Das Goethe-Institut in Almaty startet mit einer ungewöhnlichen Kampagne ins neue Schuljahr: Eine Kooperation mit der Modemarke AL BASTY samt Tanzperformance und ein Videowettbewerb. Dafür wagten sich auch einige Lehrkräfte in neue Gefilde – und vor die Kamera.
Die nachmittägliche Spätsommersonne fällt durch die Glasfronten der Bibliothek des Goethe-Instituts in Almaty. Zwischen Büchern mit Titeln wie „Deutsch C1” oder „Trachten in Mecklenburg” werden an diesem Freitag, dem 11. September, jedoch keine Verben konjugiert, Adjektive dekliniert und Artikel gepaukt. Heute findet auf dem grauen Teppichboden eine „Fashion Performance” statt. Erstmalig. Um den Coolnessfaktor des Deutschlernens hochzuschrauben, zeigt man sich experimentierfreudig, greift zu ungewöhnlichen Mitteln – und flotten Accessoires.
Hinter der Kollektion steckt eine Kooperation mit der kasachischen Modemarke „AL BASTY” von Alina Aitzhanova. Die Fashion-Designerin kombiniert Inspirationen aus kasachischer Mythologie mit moderner Streetwear. Für diese Kollektion ließ sie sich von Goethes Tragödie „Faust” inspirieren, die sie selbst als Schülerin gelesen hatte.
Nostalgie der Schulzeit
„Wir wollten die Nostalgie der Schulzeit einfangen”, erzählt sie – das Gefühl des Lernens, die Erinnerungen an den ersten Schultag. Als sie vor sechs Monaten mit der Idee auf das Goethe-Institut zukam, fand diese dort schnell Anklang.
„Wir wollen uns als junges und modernes Institut präsentieren”, erklärt Dmitri Kletschko, Leiter der Sprachabteilung. „Unser Motto lautet: Mit Deutsch ins neue Schuljahr.” Der Unterrichtsbeginn steht vor der Tür: Kursstart ist am 14. September. Jetzt gehe es darum, den richtigen „Vibe” zu transportieren, mit der modernen Interpretation von Geschichten aus dem Goethe-Alltag und der Verbindung von Bildung und Mode. Man solle die Kampagne sehen und denken: „Da will ich auch dazugehören.”
„Ein bisschen hat es auch dieses Berliner Flair“, sagt Kletschko und nickt in Richtung der Kollektion. Auf einem Buffettisch steht dosenweise Kombucha, hinter einem Bücherregal hantiert ein DJ.
Aitzhanova deutet sie auf eine Gruppe Anfang Zwanzigjähriger, die sich in Schale – in diesem Falle in jabotähnliche Kragen – geworfen haben und lacht: „Das sind unsere Freiwilligen, wir haben uns entschlossen, sie heute ein wenig zu dekorieren.”
Für das Fotoshooting mussten aber auch die Lehrkräfte herhalten. Mitunter in grauen oversized Blusen, schwarzen Röcken und flammenförmigen Krawatten sieht man sie nun auf dem Instagramkanal des Goethe-Instituts posieren.
Ein bewusster Bruch mit dem Bild, das man sonst von Sprachkursen hat.
„Was du postest, bewirkt etwas”
Für Kletschko war das Projekt eine persönliche Bereicherung. „Was du postest, bewirkt etwas. Das war auch für mich eine neue Erfahrung”, erzählt er. Nachdem die Bilder hochgeladen wurden, sprachen ihn Bekannte sowie Kolleginnen und Kollegen auf die Kampagne an. Auch von anderen Institutsstandorten und Instagram-Userinnen trudelten positive Rückmeldungen ein.
Für die Kampagne mussten die frisch geborenen Models allerdings nicht nur vor die Kamera treten, sondern auch weit aus ihrer Komfortzone. „Einige Lehrkräfte, die mitgemacht haben, hatten gar kein Social Media”, erzählt Saltanat Atyscheva, Beauftragte für Sprachkurse und Prüfungen. Sie selbst ließ sich ebenfalls für die Kampagne ablichten.
Der Mut zum Neuen scheint sich auszuzahlen. „Das Ziel von 300 Anmeldungen haben wir bereits übertroffen”, so Atyscheva. Es gab bereits 322 Anmeldungen, bis zum Kursbeginn rechnet man mit 350. „Unsere Kasachen melden sich gerne auch kurz vor knapp am Wochenende an”, sagt sie schmunzelnd. Sie ist schon seit über 20 Jahren am Goethe-Institut tätig und sie kennt ihre Pappenheimer.
Heute werden die Besucherinnen und Besucher jedoch nicht in Grammatik, sondern in Modewissen auf die Probe gestellt. In einem Seminarraum messen sich 20 Besucherinnen und Besucher in einem Fashion-Quiz. Um 17 Uhr folgt das Highlight des Tages: Tänzerinnen präsentieren die Kollektion von AL BASTY in einer eigens dafür entwickelten Performance.
Deutschkurs zu gewinnen
Doch das Goethe-Institut hat noch mehr im Ärmel. Zur Zeit läuft ein Videowettbewerb unter dem Motto „Kleider machen Leute”.
Noch bis zum 18. Oktober kann ein maximal dreiminütiges deutschsprachiges Video eingereicht werden. Egal ob Kurzfilm, Vlog, Sketch, Interview oder Animation – das ist Jacke wie Hose – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Zu gewinnen gibt es unter anderem einen Online-Deutschkurs.

























