Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) verbindet seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt dieser Partnerschaft stehen die Förderung der deutscher Minderheiten in den Ländern Zentralasiens, die Stärkung deutschsprachiger Medien in dieser Region sowie die gemeinsame Suche nach Antworten auf die Herausforderungen des modernen Journalismus.

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der DAZ sprachen Karoline Gil, Bereichsleitung „Integration und Medien“ am ifa, und Olesja Klimenko, Chefredakteurin der Deutschen Allgemeinen Zeitung, über gemeinsame Projekte, persönliche Erfahrungen und die Bedeutung von Austausch und Unterstützung für die Zukunft kleiner Medien.

Du begleitest die Verbindung zwischen der Deutschen Allgemeinen Zeitung und dem ifa schon eine Weile. Was macht diese Aufgabe für dich persönlich besonders?

Karoline Gil: Die DAZ hat eine große Strahlkraft, die weit über Kasachstan und Zentralasien hinausreicht. Mit der Zeitung verfügen die deutschen Minderheiten über ein Medium, das sowohl die Minderheitsgesellschaft als auch die Mehrheitsgesellschaft erreicht. Genau darin liegt eine besondere Stärke der DAZ: Sie schafft Räume für Austausch und Dialog und berichtet über Themen, die Menschen unterschiedlicher Hintergründe miteinander verbinden.

Die DAZ leistet einen wichtigen Beitrag zur qualitativen Berichterstattung in deutscher Sprache und ermöglicht einen gemeinsamen journalistischen Blick auf vielfältige Themen wie Politik, Wirtschaft, Kultur und die Lebensrealitäten der deutschen Minderheiten in Kasachstan und ganz Zentralasien. Dabei erfüllt sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen verschiedenen Gesellschaften und Regionen.

Olesja Klimenko: Für mich persönlich ist die Verbindung zwischen der Deutschen Allgemeinen Zeitung und dem ifa etwas ganz Besonderes, weil sie weit über eine formale Partnerschaft hinausgeht. Sie eröffnet konkrete professionelle Chancen und schafft ein Umfeld, in dem Entwicklung tatsächlich möglich ist.

Durch diese Zusammenarbeit entstehen viele Möglichkeiten: Mitarbeitende können an Weiterbildungsseminaren, Trainings und Förderprogrammen teilnehmen und erhalten Zugang zu neuen Impulsen für ihre tägliche Arbeit. Das hilft dabei, die eigenen Kenntnisse kontinuierlich auszubauen und sich fachlich weiterzuentwickeln.

Besonders wertvoll empfinde ich den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Er erweitert den Blick auf den Journalismus und zeigt, dass viele Redaktionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig lernen wir neue Ansätze kennen, etwa den Umgang mit Daten, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Redaktionen oder die Produktion multimedialer Inhalte.

Erinnerst du dich an einen Moment, der für dich sinnbildlich für diese Verbindung steht?

Karoline: Ein Beispiel, das für mich sehr sinnbildlich für diese Zusammenarbeit steht, ist die zentralasiatische Medienwerkstatt. Dieses Medienkompetenzseminar für Nachwuchsjournalist:innen wurde vom ifa gemeinsam mit der DAZ entwickelt und umgesetzt.

Daran nahmen junge Menschen aus Zentralasien und Deutschland teil, die sich journalistisch weiterbilden, Erfahrungen austauschen und neue Kontakte knüpfen konnten. Besonders beeindruckend war für mich die Offenheit und Kreativität der Teilnehmenden. Sie brachten viele innovative Ideen ein und zeigten großes Interesse daran, die Netzwerke der deutschen Minderheiten weiter zu stärken.

Für mich zeigt dieses Projekt sehr deutlich, was die Zusammenarbeit mit der DAZ ausmacht: Es geht nicht nur um Medienarbeit im engeren Sinne, sondern auch darum, Menschen miteinander zu verbinden und neue Perspektiven zu schaffen.

Olesja: Für mich stehen vor allem die regionalen Treffen sinnbildlich für diese Verbindung. Dort kommen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Medien der deutschen Minderheiten aus unterschiedlichen Ländern zusammen, um über die Entwicklung ihrer Zeitungen, gemeinsame Herausforderungen und mögliche Lösungswege zu sprechen.

Diese Begegnungen sind besonders wertvoll, weil sie einen offenen Austausch ermöglichen. Wir teilen Erfahrungen, sprechen über Schwierigkeiten und lernen voneinander. Oft stellen wir fest, dass viele Redaktionen mit ähnlichen Fragen konfrontiert sind, sei es die Digitalisierung, die Suche nach neuen Formaten oder der Umgang mit begrenzten Ressourcen.

Gerade dieser Austausch macht deutlich, dass wir Teil eines größeren Netzwerks sind. Die Verbindung zwischen den Medien schafft gegenseitige Unterstützung und zeigt, wie wichtig gemeinsames Lernen und Zusammenarbeit sind.

Wenn du zurückblickst: Wie hat sich das Miteinander über die Jahre verändert?

Karoline: Ich habe die Zusammenarbeit zwischen der DAZ und dem ifa immer als sehr konstruktiv und partnerschaftlich erlebt. Über die Jahre sind vertrauensvolle Beziehungen entstanden, die eine gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe ermöglichen.

Gleichzeitig hat sich der Medienbereich grundlegend verändert. Die Digitalisierung hat die Arbeit von Redaktionen weltweit beeinflusst und neue Anforderungen geschaffen. Die DAZ hat diese Entwicklungen früh aufgegriffen und begonnen, neue digitale Wege zu gehen.

Dabei konnte das ifa die Redaktion der DAZ unter anderem durch die Entsendung von einem Redakteur bzw. einer Redakteurin begleiten und unterstützen. Diese Zusammenarbeit zeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam auf Veränderungen zu reagieren und neue Möglichkeiten zu nutzen.

Olesja: Ich sehe, dass sich die Zusammenarbeit mit dem ifa im Laufe der Jahre deutlich intensiviert und weiterentwickelt hat. Das ifa ist eine Organisation, die gesellschaftliche und mediale Veränderungen aufmerksam beobachtet und versucht, passende Antworten auf neue Herausforderungen zu finden.

Als ich vor rund 20 Jahren meine Arbeit bei der Zeitung begann, standen klassische Printmedien noch nicht unter dem gleichen Druck wie heute. Die digitale Transformation spielte eine deutlich geringere Rolle. Mit der Zeit wurde jedoch immer klarer, dass auch kleine Medien neue Wege finden müssen, um ihre Leserinnen und Leser weiterhin zu erreichen.

In dieser Phase hat sich auch unsere Zusammenarbeit verändert. Aus einer klassischen Unterstützung entwickelte sich zunehmend eine aktive Partnerschaft, die darauf ausgerichtet ist, Kompetenzen aufzubauen, neue Formate zu entwickeln und den Wandel gemeinsam zu gestalten.

Was schätzt du besonders an der Arbeit mit dem jeweiligen Partner?

Karoline: Das ifa verfolgt mit der Entsendung von Redakteuren das Ziel, die zivilgesellschaftliche Arbeit deutscher Minderheiten im östlichen Europa und in Zentralasien zu stärken. Dabei geht es nicht nur darum, Medien und Publikationen vor Ort fachlich zu unterstützen, sondern auch darum, ihre wichtige kulturelle und gesellschaftliche Brückenfunktion sichtbar zu machen.

Die Redakteure bringen ihre journalistische Erfahrung ein, begleiten redaktionelle Prozesse und unterstützen die Weiterentwicklung der Medienangebote. Die Zusammenarbeit mit dem Team der DAZ durch die Entsendung einer Redakteurin vor Ort habe ich als sehr positiv und bereichernd erlebt. Besonders schätze ich den offenen Austausch, das gegenseitige Vertrauen und das gemeinsame Interesse daran, die Arbeit der Zeitung weiterzuentwickeln.

Olesja: Was ich besonders schätze, ist die Unterstützung und das ehrliche Interesse daran, gemeinsam etwas zu bewegen. Es geht nicht nur um eine formale Zusammenarbeit, sondern um den gemeinsamen Anspruch, unsere Zeitung besser, moderner und nachhaltiger zu gestalten.

Die Medien der deutschen Minderheiten sind häufig kleine Redaktionen mit begrenzten personellen Möglichkeiten. Gerade in einer Zeit, in der sich die Medienlandschaft stark verändert und viele Themen um Aufmerksamkeit konkurrieren, ist es wichtig zu wissen, dass es Partner gibt, die an diese Arbeit glauben und ihren Wert verstehen.

Diese Unterstützung bedeutet sehr viel. Sie zeigt uns, dass wir mit unseren Herausforderungen nicht allein sind. Es gibt Menschen und Organisationen, die unsere Arbeit begleiten, neue Impulse geben und uns dabei unterstützen, die richtigen Schritte für die Zukunft zu finden.

Wo wird es manchmal schwierig oder herausfordernd?

Olesja: Eine der größten Herausforderungen für kleine Redaktionen, und die DAZ gehört dazu, ist der begrenzte personelle Umfang. Wir wissen sehr genau, wie wichtig die Transformation von einer klassischen Printzeitung hin zu einem modernen Online-Medium ist.

Dieser Wandel bedeutet jedoch nicht nur, Inhalte ins Internet zu übertragen. Es geht darum, neue journalistische Formate zu entwickeln, multimediale Inhalte zu produzieren und regelmäßig hochwertige Beiträge anzubieten. Genau hier liegt die größte Herausforderung.

Wenn ein kleines Team gleichzeitig journalistische Aufgaben übernimmt und zusätzlich viele organisatorische und administrative Anforderungen bewältigen muss, wird es schwierig, diese Prozesse dauerhaft in der gewünschten Qualität umzusetzen.

Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren viel gelernt und neue Kompetenzen aufgebaut. Wir wissen, welche Richtung wir einschlagen möchten. Die zentrale Aufgabe besteht nun darin, diese Entwicklung langfristig stabil weiterzuführen.

Was hast du selbst aus diesem Austausch mitgenommen?

Olesja: Ich konnte sowohl fachlich als auch persönlich bereits vieles mitnehmen. Besonders wertvoll ist für mich die Erkenntnis, dass wir mit unseren Herausforderungen nicht allein sind.

Der Austausch mit anderen Redaktionen zeigt, dass viele mit ähnlichen Themen beschäftigt sind: die digitale Transformation, begrenzte Ressourcen und die Suche nach neuen journalistischen Formaten. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Besonders hilfreich waren die neuen Perspektiven auf digitale Entwicklungen. Dazu gehören Fragen, wie multimediale Inhalte effizienter geplant werden können oder wie moderne Werkzeuge und Künstliche Intelligenz sinnvoll in redaktionelle Prozesse integriert werden können.

Am wichtigsten bleibt für mich jedoch das Gefühl einer gemeinsamen Verantwortung. Wir arbeiten alle an einem ähnlichen Ziel: daran, unsere Medien zu erhalten und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Dieser Austausch gibt Motivation, neue Ideen und praktische Impulse, die direkt in die tägliche Arbeit einfließen können.

Wie erlebst du die Arbeit mit den vom ifa kommenden Redakteurinnen und Redakteuren ganz konkret im Alltag?

Olesja: Ich erlebe diese Zusammenarbeit als eine sehr wertvolle Unterstützung im Alltag. Besonders wichtig ist für uns die Möglichkeit, direkt mit Muttersprachlern zusammenzuarbeiten. Dadurch können wir die sprachliche Qualität unserer deutschen Beiträge auf einem konstant hohen Niveau halten.

Gleichzeitig ist diese Zusammenarbeit immer auch ein Lernprozess. Jede Redakteurin und jeder Redakteur bringt neue Erfahrungen, Arbeitsweisen und journalistische Perspektiven mit. Dadurch entstehen neue Ideen für Themen, Formate und Herangehensweisen.

Der Austausch beschränkt sich nicht nur auf einzelne Texte oder Projekte. Er beeinflusst auch, wie wir über unsere tägliche Arbeit nachdenken und wie wir unsere Zeitung weiterentwickeln möchten.

Hat sich durch diese Impulse auch etwas an der Art verändert, wie ihr heute Themen auswählt oder journalistisch arbeitet?

Olesja: Ja, auf jeden Fall. Früher waren viele Prozesse stärker an der klassischen Printausgabe orientiert. Heute denken wir viel stärker darüber nach, welche Themen sich auch für digitale Formate eignen und wie Geschichten auf unterschiedliche Weise erzählt werden können.

Dabei spielen kurze Formate, visuelle Elemente und neue digitale Möglichkeiten eine immer größere Rolle. Gleichzeitig hat sich unser Blick auf die Themenauswahl erweitert. Wir fragen uns heute häufiger, welche gesellschaftliche Bedeutung ein Thema hat und wie wir es so aufbereiten können, dass es auch neue Zielgruppen erreicht.

Die Impulse durch die Zusammenarbeit mit den ifa-Redakteuren haben unsere Arbeit nicht vollständig verändert, aber sie haben viele Prozesse weiterentwickelt und professioneller gemacht. Sie haben uns geholfen, bewusster über unsere journalistische Arbeit und unsere Rolle als ein modernes deutschsprachiges Medium nachzudenken.

Wenn du nach vorne schaust: Was würdest du dir für die nächsten Jahre wünschen?

Karoline: Ich wünsche der DAZ, dass es ihr weiterhin erfolgreich gelingt, als Sprachrohr der deutschen Minderheit zu wirken und mit ihren Themen auch die Mehrheitsgesellschaft über die Grenzen Kasachstans hinaus zu erreichen.

Die Medienwelt befindet sich in einem dynamischen Wandel, der alle Redaktionen weltweit vor neue Herausforderungen stellt. Deshalb wünsche ich der DAZ weiterhin Offenheit, Kreativität und den Mut, neue Chancen zu nutzen.

Ich hoffe, dass die Zeitung ihren wichtigen Platz als ein deutschsprachiges Medium in Zentralasien weiter stärken kann und auch in Zukunft Menschen miteinander verbindet.

Olesja: Wenn ich nach vorne schaue, wünsche ich mir vor allem, dass wir die begonnene Transformation konsequent weiterführen können. Unser Ziel ist ein stabiles, modernes und nachhaltiges Medienformat, das den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht wird und gleichzeitig die besondere Identität der DAZ bewahrt.

Für die kommenden Jahre wäre es wichtig, dass kleine Redaktionen wie unsere weiterhin Unterstützung erhalten, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Personalentwicklung. Denn die Zukunft des Journalismus hängt davon ab, regelmäßig hochwertige Inhalte anbieten zu können und neue Wege der Kommunikation zu erschließen.

Ebenso wichtig ist für mich der internationale Austausch. Er ist eine große Quelle für Inspiration, Wissen und praktische Lösungen. Wenn wir diese Netzwerke weiter ausbauen, können wir voneinander lernen und gemeinsam neue Standards entwickeln.

Letztlich geht es darum, die richtige Balance zu finden zwischen Tradition und Innovation, zwischen der Bewahrung unserer Geschichte und einem modernen Verständnis von Journalismus. Genau darin liegt die Zukunft unserer Medien.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Annabel Rosin.

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