Der 8. März ist in Kasachstan ein staatlicher Feiertag und die Frauen stehen im Mittelpunkt. So gibt es neben zahlreichen Gratulationen oft nicht nur Blumen, sondern auch Geschenke und Einladungen von den Männern. DAZ-Autor Robert Vogel hat die Hintergründe des Tages beleuchtet und mit Frauen und Männern in Almaty gesprochen.

„Für mich spielt der Frauentag keine große Rolle“, sagt die Office-Managerin der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Galina Botscharnikowa. Ganz anders sieht das die DAZ-Redakteurin Olesja Klimenko: „Ich freue mich auf den 8. März, weil ich für einen Tag im Mittelpunkt stehe.“ Am Frauentag werden Frauen in Kasachstan von Männern beschenkt und gratulieren sich auch gegenseitig. „Der 8. März fängt schon früh in der Schule an. Die Mädchen müssen das Klassenzimmer verlassen, die Jungs legen auf jeden Platz ein gebasteltes Geschenk. Außerdem werden weibliche Verwandte in die Schule eingeladen, und es gibt Rezitationen, Tänze oder kleine Theateraufführungen“, so die Technische Managerin der „Deutsch-Kasachstanischen Assoziation der Unternehmer“ (DKAU), Jekaterina Boger. „Ein schrecklicher Tag für die Männer, weil man von ihnen erwartet, dass sie den Frauen etwas schenken. Das ist ein ‚Muss’ und hat wenig mit dem eigentlichen Sinn des Frauentages zu tun“, bedauert Galina Botscharnikowa.

Die Geschichte des Frauentags

Der Weltfrauentag geht auf den 8. März 1908 zurück. Damals traten die Arbeiterinnen der Textilfabrik „Cotton“ in New York in Streik, um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Fabrikbesitzer und Aufseher schlossen die Frauen in die Fabrik ein, um den Kontakt und die Solidarisierung mit anderen Belegschaften zu verhindern. Als plötzlich ein Feuer ausbrach, starben 129 Arbeiterinnen in den Flammen. Außerdem löste der Streik der Textilarbeiterinnen in Sankt Petersburg am 8. März 1917 die Februarrevolution in Russland aus. Deshalb feierte man den Frauentag zu Sowjetzeiten in Kasachstan grandios: Die Frauen wurden für besondere ‚Dienste für den Sozialismus’ auf Parteiversammlungen ausgezeichnet. Man dachte an den Streik der Textilarbeiterinnen von Sankt Petersburg am 8. März 1917, der für die  ‚Februarrevolution’ eine entscheidende Rolle spielte. Hingegen war in Deutschland der Frauentag während des Dritten Reichs verboten und durch den Muttertag ersetzt worden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 organisierte man in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Veranstaltungen zum Frauentag. Anders war es in der Bundesrepublik Deutschland (BRD): Hier wurde der Frauentag erst in den späten 60er Jahren von der neuen, autonomen Frauenbewegung wiederbelebt. Heute ist der 8. März im wiedervereinigten Deutschland eher eine Plattform der Frauenbewegung. Die wohl berühmteste in Deutschland lebende Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sagt, „dass Themen wie die Rechte von Ausländerinnen, die Diskriminierung von nichtheterosexuellen Lebensweisen und die bessere Sicherung der Frauenrechte im Rahmen der europäischen Annäherung anlässlich des Frauentages aufgegriffen werden“. Ein Höhepunkt war 1994 der „FrauenStreikTag“, als mehr als eine Million Frauen bundesweit gegen Diskriminierung protestierten.

Ein echter Ehrentag für die Frauen

Selbst der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew gratuliert jedes Jahr allen Frauen seines Landes zu ihrem Ehrentag: „Ich begrüße alle Frauen an diesem besonderen Tag. Das ist der internationale Frauentag, der Tag des Frühlings, der Hoffnung, der Wärme. Ich gratuliere allen Frauen unseres Landes und wünsche Ihnen viel Erfolg.“ Heute sind politische Gründe für den Frauentag unwichtig: „In der Sowjetzeit waren die Veranstaltungen immer sehr offiziell, die Partei hat mit ihren Frauen gefeiert. Jetzt ist es eher ein Familienfest“, meint die DAZ-Redakteurin Olesja Klimenko. Bereits Wochen vor dem Ereignis sind Geschäfte und Einkaufszentren mit Plakaten dekoriert, die Ziffer „8“ taucht auf einmal überall im Stadtbild auf. Neben dem zunehmenden Blumenangebot auf der Tolebi- oder der Ablai-Chan-Straße in Almaty findet man in den Supermärkten Pralinenschachteln im Überfluss. Wie die DAZ-Vertriebsmanagerin Anastasia Wilhelm betont „macht am Frauentag der Mann den Haushalt oder er bereitet zumindest das Frühstück zu.“

Die Männer legen sich an diesem Tag so richtig ins Zeug: „Ich fahre schon früh am Morgen nach Almaty in die Tolebistraße, um für meine Frau Blumen zu kaufen, auch wenn sie wahnsinnig teuer sind”, sagt Pjotr Krasnow.

Der Frauentag wird vor allem in Osteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gefeiert. „Für mich spielt der Frauentag in Deutschland eher keine Rolle“, sagt Isabell Richter, Referendarin an der Deutschen Botschaft in Almaty. „Dennoch spiegelt sich die Wertschätzung gegenüber Frauen in Blumen und kleinen Aufmerksamkeiten in Deutschland wieder, allerdings nicht am Frauentag, sondern am Muttertag“, so Richter weiter. Die Sprachassistentin des Deutschen Akademischen Austausch-Dienstes Sylvia Scholz bedauert dagegen, dass der Frauentag auch in der ehemaligen DDR immer weniger gefeiert wird. Sie sagt: „Ich finde, dass dieser nach osteuropäischem Vorbild ein nationaler Feiertag werden sollte, denn nicht nur die Mütter werden geehrt, sondern alle Frauen!“

Von Robert Vogel

09/03/07

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