Der Alltag zentralasiatischer Frauen: Turkmenistan

Gulnar
Die klassische Uniform turkemenischr Studentinnen: Ein rotes Samtkleid, geflochtene Zöpfe und die Kopfbedeckung Tachja. | Bild: turkmenistan.gov.tm

Drei Länder, drei Frauen, drei verschiedene Lebensgeschichten: Sobira Majidowa aus Usbekistan, Schachnos Bachtijorowa aus Tadschikistan und Amelia Gurbanowa aus Turkmenistan haben sich anlässlich des Internationalen Frauentages, am 8. März, zusammengeschlossen und berichten aus dem Alltag von Frauen in ihren jeweiligen Ländern. In Porträts stellen sie ihre Protagonistinnen vor und zeigen entweder in einem Text oder photographisch, wie der Alltag von Frauen in Zentralasien aussieht.

Ein Tag mit Gulnar: Alltag einer turkmenischen Studentin

Früh am Morgen, wenn die Sonne gerade erst aufgegangen ist, macht sich eine 26-jährige Frau vor dem Spiegel für die Universität zurecht. Sie trägt eine Kopfbedeckung mit typisch turkmenischen Mustern und ein dunkelrotes Kleid aus Samt. Gulnar sieht sich im Spiegel an und beginnt mit einem Lächeln ihren Tag.

Sie geht in die Küche, um das Frühstück für die Familie zuzubereiten – eine Familie, in der sie seit fast sechs Jahren ist. Als sie 20 Jahre alt war, hatten ihre Eltern beschlossen, für ihre Tochter eine Ehe zu arrangieren. Sie sagten, dass es an der Zeit sei zu heiraten, weil es das Wichtigste für ein Mädchen ist, eine eigene Familie zu haben. Trotz der Heiratspläne war es ihren Eltern wichtig, dass Gulnar nach der Hochzeit Zugang zu höherer Bildung hat. Für sie ist es ein Glücksfall, weil die wenigsten nach ihrer Hochzeit eine universitäre Ausbildung erhalten können.

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Zwischen Uni und Haushalt

Sorgfältig bereitet sie das Frühstück zu und macht ihre eigene Tochter Selbi für den Kindergarten fertig. Ihr Ehemann bringt die Tochter in den Kindergarten, während Gulnar mit dem Taxi zur Universität fährt. An der Turkmenischen Magtymguly-Staatsuniversität hat sie viele Freundinnen, mit ähnlichen Geschichten wie der ihrigen. Ihr Tag an der Uni dauert meistens von 8.30 bis 14.00 Uhr.

Wieder zuhause, kümmert sie sich weiter um den Haushalt: Kochen und Wäsche waschen – mit der Hand, da in dem Dorf, wo sie lebt, kaum jemand eine Waschmaschine hat. Sie sorgt auch für die Schwiegereltern. Zum Glück kommt ihre Schwiegermutter sehr gut mit der Frau des Sohnes zurecht. Die Schwiegermutter hilft Gulnar bei ihrer täglichen Routine. Gulnar ist sehr dankbar dafür, wie die neue Familie sie aufgenommen hat. Vor der Hochzeit hatte sie Angst, dass die neue Familie sie nicht akzeptieren und zu einem Mitglied machen würde. Sie hat sich geirrt.

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Teil der Familie

Ihr Fall ist für die turkmenische Gesellschaft jedoch ungewöhnlich. Die Mehrheit der turkmenischen Familien behandelt Gelins („Bräute“ in der turkmenischen Sprache) als diejenigen, die alle Hausaufgaben übernehmen sollen, aber nicht als Familienmitglied, das sich in der neuen Familie wohlfühlen soll. Gegen Mittag wird der Tisch gedeckt und Gulnar isst zusammen mit ihren Schwiegereltern zu Mittag. Sie reden über einige familiäre Belange, sprechen aber auch über allgemeine Themen. Während Schwiegermutter rege an der Unterhaltung teilnimmt, ist der Schwiegervater überhaupt nicht gesprächig. Er hat seine eigenen Sorgen.

Während der sechs Jahre, die sie nun schon in ihrer neuen Familie lebt, hat sich Gulnar angepasst und ein Gefühl von Liebe für sie entwickelt. Sie vermisst zwar ihre eigene Familie und ihre Eltern, ist sich aber bewusst, dass sie nun nur noch eine Familie hat.
In einem Supermarkt in der Nähe findet sie nur noch wenige Produkte, weil die wirtschaftliche Lage in Turkmenistan schlecht ist. Das Land befindet sich in einer Wirtschaftskrise, aber alle versuchen, positiv zu bleiben und hoffen, dass sie nicht lange dauern wird.

Wenn Gulnar nach Hause zurückkehrt, fängt sie an, das Abendessen vorzubereiten, das weniger der Ernährung dient, als vielmehr der Befriedigung ihres Ehemannes, der bald von der Arbeit kommt. Wenn sie ihre Tochter und ihren Ehemann ansieht, kann man in ihren braunen Augen die Liebe sehen und welche Bedeutung die beiden in Gulnars Leben haben.

Amelia Gurbanowa