Das Internationale Parlamentsstipendium ermöglicht vielen Politikinteressierten einen Einblick in den deutschen Bundestag. Jedes Jahr werden 125 Studenten aus 25 verschiedenen Ländern eingeladen. Dieser Aufwand lohnt sich auch für die deutsche Politik.

Erik ist ein junger Student der Deutsch-Kasachischen Universität. Er hat blonde krause Haare, trägt Karohemden und interessiert sich sehr für Politik. Sein Bachelorstudium in Internationalen Beziehungen will er im nächsten Jahr erfolgreich zu Ende bringen und sich dann politisch engagieren, am liebsten in Deutschland und zwar im Bundestag.

Für ihn und viele andere politikinteressierte Studenten Kasachstans bietet sich bis zum Ende dieses Jahres die einmalige Gelegenheit, sich für ein finanziertes Parlamentspraktikum im deutschen Bundestag zu bewerben.

Investition in eine friedliche Zukunft

Werbung selbst machte Bundestagsabgeordneter Christoph Poland für das Internationale Parlamentsstipendium (IPS), das es schon seit 1988 gibt, und kam dafür mit einer Delegation in die Deutsch-Kasachische-Universität. „Ihnen bietet sich eine einmalige Gelegenheit, einen Abgeordneten zu unterstützen, sehen wie eine Oppositionspartei arbeitet oder wie Kompromisse in einem Mehrparteiensystem gefunden werden“ und fügt scherzhaft hinzu: „Je besser Sie Deutsch sprechen können, desto weniger Kaffee müssen Sie kochen“.

Es lachen einige Studenten im Saal: Also kennen sie scheinbar das Klischee vom deutschen Praktikanten, der von seinem Arbeitgeber öfters als Servicekraft ausgenutzt wird. Bei dem Internationalen Parlamentsstipendium soll davon überhaupt keine Rede sein. Den Praktikanten wird die Möglichkeit gegeben, von Energie bis Steuern sich einen Themenbereich auszusuchen. Ob sie wirklich in ihrem gewünschten Ressort arbeiten, kann nicht versprochen werden. Neben ihrer Arbeit im Abgeordnetenbüro bekommen die Stipendiaten die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen an jeweils einer der drei großen Hochschulen, der Humboldt-Universität, Freien Universität oder der Technischen Universität zu besuchen. Ebenso wird für die Unterbringung der Stipendiaten gesorgt, und jeder Praktikant bekommt ein Stipendium in Höhe von 450 Euro, zuzüglich Visa- und Reisekosten.

Bei insgesamt 125 Stipendiaten lohnt sich der Aufwand, die Bewerber sorgfältig zu prüfen. Aus Kasachstan werden jedes Jahr fünf Praktikanten angenommen. Dafür reisten die Delegierten um MdB Poland extra nach Astana und Almaty, um sich persönlich von ihrer Motivation zu überzeugen, sich für demokratische Werte zu engagieren.

„Die Bewerber müssen schon präzises Wissen über die deutsche Politik beweisen“, weiß Kulturattaché des Generalkonsulats Almaty, Raban Richter, der die Auswahldelegation, bestehend aus MdB Christoph Poland, Ministerialrat der Bundesverwaltung Randolf Krüger und dem 2. Vizepräsidenten der Technischen Universität Berlin, Dr. Hans-Ulrich Heiß, begleitete.
Für die glücklichen fünf Stipendiaten, die angenommen werden, erfüllt sich der Traum nach Deutschland zu reisen und dort zu arbeiten. Dieser Austausch zwischen der politischen Elite Europas und anderen Ländern lohnt sich auch für die Bundesrepublik.

„Das IPS ist eine Investition für ein geeintes und friedliches Europa“, wirbt MdB Poland. In der Tat ist der Vernetzungs- und Multiplikatoreneffekt des Internationalen Parlamentspraktikums nicht zu unterschätzen. Schon allein dadurch, dass 125 Teilnehmer aus 27 unterschiedlichen Ländern mit gegensätzlichen Kulturen und Gesellschaftsnormen für die Dauer des Praktikums miteinander leben müssen, entsteht bei jedem eine sehr persönliche Bindung zu dem IPS- Programm. Das kann Alumna Akmaral Imankulowa nur bestätigen: „Ich konnte viele nette junge Leute fast aus der ganzen Welt kennenlernen und mit ihnen Freundschaften schließen. Dank dieses Programms sind wir zu guten Freundinnen und Freunden geworden und haben immer noch Kontakt zueinander.“ Dies ist der Kitt, den das IPS langfristig erfolgreich macht. Alumniarbeit ist das zweite Standbein, denn der nachhaltige Nutzen des Stipendienpogrammes funktioniert über aktive Vernetzung der zukünftigen weltweitern politischen Elite mit Deutschland.

Zu der will Erik auch gehören. Er hat jedenfalls beschlossen, sich um einen Platz beim Internationalen Parlamentsstipendium zu bewerben.

Von Dominik Vorhölter

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