„Kontakte sind Gold wert“

Kooperation zwischen Hamburg und St. Petersburg eröffnet Chancen. | Foto: flickr

Zusammenarbeit ist auch in Zeiten von Protektionismus und nationalen Alleingängen Gold wert. Das wurde auch auf dem „Wirtschaftsforum St. Petersburg“ deutlich, das am 3. September in Hamburg stattfand.

Hamburg und St. Petersburg sind Partnerstädte. Das ist deutlich spürbar. Im September fand in Hamburg das „Wirtschaftsforum St. Petersburg“ zum Thema „Kooperationschancen in den Clustern Gesundheitswirtschaft und Nachhaltige Stadtentwicklung“ statt. Das Forum mit rund 80 Teilnehmern wurde von der Russisch-Deutschen Handelsgilde e.V. in Kooperation mit dem Ost-Ausschuss-Osteuropaverein und der Handelskammer Hamburg organisiert.

Die Petersburger Delegation wurde von Vize-Gouverneur Sergej Mowtschan angeführt. Die zweitgrößte Stadt Russlands (5,28 Millionen Menschen) nimmt seit Jahren die führenden Positionen im Gesundheitswesen der Russischen Föderation ein. Die Zahlen sprechen für sich: 150 Unternehmen arbeiten im Bereich Gesundheitswirtschaft, 30 Institute und Bildungseinrichtungen bilden aus und fort, 200 medizinische Präparate werden in Sankt Petersburg hergestellt. Aus beiden Städten kamen die etablierten Redner und Vertreter der Firmen, Organisationen und Stadtverwaltung.

„Gesundheit ist das Wertvollste, was wir haben“ betonte Mowtschan in seiner Rede. Deswegen vertrauen Petersburger auch deutschen Experten, die ihren Job nicht nur aus Fachbüchern, sondern auch aus der Praxis kennen, wie zum Beispiel der Firma Weinmann. Deren Geschäftsführer André Schulte ist selbst ausgebildeter Rettungssanitäter. Das Unternehmen stellt Produkte her, die Rettungssanitäter und Notärzte auf Rettungswagen oder in Hubschraubern tagtäglich brauchen, bei der Katastrophenhilfe oder im militärischen Einsatz. Seit 2007 ist Weinmann auch in St. Petersburg präsent. Die Firma zeigt auch, dass kleine und mittlere Unternehmen in der Stadt willkommen sind.

Marina Girina vom Cluster für medizinisches, ökologisches Zubehör und Biotechnologien zeigte auf, wie sich der Bereich in den vergangenen 13 Jahren entwickelt hat. Gehörten 2005 gerade einmal 12 Unternehmen dem Cluster an, sind es heute 145 Firmen mit 18.600 Angestellten und einem Jahresumsatz von insgesamt 17,5 Milliarden Rubeln, die in 98 Länder exportieren.

Neben dem Gesundheitswesen war Stadtentwicklung ein weiteres wichtiges Thema. Das Konzept „Smart Cities“ ist sowohl für St. Petersburg als auch Hamburg von hohem Interesse. In verschiedenen Hamburger Stadtteilen gibt es bereits smarte Lösungsansätze, um Verkehrsströme zu regulieren. Eine große Rolle spielt dabei E-Mobilität, um Emissionen zu verringern. In der Hamburger Hafen City beispielsweise sind bereits verschiedene Carsharing-Angebote verfügbar. Bis 2050 sollen 90 Prozent der Autos dort Elektroautos sein.

In St. Petersburg betreibt das Cleantech-Cluster für urbane Umwelt ein Modelprojekt namens Ecoland, wo eine kleine Smart City entstehen soll. Dem Cluster gehören 60 Firmen an, darunter auch aus Finnland, Norwegen und Dänemark. Überhaupt wurde Kooperation im Ostseeraum immer wieder auf dem Wirtschaftsforum thematisiert.

Doch aller Aufbruchsstimmung und allem Kooperationswillen zum Trotz: Der Protektionismus in Russland hat zugenommen. Die Kampagnen zum Kauf nationaler Produkte laufen dort auf Hochtouren. Dennoch ist es wichtiger denn je zusammenzuarbeiten. Internationale Partnerschaften werden einheimische Unternehmen motivieren, konkurrenzfähiger und qualitativ besser zu werden. Das heißt, von der internationalen Kooperation werden alle profitieren. „Kontakte sind Gold wert“, schloss Vize-Gouverneur Mowtschan seine Rede.

Ljuba Osatiuc