In der Botschaft der Republik Usbekistan fand eine Veranstaltung der Extraklasse statt. Anlässlich des 585. Geburtstag von Alisher Navoi und des 543. Geburtstags von Zahiriddin Muhammad Bobur, lud Seine Exzellenz, Dilshod Akhatov, Botschafter der Republik Usbekistan, Gäste aus Diplomatie, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft ein.

Eingeleitet wurde der literarisch – musikalische Kulturabend mit der Eröffnung der Ausstellung „Ein Vermächtnis über Jahrhunderte hinweg – Die usbekische Miniaturkunst“.

Miniaturkunst – Tradition und Gegenwart

Die Miniaturmalerei hat in Usbekistan einen sehr hohen Stellenwert. Sie gilt als eine tragende Säule des kulturellen Erbes sowie als eigenständige, lebendige Kunstform. Zudem verbindet sie die historische Tradition der zentralasiatischen Buchkunst mit modernen künstlerischen Ausdrucksformen.

Miniatur ist eine Art säkulare Kunst, kleine malerische Bilder, die in muslimischen Ländern als Illustrationen in mittelalterlichen Manuskripten üblich wurden. Es war ein wichtiges Element der Dekoration, zusammen mit der Verzierung der Seiten und der Buchverbindung.

Die Kunst des Buches Miniatur erreichte seinen Höhepunkt im Nahen und Mittleren Osten, in Afghanistan, Ägypten, Irak, Iran, Syrien, der Türkei, Zentralasien und dem mongolischen Indien, zwischen den 13. und 17. Jahrhunderten, und in einigen Ländern existierte es bis zum 19. Jahrhundert.

Jedes dieser Zentren hatte seinen Entwicklungsweg, aber gleichzeitig hatten sie eine gewisse Ähnlichkeit der künstlerischen Sprache und der Themen, die auf der arabischen Schrift, der Literatur, der klassischen Poesie und einer für diese Zeit üblichen Art von ästhetischen Ideen und ethischen Normen beruhten. Die Miniaturen dienten dazu, die Schönheit zu genießen, schätzte vor allem die Finesse des Schreibens, der Dekoration und der Interpretation des Themas im Rahmen etablierter Kanonen. Heutzutage wenden sich Miniaturisten oft diesen Themen zu, die zu Klassikern geworden sind.

Im Mittelalter wurden Farben und Pinsel von Hand gefertigt. Miniaturisten verwendeten natürliche Mineralien als Pigmente und Eiweiß oder Eigelb als Bindemittel. Flüssiges oder Blattgold wurde verwendet, um den Himmel, Kostümdetails, dekoratives Dekor der Architektur oder häusliche Objekte darzustellen, Silber wurde verwendet, um Wasser darzustellen. Moderne Miniaturisten versuchen, fertige Temperafarben, Aquarelle und Gouache zu verwenden.

Ursprung der Miniatur in Usbekistan

Der Ursprung der Miniatur in Zentralasien ist mit Amir Temur verbunden, der Gefangene und Meister der Buchkunst aus eroberten Gebieten nahm.

Mit dem Aufkommen der Usbekischen Shaybanid-Dynastie in Maverannahr am Ende des 15. und dem frühen 16. Jahrhundert, begann sich die Kunst der Miniatur als handgeschriebene Buchkunst in Buchara und Samarkand intensiv zu entwickeln. Während dieser Zeit war die Bukhara-Miniaturschule stark von der Kunst von Kamaliddin Behzad beeinflusst. Später schuf die Buchara-Schule ihren ursprünglichen Stil. Samarkand-Miniaturen entwickelten weiterhin lokale Traditionen.

Die erhaltenen Beispiele von Manuskriptbuch und Buchminiatur in Usbekistan ermöglichen es, den Weg der Entwicklung vom späten 15. bis zum 19. Jahrhundert zu bemerken, der Perioden des Gedeihens (in den 16. – 17. Jahrhunderten) und lange Stagnation sah, die schließlich zum Verschwinden dieser Form der Kunst und ihrer Ersetzung durch lithografische Illustrationen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert führte.

Die Ausstellung, kuratiert von der Kunsthistorikerin Sukhra Rachmatowa, und gleichzeitig Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Organisation „San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft e.V.“ mit Sitz in Berlin, präsentierte Werke und Arbeiten von Lehrenden und Absolventen zweier zentraler Ausbildungsstätten der usbekischen Miniaturkunst der Abteilung „Miniatur und Buchgrafik“ des Nationalinstituts für Kunst und Design, benannt nach Kamoliddin Behzod, sowie der Republik Spezialkunstschule für Lackminiatur, benannt nach Pawel Benkow.

Die ausgestellten Werke zeichnen sich besonders durch farbintensive Miniaturen aus, die unterschiedlichste Motive darstellen. So sind beispielsweise Szenen aus Basaren, religiöse Themen, aus Teehäusern oder auch familiäre Momente zu erkennen.

Mit der Stilistik der klassischen Miniatur begannen die Meister, verschiedene Gegenstände traditioneller Haushaltsmöbel mit Gemälden und Ornamenten zu schmücken. Sie schmücken dekorative Vasen, Geschirr, Boxen, erstellen Lack- und Lederplatten oder narrative Gemälde und schmücken Tamburine und Kürbisse.

Nach eigenen Angaben arbeitet der Verein an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Wissenschaft und verfolgt das Ziel, den kulturellen und wissenschaftlichen Dialog zwischen Usbekistan, Deutschland und dem internationalen Raum zu fördern. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Umsetzung von kulturellen, wissenschaftlichen und bildungsorientierten Projekten sowie auf dem Aufbau nachhaltiger internationaler Kooperationen zwischen Institutionen, Universitäten, Museen und unabhängigen Kulturschaffenden. Zudem ist es das Ziel des Vereins kulturelle Brücken zwischen Usbekistan und Deutschland zu fördern.

Welchen enormen Stellenwert Miniaturkunst in Usbekistan hat, kann man daran erkennen, dass die Kunstform im Jahr 2020 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe erfolgreich genehmigt wurde.

Alisher Navoi – ein Förderer von Menschlichkeit und Gerechtigkeit

Zu Ehren des großen Dichters Alisher Navoi (1441 bis 1501), trug das, extra aus Bukhara angereiste Musikensemble „Makom“, Ghaselen mit Texten von Alisher Navoi und Bubur vor.

Dabei handelt es sich um eine spezifische Form der Liebes- und Mystik-Dichtung. Navoi hat mehr als 3.000 dieser Gedichte in usbekischer und tadschikischer Sprache verfasst.

Navoi war ein Universalgelehrter in Zentralasien. Er war Dichter, Bauherr, Mystiker, Politiker, Komponist und Musiker. Als Staatsmann setze er sich aktiv für das Wohl der Menschen ein. Navoi unterstützte den Bau von Schulen, Bibliotheken und Sozialeinrichtungen und förderte Kunst und Wissenschaft.

Er wirkte am Hofe der Timuriden in Herat, was gleichzeitig sein Geburts- und Todesort war, und gilt als einer der bedeutendsten Dichter des Tschagataischen. Auch seine Sprachkenntnisse waren ernorm. Er schrieb auch auf Persisch.

In Tadschikistan und Usbekistan wird Alisher Navoi heute als Volksheld gefeiert. In Tadschikistan vor allem wegen seiner Tätigkeit als Bauherr und Kunstförderer. In Usbekistan wegen seiner tschagataischen Dichtung. Er gilt vielen als der größte turksprachige Dichter aller Zeiten. Seine Geschichten und Gedichte zeugen von Menschlichkeit und Gerechtigkeit.

Die Gäste waren von einem rundum gelungenen Abend begeistert. Abgerundet wurde der literarisch – musikalische Kulturabend mit einem Buffet mit typisch usbekischer Küche.

Christian Grosse

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