Als die ersten Ausgaben der Zeitung gerade anfingen in der sowjetischen Teilrepublik Kasachstan zu erscheinen, steckte ich noch in meinen Kinderschuhen. Meine Mutter führte mich damals jeden Morgen Hand in Hand zu meiner Lieblingsbeschäftigung, nämlich in die Grundschule. Dort hatten wir zusammen mit anderen Mädchen und Jungen viel Spaß gehabt. Und wir lernten unter Aufsicht unserer liebevollen Lehrerin eine neue Welt kennen: die Welt der Buchstaben und der Zahlen. Durch kreative Arbeit, Theaterspiele und sportliche Betätigung sollten wir aber auch das soziale Verhalten und die Fürsorge füreinander erlernen.

So ähnlich stelle ich mir die Anfänge der redaktionellen Arbeit der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, beziehungsweise deren Vorgänger, der „Freundschaft“ vor. Sicherlich war auch das eine sinnvolle Lieblingsbeschäftigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damals.

Auch ein langer Prozess des Erlernens, die Informationen für die Leserschaft in verständliche Sprache umzuwandeln und hinüberzubringen. Das gesellschaftlich-kulturelle Leben der deutschsprachigen Menschen auf diese Weise einem möglichst breiten Publikum zu präsentieren, war sicherlich die Absicht des Herausgebers und der Mitwirkenden.

Auch wenn die Berichterstattung die staatliche Politik widerspiegeln musste, bot die Zeitung ihrer Leserschaft einen besonderen Mehrwert: Sie ermöglichte es den Menschen, Informationen in ihrer eigenen Muttersprache, auf Deutsch, zu lesen. Da anfangs die Auflage nicht groß war, wanderten wahrscheinlich die einzelnen Ausgaben der Zeitung von Hand zur Hand, von Nachbarn zu Nachbarn. Das Zeitungslesen führte sicherlich auch zu Gesprächen, vielleicht sogar zu Diskussionen. So erfüllte sie somit auch eine sozialbildende Funktion.

Nun aber zurück zu mir. Mit hundertprozentiger Sicherheit kann ich sagen, dass ich während meiner Schulzeit nie daran gedacht habe, eines Tages in ferner Zukunft, genau im Jahre 2000, den Boden Kasachstans und gerade in Almaty betreten zu können. Genauso ist es aber passiert. Da ich beruflich damals mit der (Spät-) Aussiedlerproblematik befasst war, wusste ich schon, dass ich Menschen deutscher Herkunft in der Steppenstadt Karaganda begegnen werde.

Es war mir bewusst, dadurch auch direkt erfahren zu können, wer und was hinter den Angaben in den Anträgen zum Übersiedeln nach Deutschland steckt. Was aber anfänglich noch nicht geahnt habe, dass gerade diese Menschen, die zum Sprachtest und zur Vorlegung ihrer Dokumente zu mir kommen werden, eben auch zu der Leserschaft der Deutschen Allgemeinen Zeitung gehören. Dies stellte sich aber bald während des Sprachtests in einigen Fällen heraus.

Da ich bereits damals nebenberuflich in Deutschland journalistisch tätig war, kam ich auf die Idee, nach Beendigung meiner diplomatischen Mission in Karaganda, die Redaktion der DAZ zu kontaktieren. So kam es dann auch zu den ersten Begegnungen während meiner privaten Visite im Jahre 2001 in Almaty.

Die damalige Chefredakteurin, Irina Zirentschikova, hatte mich herzlich empfangen, war aber etwas erstaunt, dass ich sie und die Redaktion in der Großstadt Almaty als Ausländer überhaupt finden konnte. Die Redaktion, bestehend damals aus zwei kleinen Räumen, war tatsächlich in einem riesigen Gebäudekomplex „versteckt“.

Irina griff sofort mein Angebot auf, über Themen, die die deutsche Minderheit im kasachischen Heimatland wie auch in Deutschland, nach der Auswanderung, betreffen, zu schreiben. Wir haben aber ebenso beschlossen, auch über kulturell-gesellschaftliche Aktivitäten kasachstanischer Bürger in Deutschland zu berichten.

Ich bin ihr wie auch allen weiteren Redakteuren und technischen Mitwirkenden für die Veröffentlichung meiner Beiträge dankbar. Bin zugleich froh, dass ich damit der Leserschaft der DAZ eine vielfältige Themenpalette anbieten konnte. Was mir außerdem gut gefällt, dass die Zeitung auch im Sprachunterricht der einheimischen Schulen verwendet wird.

Und zum Schluss mein herzlicher, kollegialer Glückwunsch an alle ehemaligen und jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DAZ: Kopf hoch und weiter so!

Josef Bata

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