Rein psychologisch ist die Antwort auf diese Frage klar. Es gibt aber trotzdem wichtige Gründe, warum die Wirtschaft Kasachstans trotz reicher Energieressourcen effizienter mit fossilen Rohstoffen umgehen sollte, meint Kolumnist Dr. Bodo Lochmann.

 

Seit 1987 bestimmen Wissenschaftler des „Global Footprint Networks“, einer US-amerikanischen Forschungsgesellschaft, den sogenannten Weltüberschusstag. Gemeint ist damit der Tag, an dem im laufenden Jahr die Menschheit alle diejenigen erneuerbaren Ressourcen verbraucht hat, welche die Natur uns im selben Jahr zur Verfügung gestellt hat. Was darüber hinaus verbraucht wird, geht zu Lasten der vorhandenen Naturressourcen, die sich deswegen verringern. Wenn dieser Tag im Jahre 1987 noch für den 19. Dezember, also kurz vor Jahresschluss bestimmt werden konnte, ist er im Jahr 2011 auf den 27. September vorgerückt. Mit anderen Worten drei volle Monate und ein paar Tage zehren wir von der Naturressourcen, Tendenz steigend.
Ein Wandel zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Lebensstil ist unumgänglich, gleichwohl großflächig noch nicht erkennbar. Die Ursache dafür ist das nach wie vor hohe Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern, aber auch der hohe Verbrauch von nicht lebensnotwendigen Gütern.
Ressourceneffizienz an allen Fronten des Verbrauchs ist somit angesagt, nicht nur, weil die Naturressourcen langfristig erschöpfbar sind, sondern auch, weil sie tendenziell immer teurer werden. Ressourceneffizienz zeigt, mit welchen Methoden und Technologien es gelingen kann, mit weniger Material- und Energieeinsatz, den gleichen oder gar einen höheren Endeffekt für den Verbraucher zu erreichen.
In vielen Ländern hat sich die Frage der Verbesserung des Ressourceneinsatzes in den letzten Jahren auf einen vorderen Platz in der Wirtschafts- und Unternehmenspolitik geschoben und das nicht nur in relativ rohstoffarmen Ländern wie Deutschland. Auch Kasachstan scheint gewillt, endlich das volkswirtschaftliche Problem seines exorbitant hohen Energie- und Rohstoffverbrauchs anzugehen. Nimmt man alleine die Energieintensität des Bruttoinlandsprodukts, also den Primärenergieverbrauch, der hierzulande notwendig ist, so zeigen die nackten Zahlen, dass dieser Verbrauch mehr als vier Mal höher ist als in Deutschland. Sicher, der direkte Vergleich dieser Größe zwischen Kasachstan und Deutschland ist nicht ganz exakt, weil er strukturelle Effekte ausblendet. Kasachstan hat eben einen viel höheren Anteil an einer energieintensiven Grundstoffindustrie in seinem BIP-Portfolio. Deutschland, wie auch andere Länder, können durch den Import solcher energieintensiven Waren ihren eigenen spezifischen Energieverbrauch reduzieren. Doch wenn der Abstand etwas geringer ist und nur in Relation 1 zu 3 bestehen sollte, heißt dass, dass es in anderen Ländern längst verfügbare Technologien und Prozesse gibt, die man nicht mehr erfinden muss, um schnell die Ressourcenverbräuche zu senken.
Man hört allerdings hierzulande noch oft das Argument, dass Kasachstan ja nicht sparen brauche, weil es mit Rohstoffen überreich gesegnet sei. Letzteres stimmt zwar, die vorangestellte Schlussfolgerung jedoch nicht. Jeder eigentlich nicht notwendige Ressourcenverbrauch ist eine vermeidbare Umweltbelastung, worauf man in Kasachstan noch nicht allzu intensiv schaut. Sie bewirkt auch höhere Selbstkosten, die eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten hiesiger Erzeugnisse nach sich zieht. Hinzu kommen die drastisch wachsenden Investitionsmengen, die für die Steigerung der Fördermengen notwendig sind. Beeindruckend zeigt dies das Erdölgroßprojekt „Kaschagan“, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist und Kosten- sowie Zeitpläne in negativer Hinsicht übersteigt. Das kürzlich angenommene Programm „Energieeffizienz 2020“ geht absolut in die richtige Richtung. Die Reserven, die in der Wirtschaft aber auch in den privaten Haushalten schlummern, sind enorm. Allerdings können sie nur mit enormen Anstrengungen nutzbar gemacht werden. Der Praxistest des genannten Programms steht noch aus, weil noch in zu vielen Köpfen folgendes Denken vorherrscht: wir haben doch genug Ressourcen, wozu sparen. Ohne Veränderung der Verbrauchspsychologie taugt auch das beste staatliche Programm nur wenig.

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