Die Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Kasachstan wurde Anfang April dieses Jahres in ein Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien umgewandelt. Leiter des Delegiertenbüros ist Jörg Hetsch (45). Im Interview mit der DAZ spricht er über die gestiegene Bedeutung Zentralasiens für die deutsche Wirtschaft.

/Foto: Ulf Seegers/

Herr Hetsch, wie kommt es, dass die Deutsche Wirtschaft in Zentralasien jetzt nicht mehr mit einer Repräsentanz sondern mit einem Delegiertenbüro vertreten ist?
Im System der deutschen privaten Außenwirtschaftsförderung gibt es drei Stufen: die Repräsentanzen der deutschen Wirtschaft, die Delegiertenbüros und die bilateralen Auslandshandelskammern. Die Aufwertung der Repräsentanz in ein Delegiertenbüro ist nur folgerichtig, da die Bedeutung Kasachstans und der gesamten Region Zentralasien für die deutsche Wirtschaft gestiegen ist.

Was ändert sich außer der neuen Bezeichnung und der personellen Verstärkung durch ihre Person?
Vor allem vergrößert sich der Aufgabenbereich. Das Delegiertenbüro wird neben Kasachstan nun auch Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan betreuen. Galija Schunusalijewa, seit 1994 Repräsentantin der Deutschen Wirtschaft in Kasachstan, ist als stellvertretende Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien weiterhin für die Betreuung Kasachstans zuständig. Aufgabe Nummer eins bleibt nach wie vor, deutsche Unternehmen bei ihrem Markteintritt zu unterstützen. Zukünftig wollen wir noch stärker unsere Sprachrohrfunktion nutzen und versuchen, durch verstärkte Lobbyarbeit die Bedingungen für die deutschen Unternehmen in Kasachstan zu verbessern.

Seit wann gibt es die Überlegungen, die Repräsentanz zu einem Delegiertenbüro auszubauen?
Anfang des letzten Jahres ist die Idee dazu entstanden. Das hängt sicherlich eng damit zusammen, dass die ganze Region durch die neue Zentralasienstrategie der Europäischen Union stärker in den Fokus Europas beziehungsweise Deutschlands gerückt ist. Die Besuche von Bundeswirtschaftsminister Glos (CSU) in Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan innerhalb der letzten sieben Monate unterstreichen den politischen Willen zur Zusammenarbeit mit dieser Region. Mitte April war der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), in Tadschikistan und Kirgisistan. Anfang Juni wird eine Delegation des Bundeswirtschaftsministeriums ebenfalls nach Kirgisistan und Tadschikistan reisen.

Woher kommt das verstärkte Interesse der deutschen und europäischen Politik an Zentralasien?
Die Entwicklungspolitik spielt dabei eine große Rolle. Europa möchte Ruhe, Stabilität und Wohlstand in diese Region bringen, um einerseits möglichem Konfliktpotential in der Region vorzubeugen und andererseits auch auf Afghanistan abzustrahlen. Außerdem gibt es natürlich ein wirtschaftliches Interesse. Die Politik trägt damit dem Energiepotential dieser Region und den zahlreichen Geschäftschancen für deutsche Firmen Rechnung.

Im Zusammenhang mit Zentralasien wird immer wieder das Potential der Region betont, Europa unter Umgehung Russlands mit Energie zu versorgen. Wie realistisch ist dieses Szenario angesichts eines steigenden Eigenbedarfs, verhältnismäßig geringer Förderquoten und der geplanten Pipelines nach China?
Auch wenn die Förderquoten vergleichsweise gering sein mögen, erreicht dieses Erdöl und Erdgas über die russischen Pipelines trotzdem Europa. Es ist ja nicht so, dass Europa sich hier eine kleine Sparbüchse anlegt für den Fall, dass Russland, was es nicht tun wird, den Gashahn abdreht. So wie Europa auf die russischen Energieressourcen angewiesen ist, ist Russland beim gegenwärtigen Pipelineverlauf auf den Markt Europa angewiesen. Da das zentralasiatische Erdöl und Erdgas ins russische Pipelinesystem eingespeist wird, ist es schon heute ein Teil des Energiemixes, den wir in Europa beziehen.

Sie sprachen eingangs von der gestiegenen Bedeutung Zentralasiens für deutsche Unternehmen. Wie viele deutsche Unternehmen sind derzeit in Kasachstan und in Zentralasien tätig?
Wir schätzen, dass etwa etwa 1.500 deutsche Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit kasachstanischen Partnern unterhalten. Eine Repräsentanz oder Filiale haben circa 160 deutsche Unternehmen in Kasachstan angemeldet. In den übrigen zentralasiatischen Staaten gibt es mit Ausnahme von Usbekistan jeweils kaum mehr als eine Hand voll Unternehmen, die eine Repräsentanz oder Tochtergesellschaft unterhalten. Das Außenhandelsvolumen mit den zentralasiatischen Staaten lag im letzten Jahr bei 6,2 Milliarden Euro. Ein Großteil davon entfällt auf Kasachstan. Allein hier sind die Umsätze 2007 um über 40  Prozent  gestiegen.

Sie sind erst seit wenigen Tagen in Almaty. Können Sie ihre Eindrücke von der Stadt schon in drei Worten zusammenfassen?
sehr grün, sehr interessant, aber auch sehr schmutzige Luft

Das Interview führte Ulf Seegers.

18/04/08

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