Bundespräsident Steinmeier hat in Usbekistan Gespräche über Investitionen, Fachkräfte und Bildung geführt, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter zu vertiefen. Im Fokus standen dabei auch neue Kooperationsprojekte mit deutscher Beteiligung.

Begleitet von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der vergangenen Woche Usbekistan besucht und damit erneut die Bedeutung der deutsch-usbekischen Beziehungen unterstrichen. Die Reise fand in einer Phase statt, in der die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern deutlich an Dynamik gewinnt. Im Mittelpunkt standen diverse Investitionsprojekte und wirtschaftliche Kooperationen, die Ausbildung von Fachkräften sowie die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit. Zugleich setzte der Besuch ein deutliches politisches Signal für die wachsende Bedeutung Zentralasiens als Partner Deutschlands und der Europäischen Union.

Nach seiner Ankunft in Taschkent wurde Steinmeier von Präsident Schawkat Mirsijojew empfangen. In den Gesprächen würdigten beide Staatsoberhäupter die positive Entwicklung der bilateralen Beziehungen in den vergangenen Jahren. Seit Beginn der Reformpolitik unter Mirsijojew hat sich Usbekistan zunehmend für internationale Investoren geöffnet und seine Zusammenarbeit mit europäischen Partnern intensiviert. Deutschland gehört dabei innerhalb der Europäischen Union zu den wichtigsten Partnern des zentralasiatischen Landes.

Begleitung durch Wirtschaftsdelegation

Begleitet wurde der Bundespräsident von einer 16-köpfigen Wirtschaftsdelegation, deren Zusammensetzung vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft koordiniert wurde. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter führender deutscher Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Logistik, Energie, Verkehr, Maschinenbau, Bildung und Gesundheitswirtschaft. Das Ziel der Wirtschaftsvertreter war es, bereits in Usbekistan bestehende Projekte auszubauen und neue Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.

Ein Höhepunkt des Besuchs war die Teilnahme am Taschkent International Investment Forum, das sich in den vergangenen Jahren zu einer der bedeutendsten Wirtschaftsveranstaltungen Zentralasiens entwickelt hat. Vor mehreren tausend Teilnehmern aus aller Welt präsentierte sich Usbekistan als attraktiver Investitionsstandort. Die usbekische Regierung stellte neue Projekte in den Bereichen Industrie, Energie, Infrastruktur, Digitalisierung und Rohstoffverarbeitung vor und warb um ausländische Investitionen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Usbekistan entwickeln sich seit Jahren kontinuierlich positiv. Nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI) und auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) lag das bilaterale Handelsvolumen im Warenverkehr zuletzt bei einer Größenordnung von rund 1 bis 1,5 Milliarden Euro bzw. etwa 1,2 bis 1,6 Milliarden US-Dollar. Deutsche Direktinvestitionen in Usbekistan werden nach Einschätzung der usbekischen und deutschen Wirtschaftsförderung auf rund zwei Milliarden US-Dollar beziffert. Nach Angaben beider Regierungen sind derzeit mehr als 200 Unternehmen mit deutscher Beteiligung im Land aktiv und engagieren sich insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Chemiebranche, im Gesundheitswesen sowie im Bereich der erneuerbaren Energien.

Volkswagen-Standort in Taschkent

Besondere Aufmerksamkeit erhielt während des Besuchs die Zusammenarbeit mit deutschen Industrieunternehmen. So wurde unter anderem die Erweiterung der Aktivitäten des Volkswagen-Konzerns vorgestellt, der den Aufbau einer Fahrzeugmontage in Taschkent unterstützt und Usbekistan als wichtigen Wachstumsmarkt in Zentralasien sieht. Darüber hinaus wurden weitere deutsch-usbekische Projekte in den Bereichen Logistik, Produktion und technische Ausbildung präsentiert. Mehrere Teilnehmer der Wirtschaftsdelegation betonten, dass deutsche Unternehmen zunehmend Interesse an langfristigen Investitionen in der Region zeigen.

Ein zentrales Thema der Gespräche war zudem die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Deutschland und Usbekistan hatten bereits 2024 eine Migrations- und Mobilitätspartnerschaft geschlossen, die jungen Menschen aus Usbekistan bessere Möglichkeiten für Ausbildung, Studium und Beschäftigung in Deutschland eröffnen soll. Angesichts des Fachkräftemangels in zahlreichen Branchen gewinnt diese Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig profitieren viele usbekische Fachkräfte von den Bildungs- und Karrieremöglichkeiten in Deutschland.

Bildungskooperation zwischen Usbekistan und Deutschland

Damit eng verbunden ist auch die intensive Bildungskooperation zwischen beiden Ländern. Nach Angaben der usbekischen Regierung lernen inzwischen mehr als 400.000 Schülerinnen, Schüler und Studierende Deutsch. Mehr als 2.000 junge Usbeken studieren an deutschen Hochschulen. Während des Besuchs wurde die Zusammenarbeit im Hochschulbereich weiter vertieft. Besondere Aufmerksamkeit gilt der in Samarkand geplanten usbekisch-deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die künftig nach deutschem Vorbild Fachkräfte für Wirtschaft und Industrie ausbilden soll.

Auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden. Geplant sind zusätzliche gemeinsame Forschungsprojekte sowie eine Erweiterung des akademischen Austauschs. In den Gesprächen wurde zudem die Durchführung weiterer deutsch-usbekischer Hochschul- und Medizinforen vereinbart. Beide Seiten sehen in Bildung und Forschung wichtige Grundlagen für die langfristige Entwicklung ihrer Beziehungen.

Neben wirtschaftlichen und politischen Themen standen auch kulturelle Begegnungen auf dem Programm. Steinmeier besuchte das Center for Islamic Civilization in Taschkent, eines der bedeutendsten Kulturprojekte des Landes. Der Bundespräsident würdigte die reiche kulturelle Tradition Usbekistans und betonte die Bedeutung des kulturellen Dialogs für das gegenseitige Verständnis. Darüber hinaus war die Rolle Usbekistans in Zentralasien ein wichtiges Thema der offiziellen Gespräche. Das Land gilt mit seinen rund 38 Millionen Einwohnern als politisches und wirtschaftliches Zentrum der Region. Für Deutschland gewinnt Zentralasien nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Partner bei Fragen der Energieversorgung, der Rohstoffsicherung und der Entwicklung neuer Handelsrouten zwischen Europa und Asien an Bedeutung.

Zum Abschluss seines Besuchs zeigte sich Steinmeier davon überzeugt, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Usbekistan vor einer neuen Entwicklungsphase stehen. Wirtschaftliche Kooperationen, Bildungsprojekte, der wissenschaftliche Austausch und die Zusammenarbeit bei der Fachkräftegewinnung bilden heute ein breites Fundament für die Partnerschaft. Die zahlreichen während der Reise geführten Gespräche und vereinbarten Projekte haben deutlich gemacht, dass beide Länder ihre Zusammenarbeit in den kommenden Jahren weiter vertiefen wollen.

Annabel Rosin

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