12 Lehrkräfte für Deutsch, Methodikerinnen und Methodiker aus den regionalen Gesellschaften der Kasachstandeutschen nahmen an einer Fortbildung zum DLL-Modul 5 „Lehr- und Lernmedien“ teil. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kasachstan durchgeführt und verband eine Online-Lernphase mit einer Präsenzphase sowie mit zahlreichen praktischen Übungen.

Voneinander lernen

Deutsch Lehren Lernen, kurz DLL, ist ein internationales Fortbildungsprogramm das gemeinsam vom Goethe-Institut und der Gesellschaftlichen Stiftung „Republikanische ethnokulturelle Vereinigung der Kasachstandeutschen“ für Lehrkräfte, die Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache unterrichten, organisiert wird. Das Besondere an dem Programm ist die Verbindung von Theorie, Praxis und der Reflexion des eigenen Unterrichts.

Für die meisten Teilnehmenden der aktuellen Gruppe war die Teilnahme an dem DLL-Modul 5 eine neue Erfahrung: Fast alle absolvierten zum ersten Mal eine DLL-Fortbildung. Nur einige hatten bereits zuvor an einem anderen Modul des Programms teilgenommen. Wie die Kurstutorin Suchra Sysdykowa betont, stellte dies jedoch kein Hindernis dar: Die Teilnehmenden fanden sich schnell in die Arbeit ein und bewältigten die gestellten Aufgaben erfolgreich.

Die Online-Phase erforderte viel Zeit und Eigenständigkeit. Die Teilnehmenden bearbeiteten Aufgaben für ihr Portfolio, führten kleine Untersuchungen zu sprachlichen Themen durch, diskutierten ihre Ergebnisse in Online-Gruppen und konnten sich bei gemeinsamen Treffen über Materialien und Erfahrungen austauschen.

Für Anna Yakovenko, Organisatorin der Spracharbeit, Methodikerin und Lehrerin, war gerade dieser Austausch besonders wertvoll: „Ich bin noch eine junge Lehrerin und unterrichte erst seit vier Jahren. Deshalb fand ich es besonders interessant zu sehen, wie Kolleginnen und Kollegen mit mehr Berufserfahrung dieselben Aufgaben bearbeiten und wie sie diese wahrnehmen“, erzählt Anna.

So wurde die Fortbildung zu einem Raum für den fachlichen Austausch. Die Teilnehmenden teilten Links zu interaktiven Plattformen, Materialien und eigenen Ideen. Alle brachten dabei nicht nur eigene Fragen, sondern auch persönliche Erfahrungen und bereits erprobte Methoden in die Gruppe ein.

PEP-Frage: Wenn Theorie zum Experiment wird

Der praktischste Teil des Projekts begann während der Präsenzphase. Die Teilnehmenden sollten eine PEP-Frage formulieren – eine Forschungsfrage, mit der sie einen konkreten Aspekt ihres Unterrichts überprüfen und weiterentwickeln konnten. Dabei verweist die Abkürzung „PEP“ auf ein „Praxis-Erkundungs-Projekt“. Anschließend ging es darum, das theoretische Wissen anzuwenden und zu beobachten, ob der gewählte Ansatz in der Praxis funktioniert.

Zunächst beobachteten die Teilnehmenden den Unterricht ihrer Kolleginnen und Kollegen. Anschließend entwickelten sie selbst Materialien und übernahmen den Unterricht. Eine Unterrichtsstunde wurde dabei von drei Lehrkräften gemeinsam durchgeführt, während die anderen Teilnehmenden den Ablauf beobachteten.

Für die Methodikerin Anna Yakovenko war dies eine besonders wertvolle Erfahrung: „Eine Unterrichtsstunde mit einer Gruppe, mit der die Lehrkraft bereits bekannt ist, lässt natürlich eine bestimmte vorhersehbare Lernsituation entstehen. Aber eine neue Gruppe, eine neue Zusammensetzung und andere Lehrkräfte – das ist schon eine ganz andere Situation.“

Nach Annas Worten ermöglichte dieses Format das Beobachten, wie mehrere Lehrkräfte gleichzeitig in einer Unterrichtsstunde arbeiten und miteinander interagieren.

Eine der Gruppen, mit denen Anna arbeitete, bestand aus Jugendlichen. Ihr Team wollte herausfinden, ob zusätzliche digitale Materialien das Interesse am Unterricht steigern können. Beim ersten Unterricht waren sieben Schülerinnen und Schüler dabei, beim zweiten bereits elf – vier von ihnen kamen zum ersten Mal. Einige kannten auf Deutsch praktisch nur die Worte „Ich heiße“.

Im Unterricht setzten die Lehrkräfte digitale Übungen in spielerischer Form ein. So lernten die Jugendlichen beispielsweise die Farben mit Hilfe interaktiver Aufgaben. Besonders dieses Thema kam bei den Jugendlichen gut an: Sie beteiligten sich aktiv und hatten sichtbar Freude an den Übungen. Auffällig war dabei, dass gerade die neu hinzugekommenen Schülerinnen und Schüler besonders aktiv mitmachten. Für die Lehrkräfte war dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie digitale und spielerische Übungen auch Anfängerinnen und Anfängern helfen können, sich schneller in den Unterricht hineinzufinden.

Die gesamten 60 Minuten wurden auf Deutsch gestaltet. Um den Schülerinnen und Schülern das Verständnis der Aufgaben zu erleichtern und sie zur Mitarbeit zu motivieren, arbeiteten die Lehrkräfte mit Gesten und vereinfachten sprachlichen Hinweisen.

„Die leuchtenden Augen der Kinder – das ist eigentlich das Wichtigste, was einen Pädagogen freut“, sagt Anna.

Das Gelernte weitergeben

Nach Abschluss der Fortbildung können die Teilnehmenden das erworbene Wissen in ihrem eigenen Unterricht anwenden und ihre Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen in ihren Regionen teilen.

Für Anna Yakovenko war es auf ihrem beruflichen Weg besonders wertvoll, die eigene Arbeit einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Am Ende resümierte sie ihre Erfahrung so:

„Das ist ein tolles Projekt, das einem wirklich ermöglicht, den eigenen Horizont als Lehrkraft zu erweitern, vertraute Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und Feedback von Kolleginnen und Kollegen zu bekommen.“

Veronika Librikht

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