In ihrem neuen Buch beschreibt die Wirtschaftspublizistin Jutta Falkner Geschichten des Erfolgs und Scheiterns deutscher Unternehmen in Osteuropa und leitet daraus Empfehlungen für Neueinsteiger ab.

Die BRD ist seit spätestens 1989 die größte Brücke Europas nach Osteuropa und Eurasien. Auch die promovierte Wirtschaftsjournalistin Jutta Falkner hat sich immer wieder mit dieser Schlüsselrolle befasst. Als Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins OST-WEST-CONTACT hat sie viele Jahre lang die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu Ost– und Mitteleuropa begleitet – unter anderem in Kasachstan. Im letzten Monat ist ihr Buch „Go East. Erfolge, Erfahrungen, Irrtümer. Wie unsere Wirtschaft den Osten Europas eroberte“ erschienen. Ein Mix aus historischer Analyse von Wirtschaftsbeziehungen und Stimmen von Unternehmensführern zu aktuellen Schwierigkeiten bei der Erschließung der östlichen Märkte soll für den Gegenstand sensibilisieren: eine Art „Gebrauchsanleitung“ für Unternehmen, die Tipps für den Eintritt in Märkte hinter dem früheren eisernen Vorhang liefert.

Nach Angaben der AHK Zentralasien gibt es 160 Repräsentanzen deutscher Unternehmen in Kasachstan. Der Einbruch des Rubels hat auch Spuren in der kasachischen Wirtschaft hinterlassen, trotzdem steigen die Umsätze zwischen Deutschland und dem zentralasiatischen Staat seit 2016 jedes Jahr wieder um stabile 20%. Allein vor diesem Hintergrund dürfte das Buch auch für Unternehmer im wichtigsten Land Zentralasiens von Nutzen sein.

Geschichten des Scheiterns in verschiedenen Ländern, aus denen gelernt werden muss, finden neben den Mustererfolgen ihren Platz. Falkner beschreibt etwa die gelungene Ansiedlung deutscher und österreichischer Kfz-Zulieferer in den Visegrád-Ländern und Rumänien und stellt dem die Schwierigkeiten der westlichen Autoindustrie in Russland gegenüber. Auch Erfolgsgeschichten, die mit erheblichen Startschwierigkeiten begannen, werden erzählt – etwa die des Landmaschinenherstellers Claas und seines Kampfes gegen russischen Protektionismus.

So entsteht ein umfangreiches Bild, das Geschäftsleuten die Risiken und Chancen eines Markteintritts in den neuen Wirtschafts– und Kulturräumen vor Augen führen soll. Schließlich hat das Buch auch den Anspruch, aus den bisherigen Erfahrungen „Strategien zur raschen und erfolgreichen Erschließung einer Wirtschaftsregion“ abzuleiten.

In dem Buch nehmen die unternehmerischen Sichtweisen die Hauptrolle ein, eben hier soll auch die Zielgruppe für Veröffentlichung im Langen-Müller-Verlag liegen. So lässt die Autorin Nikolaus Knauf, Inhaber der Gebr. Knauf KG, berichten, wie er sein Gips-Imperium im Osten aufgebaut hat.

Politik und Institutionen werden dagegen kritisch gesehen, wo sie sich gegen Wirtschaftsprojekte und -kooperationen stellen – etwa beim Bau der Nord-Stream-
2-Gasleitungen, die ein europäisch-russisches Gemeinschaftsprojekt darstellen. Über „die Verlegung zusammengeschweißter Rohre“ werde diskutiert, „als würde die ganze Rote Armee durch diese Pipeline nach Westeuropa geschleust“, kommentiert die Autorin Kritik aus Amerika und Teilen der EU.

Ein Aspekt, der besonders neugierig macht, ist die Benennung von Russland– und Rumäniendeutschen sowie polnischen und russischen Ehefrauen als Erfolgsfaktoren für gute Geschäfte im Osten.

Das Buch ist im September im Langen-Müller-Verlag erschienen. Es ist als Hardcover für 24 € in den größten Online-Versandhäusern erhältlich und fasst 240 Seiten.

Lukas Kunzmann

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