks, weithin bekannte Museen, exotische Basare und die zentralen Straßen zum Flanieren.

Doch sind Städte meist nicht nur reich an klassischen Sehenswürdigkeiten, von denen man aus den Reiseführern erfährt – nein, sie haben noch viel mehr zu bieten: interessante und sehenswerte Orte, die jedoch manchmal etwas verborgen und weniger bekannt sind. Auch die usbekische Hauptstadt ist reich an solchen besonderen Orten und wir haben eine Liste zusammengestellt, welche Taschkent aus einer neuen Perspektive zeigt und die wahrlich reiche Geschichte der Stadt kreativ zum Ausdruck bringt.

Obwohl die fünf vorgeschlagenen „Must-Visits“ nach den persönlichen Interessen der Autorin ausgewählt wurden, gelten sie dennoch allgemein als wahre verborgene Schätze auf der Karte Taschkents, deren Geschichte es ermöglicht, die wichtigste Stadt des Landes aus einer weniger typischen, aber umso faszinierenderen Perspektive kennenzulernen.

NBU-Galerie. Adresse: Buyuk Turon ko’chasi 2, Taschkent

Wenn Sie Kunstgalerien mögen, ist diese Galerie im Herzen von Taschkent einen Besuch wert. Den Grundstock der Galerie bildet die Sammlung von Gemälden, Grafiken und zentralasiatischer Numismatik der Nationalbank für Außenwirtschaftstätigkeit der Republik Usbekistan.

Die Ausstellungen wechseln regelmäßig und zeichnen sich dadurch aus, dass hier Werke junger usbekischer Künstler und Bildhauer präsentiert werden. Außerdem finden sich hier Arbeiten von Studierenden an Kunsthochschulen. Durch die Werke junger Künstler kann man zum einen die Vielfalt ihres Schaffens entdecken, das von Ölgemälden bis hin zu grafischen Miniaturen reicht.

Zum anderen bekommt man einen Eindruck davon, wie sich die Künstlergeneration in ihren Arbeiten mit Themen wie Akzeptanz, Identität und dem ewigen Konflikt zwischen Eltern und Kindern auseinandersetzt. Die Galerie fördert nicht nur die nationale Kunst Usbekistans, sondern macht das Publikum auch mit internationalen Künstlern bekannt.

Kapelle des Heiligen Georg des Siegreichen. Adresse: Aftob Str. 6/1, Taschkent

Die im 19. Jahrhundert erbaute und im Jahr 2020 restaurierte Kapelle befindet sich in der Altstadt. Die Kapelle liegt versteckt im Inneren einer alten Mahalla, einer traditionellen Nachbarschafts- und Dorfgemeinschaft, die als soziale und administrative Basiseinheit fungiert, so dass man sie mithilfe eines Stadtplans finden muss. Die kleine Kapelle steht in einem runden Bereich und ist von einer ebenfalls kleinen Grünanlage umgeben.

Besonders bemerkenswert ist, dass man sie an diesem Ort überhaupt nicht erwartet – in unmittelbarer Nähe befinden sich alte eingeschossige Wohnhäuser und sie wirkt dabei wie eine kleine Oase aus grau-weißem Material mit Buntglasfenstern. Die Kapelle ist ein Denkmal der vorrevolutionären russischen Architektur in Taschkent, sie wurde über einem Massengrab von Soldaten errichtet, die bei der Eroberung Taschkents durch das Russische Kaiserreich ums Leben kamen.

Gedenkmuseum – Dauerausstellung über den Zwangsaufenthalt japanischer Staatsangehöriger in Usbekistan in den 1940er Jahren. Adresse: Yakkasaray Str. 20, Taschkent

Das Museum befindet sich zwischen privaten Wohnhäusern im Bezirk Yakkasaray und wurde vor drei Jahren eröffnet. Das Museumsgebäude hebt sich farbenfroh von den umliegenden Häusern ab und ist im traditionellen japanischen Stil gestaltet – mit einer weißen Fassade sowie leuchtend roten Fenster-, Tür- und Dachrahmen.

Das Museum ist bemerkenswert, da es einen ganz besonderen Teil der Geschichte der usbekisch-japanischen Beziehungen dokumentiert, der insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von Bedeutung war. Damals befanden sich rund 25.000 internierte japanische Staatsangehörige in Usbekistan, sie waren in speziellen Lagern untergebracht und wurden als Arbeitskräfte für den Wiederaufbau der Industrie eingesetzt. Diese Internierten wurden gezwungen, sich am Wiederaufbau und an der Errichtung zahlreicher Bauwerke zu beteiligen, darunter auch das Staatliche Akademische Große Theater für Oper und Ballett „Alischer Navoiy“.

Feuertempel „Ming Urik“. Adresse: Moshtabib ko’chasi 6, Taschkent

Der zoroastrische Tempel von Taschkent ist in Form einer archäologischen Ausgrabungsstätte erhalten geblieben, die zwischen Wohnhäusern im Herzen der Stadt verborgen liegt. Die usbekische Bezeichnung „Ming Urik“ bedeutet „tausend Aprikosen“, da sich an dieser Stelle einst ein großer Aprikosengarten befand. Die Erhebung besteht aus den Ruinen einer alten Festung, die die einstige Hauptstadt des Kaganats Tschatsch schützte, welches im 6.-8. Jahrhundert in der Oase von Taschkent existierte.

Das einzigartige Gelände weckte bereits Ende des 19. Jahrhunderts das Interesse von Archäologen – damals begannen die ersten Ausgrabungen und es wurden die ersten Artefakte entdeckt. Am Eingang werden die Besucher von einem ethnografischen Museum mit schönen traditionellen Ausstellungsstücken empfangen. Etwas weiter befinden sich die eigentlichen Ausgrabungen der Siedlung, die durch ihre Größe und die verwendeten Baumaterialien beeindruckt. Der Feuertempel ist mit einem Alter von etwa 2.000 Jahren das älteste Bauwerk der Siedlung und stammt daher eindeutig aus einer Zeit, die weit vor der Entstehung des Kaganats Tschatsch lag. Sowohl seine Geschichte als auch seine Lage unter freiem Himmel machen den Tempel zu einem besonders interessanten Architekturdenkmal.

Denkmal für Botyr Zakirov. Adresse: Botyr Zakirov 1, Taschkent

Botyr Zakirov gilt als Begründer der usbekischen Unterhaltungsmusik. Er lebte und war im 20. Jahrhundert künstlerisch tätig. Seine gesamte Familie prägte die usbekische Musikszene und war in der gesamten Republik sowie über deren Grenzen hinaus bekannt. Zakirov verfügte über eine außergewöhnliche, eindrucksvolle Stimme, die man direkt am Denkmal hören kann, denn neben dem Monument befindet sich ein spezielles Bedienfeld, über das Ausschnitte aus dem musikalischen Werk des Sängers abgespielt werden können.

Dieser Ort ist auch deshalb besonders, weil er im Schatten der Bäume gegenüber dem modernen Finanz- und Unterhaltungsviertel von Taschkent liegt und eine besondere historische Atmosphäre ausstrahlt. Das Denkmal befindet sich in der Nähe des Konservatoriums, an dem Botyr Zakirov studierte. Sowohl die Straße, auf dem das Konservatorium liegt, als auch das Institut für nationale Unterhaltungskunst tragen heute seinen Namen.

Wer Taschkent abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet in diesen verborgenen Schätzen eine Stadt voller Geschichte, Kunst und Geschichten, die es zu entdecken lohnt.

Kseniya Voevoda

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