Der Alltag zentralasiatischer Frauen: Tadschikistan

Alltag tadschikischer Frauen wie Idigul
Frauen in Dushanbe. Foto: flickr.com/veni

Drei Länder, drei Frauen, drei verschiedene Lebensgeschichten: Sobira Majidowa aus Usbekistan, Schachnos Bachtijorowa aus Tadschikistan und Amelia Gurbanowa aus Turkmenistan haben sich anlässlich des Internationalen Frauentages, am 8. März, zusammengeschlossen und berichten aus dem Alltag von Frauen in ihren jeweiligen Ländern. In Porträts stellen sie ihre Protagonistinnen vor und zeigen entweder in einem Text oder photographisch, wie der Alltag von Frauen in Zentralasien aussieht.

Alltag einer tadschikischen Frau, deren Mann in Russland ist

Idigul ist Tadschikin und ist 41 Jahre alt. Sie hat vier Kinder. Seit sieben Jahren ist ihr Mann Nurali in Moskau. Dort arbeitet er als Taxifahrer, um die Familie finanziell zu unterstützen.

Idiguls Tag beginnt um fünf Uhr morgens in einem Vorort von Duschanbe. Sie liest bei Sonnenaufgang Namaz – das tägliche Ritualgebet in Richtung Mekka. Danach macht sie den Teig fürs Brot fertig, weil es günstiger ist, selbst zu backen, als Brot zu kaufen. Um 6.30 muss sie ihre Kinder aufwecken, die um 7:00 Uhr frühstücken. „Ich bin eine kinderreiche Mutter und habe vier Kinder. Meine älteste Tochter haben wir verheiratet, als sie 18 Jahre alt war. Mein ältester Sohn ist 15, meine Tochter ist 13 und mein Jüngster ist sieben Jahre alt.“ Den Jüngsten begleitet sie selbst zur Schule.

Dann putzt sie das Haus, geht auf den Bazar, um Einkäufe zu machen, muss Wäsche waschen und das Mittagessen kochen. Punkt Zwölf holt sie den kleinen Sohn von der Schule ab. „Jeden Tag um eins essen wir Mittag. Meine jüngere Tochter hilft mir, zu Hause Ordnung zu halten. Sie kann schon einfache Gerichte kochen.“ Nach dem Mittagessen backt Idigul zehn Brote. Pro Tag essen sie fünf tadschikische Brote, die Lepjoschka genannt werden.

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Ihre Schwiegermutter wohnt auch bei ihnen. Sie ist alt und krank. Idigul kümmert sich wie die Mehrheit der tadschikischen Frauen um die Eltern ihres Mannes. „ Manchmal gehe ich am Nachmittag zur Nachbarin oder sie kommt zu uns. Wir trinken Tee und plaudern etwas. Gott sei Dank wohne ich in einer guten Nachbarschaft. Wir unterstützen einander und sind wie eine große Familie.“

Jeden Monat schickt ihr Mann 200 bis 300 Euro. Manchmal schickt er weniger Geld, manchmal gar nichts. Deswegen muss Idigul den Haushalt richtig organisieren, damit alles reicht und sogar noch etwas Geld zum Sparen übrig bleibt. „Mein Mann ist sehr eifersüchtig, deswegen erlaubt er mir nicht zu arbeiten. Ich besuche auch meine Verwandten nur mit seiner Erlaubnis. Seitdem er in Russland arbeitet, ist unsere Beziehung kälter geworden. Er interessiert sich nur selten für die Kinder. Aber ich verurteile ihn nicht, ich verstehe ihn. Es ist nicht einfach, in der Fremde zu sein.“

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Um sechs Uhr abends bereitet sie für die ganze Familie Abendessen zu. Heute hat Idigul das tadschikische Nationalgericht Kurutob gekocht. Die Kinder erzählen von ihrem Tag. Idigul liebt es, wenn alle Kinder zusammen sind. Nach dem Abendessen spült sie das Geschirr und legt die Kleidung der Kinder für den nächsten Tag raus. Dann kontrolliert sie die Hausaufgaben der Kinder.

Sie möchte, dass die Kinder noch zusätzlichen Englischunterricht bekommen, doch im Moment fehlt dafür das Geld. Am Abend rufen die Kinder manchmal den Papa an. Sie vermissen ihn sehr. Der siebenjährige Sohn sieht den Papa nur einmal im Jahr. „Es ist schwierig, die Kinder alleine großzuziehen, alles liegt auf meinen Schultern, alles. Am schwierigsten ist es, wenn die Kinder krank sind. Da ist es schwer, die Moral aufrechtzuerhalten. Ich habe zwar Geschwister und Verwandte, aber sie wohnen weit weg. Ich wollte wirklich, dass meine erste Tochter eine Ausbildung bekommt, aber sie folgte meinem Lebensweg. Nachdem sie die Schule beendet hatte, hat sie geheiratet. Ich will, dass meine Kinder eine gute Ausbildung bekommen und eine bessere Zukunft haben. Mein Mann und ich versuchen alles Mögliche dafür. Dank Allah habe ich ein Dach über dem Kopf. Bei vielen tadschikischen Familien ist die Wohnsituation viel komplizierter. Ich bin Gott dankbar dafür, dass er mir Kraft gibt und hilft.“