In Astana fand am Dienstag die 22. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der ethnischen Deutschen unter dem gemeinsamen Vorsitz des stellvertretenden Außenministers der Republik Kasachstan, Arman Isetow, und des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, statt.
Die Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ wurde bei der Sitzung durch die Mitgründer der Selbstorganisation vertreten: den stellvertretenden Sprecher des Mäschilis des Parlaments der Republik Kasachstan Albert Rau sowie den Senator des Parlaments der Republik Kasachstan und Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Stiftung Yevgeniy Bolgert.
Zur Eröffnung der Sitzung betonte Arman Isetow, dass sich die kasachisch-deutschen Beziehungen traditionell auf der Grundlage von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und strategischer Partnerschaft entwickeln. „Deutschland bleibt einer der wichtigsten Partner Kasachstans in Europa, und die Zusammenarbeit in den gesellschaftlichen, bildungspolitischen und kulturellen Bereichen bildet eine wichtige Säule der bilateralen Beziehungen“, so Isetow wörtlich.
Seit 2023 gehört Kasachstan zu den 50 größten Außenhandelspartnern Deutschlands und belegte im vergangenen Jahr Platz 49. Derzeit sind in der Republik rund 1.100 aktive Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung registriert. Zwischen beiden Ländern funktionieren erfolgreich eine Reihe bilateraler Kooperationsmechanismen, darunter die Regierungskommission für handels- und wirtschaftspolitische Zusammenarbeit, der Deutsch-Kasachische Wirtschaftsrat sowie der Berliner Eurasische Klub.
Besonders hob der stellvertretende Minister die Bedeutung der Unterstützung hervor, die auf die Entwicklung der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans ausgerichtet ist. Dazu zählen insbesondere Sprachprojekte, Konferenzen und ethnokulturelle Veranstaltungen mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern und des Goethe-Institut.
Arman Isetow erinnerte daran, dass der Hohe Kommissar der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für nationale Minderheiten während seines Besuchs in Astana im September 2025 die Erfahrung Kasachstans bei der Förderung des interethnischen Einvernehmens hoch bewertet und das Potenzial hervorgehoben habe, dieses Modell auch in anderen Ländern zu vermitteln.
Er bestätigte die Bereitschaft der kasachischen Seite, die Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans auch weiterhin umfassend zu unterstützen, unter anderem durch die unentgeltliche Bereitstellung von Räumlichkeiten in Häusern der Freundschaft und Kultureinrichtungen zur Umsetzung von Bildungs-, Kultur- und Gesellschaftsprojekten.
Unterstützung der deutschen Gemeinschaft Kasachstans
Dr. Bernd Fabritius dankte der kasachischen Seite für den herzlichen Empfang und betonte, dass es für ihn eine große Ehre sei, nach seiner Rückkehr in das Amt des Beauftragten der Bundesregierung Deutschlands erneut unter gemeinsamen Vorsitz der Kommission das Land zu besuchen.
Im Rahmen des Besuchs bereiste die deutsche Delegation die Städte Kokschetau, Schtschutschinsk, Almaty und Karaganda, wo sie sich mit der Arbeit der deutschen Gemeinschaft und der Tätigkeit der Stiftung „Wiedergeburt“ vertraut machte. Nach den Worten von Dr. Bernd Fabritius entwickelt sich die Selbstorganisation dank der in der Republik geschaffenen Bedingungen zur Bewahrung von Kultur, Sprache und gesellschaftlichem Engagement weiterhin aktiv. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der Jugend und betonte, dass diese ihre Zukunft gerade in Kasachstan sehe und zugleich eine wichtige Brücke zwischen beiden Ländern bilde.
Nach Angaben des Beauftragten stellte das deutsche Bundesministerium des Innern im Jahr 2025 rund drei Millionen Euro zur Unterstützung der ethnischen Deutschen in Kasachstan bereit. Für das Jahr 2026 sind eine Erhöhung der Finanzierung auf 3,5 Millionen Euro sowie die Möglichkeit der Förderung von Infrastrukturprojekten vorgesehen.
Deutsche Sprache und Bildung – Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit
In seiner Rede auf der Sitzung zog Yevgeniy Bolgert Bilanz über die Umsetzung des Unterstützungsprogramms für die Deutschen Kasachstans im Jahr 2025. In der Republik wurden 68 Projekte in sieben Bereichen mit rund 27.000 Teilnehmenden realisiert. In Astana fand erstmals ein Weihnachtsmarkt statt, während in den Regionen Tage der deutschen Kultur sowie Veranstaltungen zum 35-jährigen Jubiläum der „Wiedergeburt“-Gesellschaften organisiert wurden.
Besonders hob Bolgert die Unterstützung der deutschen Seite sowie die Mitwirkung des Kultur- und Informationsministeriums der Republik Kasachstan, der Volksversammlung Kasachstans und der Stadtverwaltung von Astana bei der Durchführung des Forums der Deutschen Kasachstans hervor.
Zu den wichtigsten Prioritäten zählte der Vorsitzende des Aufsichtsrates den Erhalt und die Förderung der deutschen Sprache. Er betonte die Notwendigkeit, eine langfristige Strategie zur Förderung der deutschen Sprache in Kasachstan zu entwickeln, und schlug vor, die Möglichkeiten zum Deutschlernen im Bildungssystem auszubauen. Dabei gehe es um die Anerkennung internationaler Sprachzertifikate, die Unterstützung von Schülerolympiaden, die Entwicklung moderner Lehrbücher sowie die Ausbildung von Deutschlehrkräften.
Ein wesentlicher Teil der Rede war Infrastruktur- und Kulturprojekten gewidmet. Yevgeniy Bolgert teilte mit, dass das Projekt zur Gründung einer Deutschen Schule in Astana in die Phase der aktiven Umsetzung übergegangen sei und ihre Eröffnung für das Schuljahr 2027/2028 geplant werde. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung der Weiterentwicklung des Projekts „Elektronisches Archiv der Deutschen Kasachstans“, der Modernisierung des Gebäudes des Deutschen Theaters sowie der Einrichtung einer Dauerausstellung zur Geschichte der Deutschen Kasachstans im Nationalmuseum.
Abschließend unterstrich der Vorsitzende des Aufsichtsrates, dass die weitere Entwicklung der kasachisch-deutschen Zusammenarbeit nicht nur die Bewahrung bestehender Unterstützungsmechanismen erfordere, sondern auch eine Erweiterung der Zusammenarbeit durch gemeinsame Foren, gesellschaftliche Initiativen sowie Kultur- und Bildungsprojekte.
Jugendprojekte und internationale Zusammenarbeit
Ein besonderer Schwerpunkt der Sitzung war die Rede der Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), Kristina Larina, die die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit der Organisation präsentierte.
Im Jahr 2025 setzte der Verband Dutzende Projekte um. Den Schwerpunkt bildeten Sprachcamps, die Akademie „Mach mit“, Programme mobiler Gruppen, Bildungsprojekte für Jugendleiterinnen und Jugendleiter sowie internationale Medieninitiativen. Darüber hinaus entwickelt der VDJK aktiv die internationale Zusammenarbeit weiter. Vertreter Kasachstans nahmen an einem vom Goethe-Institut organisierten Jugendcamp in Tschechien sowie an einem internationalen Medienseminar in Taschkent teil, das mit Unterstützung des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) stattgefunden hat.
Im laufenden Jahr begeht der Verband der Deutschen Jugend Kasachstans sein 30-jähriges Bestehen. Das zentrale Ereignis des Jubiläumsjahres war ein Internationales Jugendforum, das Teilnehmende aus fünf Ländern zusammenbrachte. Wie Kristina Larina hervorhob, ist der VDJK heute nicht nur eine Plattform für Jugendinitiativen, sondern auch ein wichtiger Raum für die Entwicklung zukünftiger Führungspersönlichkeiten und die Stärkung der Partnerschaft zwischen Jugendorganisationen Kasachstans und anderer Länder.
Internationale Programme und Transformation der Medien
Die Leiterin der Abteilung „Integration und Medien“, Karoline Gil, stellte die laufenden Programme des Instituts für Auslandsbeziehungen vor, die auf die Unterstützung deutscher Minderheiten, die Entwicklung von Jugend- und Medieninitiativen sowie die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit ausgerichtet sind.
Besondere Aufmerksamkeit galt während der Diskussion der Transformation der Deutschen Allgemeinen Zeitung, die sich als moderne Medienplattform der deutschen Gemeinschaft Kasachstans weiterentwickelt. Nach den Worten von Karoline Gil liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf dem Ausbau der Präsenz der Zeitung im digitalen Raum, der Entwicklung digitaler Formate sowie der Erweiterung der Möglichkeiten zur Interaktion mit einem jungen Publikum.
Historische Grundlage der Zusammenarbeit und Unterzeichnung des Abschlusskommuniqués
Zum Abschluss der Sitzung betonte der stellvertretende Sprecher des Mäschilis des Parlaments, Albert Rau, die besondere Symbolkraft des aktuellen Treffens. Er erinnerte daran, dass vor genau 30 Jahren der Grundstein für die moderne Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland in Fragen der Unterstützung der deutschen Gemeinschaft gelegt worden sei.
So unterzeichneten die Regierungen beider Länder im Mai 1996 ein Abkommen über die Zusammenarbeit zur Unterstützung der Bürger deutscher Nationalität der Republik Kasachstan. Dieses Dokument bildet bis heute eine solide Grundlage der trilateralen Zusammenarbeit.
Er betonte, dass es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen sei, ein stabiles Partnerschaftssystem aufzubauen, das die Bereiche Bildung, Kultur, Jugendpolitik, Bewahrung des historischen Erbes sowie die Förderung der deutschen Sprache umfasst. Eine der wichtigsten Besonderheiten dieses Kooperationsmodells bleibe dabei der kontinuierliche Dialog zwischen dem Staat und der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans.
Im Ergebnis der 22. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission bekräftigten die Seiten ihr gemeinsames Interesse an der weiteren Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit, der Unterstützung der ethnischen Deutschen Kasachstans sowie der Umsetzung gemeinsamer gesellschaftlicher und bildungspolitischer Projekte und hielten dies im Kommuniqué fest.
Olesja Klimenko.
Übersetzung: Annabel Rosin.























