Im Achtelfinale des Davis-Cups hatten Kasachstans Tennisspieler mit Österreich eine harte Nuss zu knacken. Das Ergebnis überzeugte selbst die größten Skeptiker. Patrioten glaubten verwegen an den Sieg von Kasachstan. Skeptiker warteten auf das verlorene Spiel: „Österreichische Tennisspieler haben doch bedeutend mehr Erfahrung“, sagten sie. Das Spielergebnis konnte sowohl Patrioten als auch Skeptiker überraschen.

Es war ein bedeutendes Ereignis in der Tennisgeschichte von Kasachstan: Anfang Februar traf in Astana die einheimische Auswahl in Gestalt von Andrej Golubew, Jewgeni Koroljow und Juri Schukin auf Österreich, für das Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Alexander Peya und Julian Knowle spielten. Während Patrioten verwegen an einen Sieg glaubten, erwarteten Skeptiker regelrecht die Niederlage, indem sie auf die bedeutend größere Erfahrung der österreichischen Sportler verwiesen. Das klare Ergebnis von 3:1 überraschte alle.

Den entscheidenden letzten Punkt für die kasachische Mannschaft errang Andrej Golubew im Wettkampf mit Jürgen Melzer. Auf die Frage, wie es ihm gelang, einen so erfahrenen Gegner zu bezwingen, antwortet Andrej lächelnd: „Abgesehen vom Training hatte ich auch den starken Wunsch zu gewinnen“. Am Tag zuvor hatte bereits Jewgeni Koroljow gegen Jürgen Melzer ein starkes Spiel gezeigt (3:0). Pech hatte die kasachische Mannschaft nur im Doppelspiel am zweiten Wettbewerbstag, als Golubew und Schukin gegen Peya und Knowle 0:3 unterlagen.

Absage in letzter Minute

Der Hoffnungsträger der kasachischen Nationalmannschaft, der 25-jährige Michail Kukuschkin, hatte Mitte Januar bei den Australian Open bereits die Möglichkeit, mit dem erfolgreichsten österreichischen Tennisspieler, dem 31-jährigen Jürgen Melzer, zu spielen. Damals ging Melzer, der den 30. Platz in der Weltrangliste einnimmt, siegreich vom Platz. Kukuschin zollte er vor dem Spiel Respekt: „Er ist ein talentierter Spieler und hat das viele Jahre lang bewiesen. Und wenn er hier ist, bedeutet es, dass er bereit ist. Vielleicht konnte er aus irgendwelchen Gründen nicht 100 Prozent seiner Kräfte abrufen.“

Kukuschkin seinerseits bezeichnete die Australian Open als „Übungsspiel“. Das Ziel, beim Davis Cup auf höherem Niveau zu spielen, erreichte er indes nicht: Im letzten Moment wurde seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. „Das war ein Trick, um unseren Gegnern keine Informationen über unsere Bereitschaft zu geben“, erklärte Kukuschkin der DAZ.

Clemens Trimmel, der Kapitän der österreichischen Mannschaft, hatte die Kasachen vor der Partie im Heimvorteil gesehen, erklärte aber auch: „Meine Spieler sind flexibel. Sie sind es gewohnt, in verschiedenen Städten und auf verschiedenen Plätzen zu spielen“. Der Kapitän der kasachischen Mannschaft Dias Doskarajew dagegen schätzte die österreichische Mannschaft als sehr stark ein: „Alle Spieler haben eine riesige Erfahrung und stehen im Ranking höher, sowohl im Einzel- als auch im Doppelspiel. Das Spiel wird schwer werden“.

Für sein Scheitern hatte der Österreicher Melzer später eine simple Erklärung: „Golubew spielte einfach besser“. Es war schon das zweite Mal, dass Melzer gegen Golubew den Kürzeren zog: 2010 spielten die beiden im Finale bei den German Open, wo Golubew seinen ersten ATP-Titel errang.

Im April steht für die kasachischen Tennisspieler das nächste Spiel mit dem Gewinner der Begegnung Schweiz gegen Tschechien an. „Wir möchten mit den Tschechen spielen, weil sie zu uns kommen. Falls die Schweiz gewinnt, dann müssen wir auswärts spielen“, wünschte sich Kapitän Doskarajew.

Am Davis Cup, der im Jahre 1900 vom amerikanischen Politiker und Sportler Dwight Davis eingeführt wurde, nahm Österreich das 78. Mal teil, davon zum 17. Mal in der Weltgruppe. Unter die besten acht in der Weltgruppe schaffte es Kasachstan erstmals 2011 nach einem 3:2 gegen Tschechien. Zudem ist Kasachstan jetzt der einzige postsowjetische Staat in der 16 Teilnehmer umfassenden Weltgruppe – Russland liegt nur auf Platz 17.

Von Xenia Sutula

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