Vom 10. bis 12. Juni wird Astana zum Zentrum der Automobilindustrie Zentralasiens. Die Fachmesse „Automechanika“ lädt Hersteller, Zulieferer und Dienstleister in die kasachische Hauptstadt. Unser Autor sprach mit Anuar Malik, CEO von Business Media Central Asia (BMCA), dem offiziellen Vertreter der Messe Frankfurt in Zentralasien.
Vom 10. bis 12. Juni findet die Fachmesse „Automechanika“ in Astana statt. Was können die Besucher erwarten?
Zehn Jahre Automechanika in Astana sind ein schönes Jubiläum und ein echter Meilenstein für unsere Branche. Was 2016 als regionales Format begann, ist heute die wichtigste Fachplattform für den Automotive Aftermarket in Zentralasien. Wir sind mit dem Markt gewachsen, und der Markt ist mit uns gewachsen. 2025 kamen 365 Aussteller aus 22 Ländern und über 14.000 Fachbesucher nach Astana. 2026 ergänzen wir die Automechanika Academy mit praxisnahen Trainings, Experten-Talks und Live-Demonstrationen direkt auf der Messefläche.
Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit im kasachischen Automobil-Sektor, und wie spiegeln sich diese Trends in der Nachfrage seitens Aussteller und Fachbesucher wider?
2025 wurden in Kasachstan fast 235.000 Neufahrzeuge verkauft, ein Plus von 14 Prozent. Noch beeindruckender ist die lokale Produktion mit über 171.000 Fahr-zeugen, ein historischer Höchstwert. Der Aftermarket wächst proportional mit, und digitale Lösungen sowie moderne Werkstattausrüstung sind die großen Treiber.

Vor dem Hintergrund globaler Umbrüche in der Automobilindustrie: Welche Chancen sehen Sie für den kasachischen Markt?
In Kasachstan werden Lieferbeziehungen und Standards gerade neu definiert. Mehrere europäische Hersteller bauen alternative Logistikrouten und lokale Partnerschaften auf, um den Wegfall klassischer Lieferwege auszugleichen. Für solche strategischen Neuausrichtungen bietet die Automechanika kompakten Marktzugang und direkte Gespräche mit Distributoren, Werkstattketten und Importeuren. Die chinesische Konkurrenz hält rund 40 Prozent des Marktes und baut diese Position systematisch aus, mit eigenen Montagewerken, Vertriebsnetzen und aggressiven Preisstrategien. Auf einen guten Markennamen allein zu vertrauen, reicht heute nicht mehr.
Welche Rolle spielen Elektromobilität und autonomes Fahren im Bereich PKW und LKW in Kasachstan?
Die Elektromobilität wächst messbar. 2025 waren über 21.000 Elektrofahrzeuge in Kasachstan registriert, und die Zahl der Ladestationen hat sich in weniger als zwei Jahren auf über 850 verdreifacht. Die Automechanika wird diesem Trend viel Raum geben, denn die Wartung von E-Autos verändert den Servicebereich grundlegend. Auch das autonome Fahren wird durch erste geplante Testbetriebe in den Metropolen Thema. Genau hier setzt die Automechanika an: Wir bereiten die Servicebetriebe auf diese technischen Veränderungen vor.
Vor welchen Herausforderungen steht der kasachische Fahrzeugmarkt mit Blick auf die kommenden Jahre?
Über 41 Prozent der kasachischen Fahrzeugflotte ist älter als 20 Jahre. Die Erneuerung dieses Bestands ist Markttreiber und Frage der sozialen Kaufkraft zugleich. Nicht jeder Haushalt kann sich einen Neuwagen leisten, auch wenn die Finanzierungsinstrumente besser werden. Dazu kommt die Qualifikationsfrage. Chinesische Marken prägen inzwischen den Markt und verändern die Anforderungen an Werkstätten, Diagnosesysteme und Ersatzteillogistik. Viele Servicebetriebe sind auf diesen Wandel noch nicht ausreichend vorbereitet. Hinzu kommt der Rückgang des grauen Imports durch neue regulatorische Barrieren, was die Markttransparenz erhöht, kurzfristig aber bestehende Strukturen aufbricht. Wer diese Übergangsphase aktiv mitgestaltet, wird langfristig profitieren.
Braucht es mehr lokale Produktion? Wo sehen Sie Verbesserungs- und Investitionsbedarf?
Die Regierung schreibt vor, dass der Anteil der CKD-Fertigung, also der Montage aus eingeführten Bauteilen mit hoher lokaler Wertschöpfung, von 20 Prozent im Jahr 2024 auf 50 Prozent bis 2027 steigen muss. Ein klarer industriepolitischer Kurswechsel weg von der reinen Endmontage. Investoren stecken derzeit über 900 Millionen US-Dollar in den Aufbau einer lokalen Komponentenfertigung. Die Lokalisierungstiefe liegt bei 30 bis 40 Prozent, je nach Modell. Für eine exportfähige Zuliefererindustrie braucht es mehr: bessere Fachkräfteausbildung, moderne Qualitätssicherungssysteme und die Anbindung lokaler Zulieferer an internationale Standards. Die Automechanika Astana kann keine Fabrik bauen, aber sie liefert, was die Branche jetzt braucht: Wissenstransfer, internationale Kontakte und konkretes Matchmaking.
Wie präsentiert sich Kasachstan als Logistikstandort angesichts der wachsenden Bedeutung des Mittleren Korridors als alternativer Handelsroute?
Der Mittlere Korridor ist längst Realität. Zwischen 2021 und 2025 hat sich das Frachtaufkommen auf dieser Route mehr als verfünffacht. Kasachstans Transportsektor wuchs 2025 um über 20 Prozent, und fast 18 Prozent aller Bruttoanlageinvestitionen flossen in Transport- und Lagerinfrastruktur. Dahinter stehen Großprojekte wie der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Dostyk-Moyinty und die Erweiterung der Caspian-Häfen Aktau und Kuryk. Zudem hat die EU im Rahmen ihres „Global Gateway“-Programms drei Milliarden Euro für den Mittleren Korridor vorgesehen. Für die Automotive-Branche bedeutet das einen steigenden Bedarf an Nutzfahrzeugen, Ersatzteilen und Service-echnik.
BMCA ist der offizielle Vertreter der Messe Frankfurt in Zentralasien und veranstaltet zahlreiche Messen und Wirtschaftskonferenzen. Wie bewerten Sie Astana als Messestandort für das Land und die Region Zentralasien?
Als offizieller technischer Provider des International Exhibition Center EXPO in Astana tragen wir eine besondere Verantwortung, die uns eine einzigartige Nähe zum Standort verschafft. Das Gelände bietet eine Infrastruktur, die auch international betrachtet auf höchstem Niveau ist, und durch die Direktflüge unserer Partner-Airline Air Astana zwischen Frankfurt und Astana ist die Erreichbarkeit für deutsche Partner optimal gewährleistet. Im B2B-Matchmaking bringen wir deutsche und internationale Firmen mit lokalen Partnern, Distributoren und Entscheidungsträgern zusammen.
In Zentralasien laufen Geschäfte über Vertrauen, und genau dieser direkte Draht ist der entscheidende Hebel. Wer in Astana ausstellt, erreicht den gesamten zentralasiatischen Korridor. BMCA hat bereits 2023 ein Büro in Taschkent eröffnet, und vom 3. bis 5. März 2027 wird die erste Automechanika Baku stattfinden. So bauen wir eine regionale Messeinfrastruktur auf, die von Kasachstan über Usbekistan bis in den Südkaukasus reicht.
























