Über die Nutzung des touristischen Potenzials Kasachstans – als ein Element zur Diversifizierung der Wirtschaft des Landes – wird schon länger gesprochen. Die Annnahme eines entsprechenden Langzeitprogramms, das in diesem Jahr in seine Realisierungsphase treten und auf vorerst fünf Jahre ausgelegt sein sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Zuvor müssten noch viele Detailfragen geklärt werden, wurde mitgeteilt. Das touristische Potenzial Kasachstans ist zweifelsohne vorhanden und teilweise bereits heute nutzbar. Es soll jedoch um einen qualitativen Sprung in dieser Sache gehen, der Tourismus könnte zu einer Industrie werden, die auch richtig Geld einbringt.

Im vergangenen Jahr haben zum Beispiel 4,3 Millionen Einheimische die Landesgrenzen überschritten, wenn auch nicht alle als Touristen. 3,7 Millionen Leute kamen andererseits in das Land, darunter etwa 40 Prozent als Touristen. Das ist natürlich noch fast gar nichts. Wen soll man nun als Zielgruppen ansprechen? Zuerst einmal sicher die großen touristischen Nationen, also die Länder mit den höchsten Ausgaben für Fernreisen. Das sind Deutschland, die USA, Japan, Großbritannien, Italien und Korea. Insbesondere Deutschland diktiert dabei mit 51 Millionen Auslandsreisen pro Jahr die Trends in der Welt. Problem ist nur: Kasachstan ist sehr wenig bekannt, als touristisches Ziel fast gar nicht. Das wird sich auch von alleine nicht ändern. Hier muss zuerst einmal kräftig in Information investiert werden. Weiter sollten natürlich eine Vielzahl touristischer Einrichtungen verbessert werden, darunter Hotels zu vernünftigen Preisen mit einem Service, der seinen Namen auch verdient. Nicht alles muss dabei viel Geld kosten, oft reicht einfache, aber bessere Organisation der Betreuung von Hotelkunden aus. Fremdsprachenkenntnisse auf vielen Ebenen sind dabei allerdings ebenso unumgänglich, wie Freundlichkeit von Grenzbeamten. Bei der Einreise hat sich schon manches verbessert, wenn auch noch nicht unbedingt die Freundlichkeit der Grenzer: Die Erteilung touristischer Visa ist heute eine ziemlich einfache Sache, die Kosten dafür wurden deutlich gesenkt und sollen in Zukunft ganz abgeschafft werden. Das bürokratische Registrierungsverfahren für eingereiste Ausländer aus einer ganzen Reihe von Staaten wurde vor wenigen Wochen stark vereinfacht und hat damit seinen alten Schrecken verloren. Man wird nicht mehr von Zollbeamten überfallen, die immer etwas finden konnten, wenn sie nur richtig wollten.

Es bleibt aber noch sehr viel zu tun: Die großen Tourismuskonzerne, die das Geschäft letztlich bestimmen, halten sich noch zurück, weil noch zu vieles in Kasachstan weit entfernt ist von den Standards, die ein Durchschnittstourist heute für sein Geld erwartet. Dazu gehört auch, dass man die Region gemeinsam vermarktet. Nur sehr wenige echte Touristen werden sich aus Europa nach Kasachstan verirren. Sie werden sicher auch gleich die Sehenswürdigkeiten in Usbekistan, vielleicht auch in China mitnehmen wollen.

Man muss allerdings nicht unbedingt auf große Konzeptionen von oben warten, die dann doch nicht so richtig bei denen ankommen, die sie eigentlich umsetzen sollen. Konzeptionen hat Kasachstan eigentlich genug, Diversifizierung aber immer noch eindeutig zu wenig.

Diversifizierung: Ausweitung des Sortiments, Erschließung neuer Absatzmärkte, Entwicklung weg von Monostruktur der Wirtschaft hin zu Wirtschaft mit vielen Industriezweigen.

Bodo Lochmann

30/06/06

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