Das Jahr 2015 stand ganz im Zeichen der Gedenkfeier „70 Jahre Sieg über den Nationalsozialismus“: Zeitzeugen erinnerten sich an die entsetzliche Zeit vom 22. Juni 1941 bis 9. Mai 1945, in der die Sowjetunion um Leben und Tod gegen die Nationalsozialisten kämpfte. Seite an Seite mit anderen sowjetischen Nationalitäten haben die Sowjetdeutschen alles für den Sieg hergegeben – sowohl an der Front als auch im Hinterland.

Johann Neufeld

[…] Eine weitere Biografie über einen russischdeutschen Kriegsveteranen des Großen Vaterländischen Krieges ist jene von Johann Neufeld. Er wurde am 26.07.1918 im Dorf Grigorjewka im Rajon Kljutschewski geboren und war Mitglied in der kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Nach dem Krieg arbeitete er als Vorsitzender einer Kolchose sowie des Dorfrates. Nach seiner Pensionierung half er als Traktorist bei Feldarbeiten; er scheute auch als Rentner keine Arbeit. Am 21. Mai 1939 heiratete er Helene Petker, eine Einwanderin aus dem Amurgebiet. Er starb am 9. Februar 2010 in Deutschland. Für seinen Armeedienst wurde er mit folgenden Medaillen ausgezeichnet: „Für gewissenhafte Arbeit im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945“; „50 Jahre Streitkräfte der UdSSR“; „20 Jahre Sieg“; „30 Jahre Sieg“; „40 Jahre Sieg“; „50 Jahre Sieg“; „65 Jahre Sieg“; „Zum Gedenken an den 100-sten Geburtstag von Georgi Schukow“; „Für die Erschließung von Neuland“; „Veteran der Arbeit“. Des Weiteren erhielt er den Orden des Großen Vaterländischen Krieges II. Klasse.

Alexander Schneider

Alexander Schneider wurde 1920 in Ehrenfeld im Rajon Engels in der Oblast Saratow geboren. Er kam am 27. Juni 1941 an die Front, wurde jedoch einen Monat später verwundet und in ein Hospital in Smolensk und danach in eines in Woronesch gebracht. 1942 wurde er von der Kommandantur in das Dorf Zwetopol im Rajon Burlinski in die Altairegion geschickt, wo seine Eltern lebten, die aus dem Landkreis Saratow ausgesiedelt worden waren. Er betätigte sich dort als Bauarbeiter, denn er war handwerklich sehr begabt. 1993 übersiedelte er nach Deutschland, wo er im November 2004 in Rinteln verstarb. Er wurde mit dem Orden des Großen Vaterländischen Krieges II. Klasse sowie den Medaillen „20, 30, 40, 50 Jahre Sieg im Großen Vaterländischen Krieg“ ausgezeichnet. Für seine Großtaten in Friedenszeiten erhielt er die Medaille „Für die Erschließung von Neuland und Altbrachen“. Mit seiner Frau zog er fünf Kinder groß – vier Söhne und eine Tochter.

Peter Tießen

Die Erinnerungen von Peter Tießen wurden am 7. Mai 1977 in der Zeitung „Die Rote Fahne“ veröffentlicht: „Jedes Jahr in den ersten Maitagen denke ich an den Großen Vaterländischen Krieg zurück. Ich denke dabei an die unfassbar grausamen Verbrechen gegen das Volk, verübt von den Nationalsozialisten. Ich denke an die Kämpfer auf unserer Seite, die für die Freiheit und den festen Glauben an den Sieg gefallen sind. Einen Sieg, den die Sowjetarmee nicht nur für uns, sondern auch für die Menschen in Europa und der ganzen Welt errungen hat. Anfang 1940 schloss ich die Militärschule ab. Zu dieser Zeit konzentrierte sich der Staat verstärkt auf die militärische Landesverteidigung sowie die Festigung der Sowjetischen Grenze. In kürzester Zeit sollten hochqualifizierte Kommandeure bereitgestellt werden. Unsere Ausbildung umfasste zwölf Stunden pro Tag, und an den Sonntagen fanden Sportwettbewerbe statt. Es war nicht leicht, aber wir beschwerten uns nicht, da wir uns stets die Worte Suworows in Erinnerung riefen: ‚Schwer ist das Lernen, leicht ist die Schlacht‘. Und so bereiteten wir uns auf das uns bevorstehende schwere Ringen mit dem Feind vor.
Nach Abschluss der Militärschule wurden meine Kollegen und ich am 15. Juni 1941 als Infanteristen nach Weliki Ustjug geschickt. Wir bekamen drei Tage frei, um nach Petrosawodsk in die Militärzone zu gelangen, in der wir dann aufgeteilt und sogleich an die Front geschickt wurden. Ich wurde zum Anführer des Zugs ernannt, der uns an die Front bringen sollte. Die Nationalsozialisten hatten inzwischen mühelos einen Sieg nach dem anderen in Europa errungen. Wir stellten uns dem gut ausgerüsteten Feind entgegen, der entschlossen die Grenze unserer Heimat passierte. Die Deutschen erwarteten, Leningrad in einem Atemzug einzunehmen – aber sie irrten sich. Unsere Armee verteidigte jeden Zentimeter.

Acht Tage lang verteidigten wir die Stadt Sortawala und zogen uns erst auf Befehl des Obersten Befehlshabers zurück. Bedauerlicherweise weilte ich nicht lange unter den Verteidigern Leningrads. Im Dezember 1941 wurde eine Neuformierung unseres Regiments vorgenommen, und ich wurde ins Hinterland in die Arbeiterarmee geschickt, die für die Errichtung eines Metallhüttenwerks in Tscheljabinsk zuständig war – das Land brauchte Metall für die Armee. Wir leisteten damit aber ebenso unseren Beitrag zum Sieg wie die Soldaten an der Front.

Nun darf unser Land bereits 30 Jahre lang in Frieden leben, und das ist wunderbar. Wir, die Kriegs– und Arbeitsveteranen, wissen das ganz besonders zu schätzen. Wir kennen den Preis, den es unser Volk gekostet hat, die Heimat zu verteidigen und diesen Frieden zu ermöglichen. Für uns hat der Tag des Sieges daher eine ganz besondere Bedeutung.“ […]

Swetlana

Die Fortsetzung dieses Beitrags lesen Sie in den nachfolgenden Ausgaben.

Übersetzung: Sabrina Kaschowitz

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