Seit 30 Jahren besteht der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), der viele Clubs im ganzen Land vereint. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir mit den Leiterinnen und Leitern über ihre Motivation für die Jugendarbeit und über die Herausforderungen, denen sie heute begegnen. Diesmal im Gespräch: Jessica Dudarowa, Leiterin des Clubs „Zodiak“ in Kokschetau.
Liebe Jessica, wie bist du selbst in deinen Jugendclub gekommen und was hat dich dort gehalten?
Ich bin 2023 zum Jugendclub „Zodiak“ in der Stadt Kokshetau gekommen. Zunächst wollte ich vor allem meine Deutschkenntnisse verbessern und mehr über die deutsche Kultur erfahren. Doch sehr schnell habe ich verstanden, dass der Club für mich viel mehr bedeutet. Hier habe ich Menschen gefunden, mit denen ich Interessen und Werte teile. Besonders gehalten haben mich die Atmosphäre, die Freundschaft und die Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung in interessanten Bereichen, die der Verband der Deutschen Jugend Kasachstans bietet. Heute kann ich sagen, dass „Zodiak“ für mich wie ein zweites Zuhause geworden ist.
Welche Aufgaben hast du als Leiterin und wie sieht dein Alltag im Jugendclub aus?
Als Leiterin plane und organisiere ich verschiedene Veranstaltungen, tausche mich mit den Jugendlichen aus und verteile die Aufgaben innerhalb des Teams. Außerdem leite ich ein Theaterstudio für Kinder und Jugendliche und arbeite als Deutschlehrerin.
Deshalb ist jeder Tag anders: Wir planen Veranstaltungen, führen Treffen, Proben und Trainings durch und nehmen an unterschiedlichen Projekten teil. Für mich ist es wichtig, nicht nur Aufgaben zu verteilen, sondern selbst aktiv mitzuarbeiten und die Jugendlichen zu unterstützen.
Was ist aktuell die größte Stärke eures Jugendclubs?
Ich denke, unsere größte Stärke sind die Menschen und unser Zusammenhalt. Jede und jeder kann eigene Ideen einbringen und Verantwortung für deren Umsetzung übernehmen. Gleichzeitig verbinden uns die deutsche Sprache, Kultur und die Geschichte der Wolgadeutschen. Mir gefällt auch, dass wir moderne Themen mit unseren Traditionen verbinden und dadurch für junge Menschen interessant bleiben.
Ich möchte auch unser Theaterstudio hervorheben. Durch die Schauspielkunst wachsen wir nicht nur enger zusammen und werden selbstbewusster, sondern erzählen auch so spannend über die Geschichte der ethnischen Deutschen, dass Menschen nach unseren Aufführungen beginnen, sich für dieses Thema zu interessieren. Gleichzeitig verbessern wir dabei unsere Deutschkenntnisse.
Welche Herausforderungen begegnen euch in der Jugendarbeit vor Ort?
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die langfristige Motivation junger Menschen zu erhalten und ihr Interesse an ehrenamtlicher Tätigkeit zu wecken. Viele haben Verpflichtungen in der Schule, der Universität oder der Arbeit und verfügen daher nicht immer über genügend Zeit. Deshalb müssen wir interessante und moderne Formate entwickeln.
Ein weiteres Problem ist, dass es in kleineren Städten weniger Möglichkeiten und Ressourcen gibt. Wir versuchen jedoch, selbst neue Projekte zu entwickeln und jungen Menschen Chancen zur Weiterentwicklung zu eröffnen.
Welche Bedeutung hat der Jugendclub für junge Menschen in deiner Region?
Für junge Menschen in unserer Region ist unser Jugendclub ein Ort, an dem sie sich in verschiedenen Bereichen ausprobieren, neue Menschen kennenlernen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können. Hier haben sie die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu organisieren und ihre Meinung zu äußern.
Besonders wichtig ist, dass die Jugendlichen sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen und zugleich die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen können. Der Club zeigt, dass junge Menschen auch in einer kleinen Stadt viele interessante Möglichkeiten haben können.
Was bedeutet dir das 30-jährige Jubiläum des Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstans persönlich?
Für mich bedeutet dieses Jubiläum vor allem 30 Jahre Geschichte, Arbeit und Engagement mehrerer Generationen junger Menschen. Besonders schön ist für mich, selbst Teil dieser Geschichte zu sein.
Durch den Verband habe ich viele Entwicklungsmöglichkeiten erhalten, unterschiedliche Menschen kennengelernt, Freunde gefunden und an Bildungs- und internationalen Projekten teilgenommen. Deshalb ist dieses Jubiläum für mich nicht nur ein Datum, sondern auch eine Gelegenheit, Danke zu sagen und stolz auf unsere gemeinsame Arbeit zu sein.
Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für deinen Jugendclub und für die Jugend in Kasachstan?
Ich wünsche unserem Jugendclub, sich weiterzuentwickeln und noch mehr junge Menschen zu erreichen. Ich hoffe, dass wir noch mehr mutige und kreative Projekte umsetzen und jungen Menschen die Möglichkeit geben werden, ihre Ideen zu verwirklichen.
Der Jugend Kasachstans wünsche ich mehr Möglichkeiten für ihre Bildung, für das Sammeln internationaler Erfahrungen und für ihre persönliche Entwicklung. Ich wünsche mir, dass junge Menschen keine Angst haben, ihre Meinung zu äußern, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft selbst mitzugestalten – und dass sie weiterhin unserer gemeinsamen Mission folgen.






















