Adil Kabzhanov ist ein Absolvent der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. Der gebürtige Schymkenter gründete 2022 seine eigene Sprachschule „Hamburg“, in der Interessierte die Sprache Goethes und Schillers erlernen können. Unser Autor sprach mit ihm über seine Beweggründe und seine Zukunftspläne.

Adil, wie haben Sie angefangen, die deutsche Sprache zu lernen, und warum gerade Deutsch?

Eigentlich war es reiner Zufall. In der Schule schlug mir eine Lehrerin vor, zusätzlich eine zweite Fremdsprache zur Vorbereitung auf die republikanische Facholympiade zu wählen: Französisch oder Deutsch. Die Entscheidung war jedoch schon getroffen, weil ein anderer Junge bereits Französisch lernte – so begann ich mit Deutsch. Ein Zufall, der meinen weiteren Lebensweg bestimmte.

War es am Anfang schwierig?

Ja, vor allem, weil ich die ersten zwei bis drei Wochen des Unterrichts verpasst hatte. Ich musste also individuell zusätzlich lernen und kam regelmäßig zwei Stunden vor dem Beginn des Gruppenunterrichts ins Schulungszentrum. Es war Sommer, und es war sogar ein bisschen schade, dass meine Altersgenossen sich ausruhten, während ich fünf Stunden am Tag Deutsch lernte. Aber heute ernte ich die Früchte dieser Arbeit.

Wie haben Sie Ihre Motivation aufrechterhalten und wie schnell konnten Sie gute Ergebnisse erzielen?

Nur mit Motivation allein kommt man nicht weit, denn es gab Zeiten, in denen ich nicht genau verstand, was mir die Sprache bringen würde. Es gab sogar Phasen, in denen ich ohne Lehrer lernte, und es war schwierig, meinen Fortschritt zu verfolgen. Dennoch ging ich Schritt für Schritt weiter. Für mich war es das Wichtigste, dass ich damals nicht aufgegeben habe. Ich denke, das hat mir sehr geholfen, denn den Weg schafft nur, wer ihn selbst geht. Bereits im April 2017 legte ich in Astana das Goethe-Zertifikat auf dem Niveau B2 ab, obwohl ich die Sprache erst seit anderthalb Jahren lernte.

Hat Ihnen die deutsche Sprache neue internationale Möglichkeiten eröffnet?

Ja, auf jeden Fall. Dank der deutschen Sprache konnte ich an verschiedenen internationalen Programmen und Bildungsprojekten teilnehmen. Eine der für mich interessantesten Erfahrungen war ein Praktikum im Deutschen Bundestag. Das war äußerst wertvoll, da ich sehen konnte, wie das politische System Deutschlands von innen funktioniert. Ich konnte Menschen aus verschiedenen Ländern kennenlernen und die europäische politische Dialogkultur besser verstehen. Solche Möglichkeiten zeigen erneut, wie sehr Sprachkenntnisse den Horizont erweitern.

Wie kam Ihnen die Idee, eine eigene Sprachschule zu gründen?

Auch das war eher zufällig. Als ich anfing, Deutsch zu unterrichten, hätte ich nie gedacht, dass es so weit kommen würde. Es war im September 2020, während der Quarantänemaßnahmen. Als Student fehlte es mir immer an Geld und auf der Suche nach Möglichkeiten, stellte ich mir alsbald die Frage: „Was kann ich am besten?“ Die Antwort kam schnell – ich kann gut Deutsch, also kann ich es unterrichten. Ich stellte eine Anzeige auf OLX ein, und so begann alles. Irgendwann wurde mir klar, dass privater Unterricht allein nicht ausreicht – man muss wachsen. Wahrscheinlich eine Schule eröffnen – und den Rest, naja, den kennen Sie schon.

Gibt es Besonderheiten bei der Führung einer Deutschschule in Schymkent?

Ja, im Süden ein Geschäft zu führen, ist sehr spannend, weil man mit unterschiedlichen Menschen arbeitet und oft in zwei Sprachen kommuniziert, dabei aber immer ein gemeinsames Verständnis findet. Besonders interessant ist die Arbeit mit den vielen Jugendlichen und Studierenden. Man versucht ständig, auf ihrer Wellenlänge zu sein, auch wenn das nicht immer gelingt.

Warum heißt Ihre Schule „Hamburg“? Und wodurch unterscheidet sich Ihre Schule von anderen Sprachzentren?

Ganz einfach – Hamburg war die erste Stadt in Deutschland, die ich besucht habe. Ich kam im Rahmen des Austauschprogramms Erasmus+ zum Studieren dorthin. Das ist natürlich für mich eine besondere Assoziation und deshalb habe ich diesen Namen für meine Schule gewählt. Wir legen großen Wert auf die Qualität des Unterrichts sowie auf eine angenehme Lernatmosphäre, in der sich jeder wertgeschätzt fühlt. Wir arbeiten kontinuierlich daran, besser zu werden und unsere Präsenz in Kasachstan auszubauen.

Welche Projekte oder Programme entwickelt Ihre Schule derzeit?

Wir erweitern unsere Bildungsprogramme ständig. Zum Beispiel planen wir diesen Sommer einen dreiwöchigen Deutsch-Intensivkurs in Astana mit Muttersprachlern aus Deutschland. Außerdem organisieren wir Sprachcamps und Bildungsreisen nach Deutschland, bei denen die Studierenden vollständig in Sprache und Kultur eintauchen können. Im Januar dieses Jahres haben wir eine Studienreise zu Universitäten in Österreich und Deutschland durchgeführt – etwas, das meines Wissens nach zuvor noch niemand in Kasachstan gemacht hat. Ich wage zu behaupten, dass wir auch zu den führenden Anbietern von Sprachcamps in Deutschland gehören.

Was ist das Hauptziel Ihrer Schule?

Unser Hauptziel ist es, der Gesellschaft Nutzen zu bringen, indem wir Brücken zwischen unseren Ländern bauen. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern ein Werkzeug, das Türen zu neuen Kulturen, Wissen und Möglichkeiten öffnet. Wir möchten, dass sich unsere Studierenden in einem internationalen Umfeld sicher fühlen und ihre Ziele verwirklichen können.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die gerade erst anfangen Fremdsprachen zu lernen?

Das Wichtigste ist, keine Angst vor Fehlern zu haben und regelmäßig zu üben. Eine Sprache ist eine Fähigkeit, die sich durch Kommunikation, Lesen, Filme und ständige Praxis entwickelt. Und natürlich sollte man nicht vergessen: Das Erlernen einer Sprache ist eine Investition in die eigene Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Almas Khairullin.

Mehr Infos zu Adils Sprachschule gibt es auf Instagram unter @hamburg_sprachschule.

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