Am 12. Mai fand in Bischkek die 17. Sitzung der Deutsch-Kirgisischen Regierungskommission für Angelegenheiten der Deutschen in Kirgisistan statt. Das Treffen war ein weiterer Schritt in der Entwicklung der gesellschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern und unterstrich die anhaltende Rolle der deutschen Gemeinschaft im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Republik. 

Die kirgisische Delegation wurde vom stellvertretenden Außenminister Meder Abakirow geleitet, die deutsche Delegation vom Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius. An der Sitzung nahmen außerdem die Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafterin Deutschlands in Kirgisistan, Monika Lenhard, Vertreter des Bundesministeriums des Innern Deutschlands, die Leiterin des Bereichs „Integration und Medien“ des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), Karoline Gil, staatlicher Institutionen sowie der Selbstorganisation der Deutschen in Kirgisistan teil. 

Politischer Dialog und neue Perspektiven der Zusammenarbeit

Zur Eröffnung der Sitzung gratulierte der stellvertretende Außenminister Kirgisistans, Meder Abakirow, Bernd Fabritius zu seiner erneuten Ernennung zum Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und brachte seinen Respekt für dessen langjährige Tätigkeit im Interesse des deutschen Volkes und der außerhalb der historischen Heimat lebenden Landsleute zum Ausdruck.

Nach den Worten des Vizeministers wird die Rückkehr von Dr. Fabritius als ein positives Zeichen für Kontinuität und Stabilität der staatlichen Politik Deutschlands gegenüber Aussiedlern und deutschen Gemeinschaften im Ausland wahrgenommen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte Meder Abakirow, dass sich der politische Dialog zwischen Bischkek und Berlin deutlich intensiviert habe und die Beziehungen der beiden Länder eine neue inhaltliche Tiefe erhielten. Er hob hervor, dass wichtige Meilensteine in der Entwicklung der bilateralen Beziehungen der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Kirgisistan sowie der Gipfel „Zentralasien – Deutschland“ gewesen seien. Nach Angaben des Vizeministers wurden allein in jüngster Zeit 17 bilaterale Dokumente in verschiedenen Bereichen der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten unterzeichnet. 

Meder Abakirow unterstrich, dass Deutschland für Kirgisistan einer der wichtigsten strategischen Partner in der Europäischen Union sei und ein Staat, der die Republik seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen unterstütze – von Wirtschaft und Bildung bis hin zur Entwicklung der Zivilgesellschaft. Deutschland habe einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des jungen kirgisischen Staates geleistet und unterstütze weiterhin wichtige soziale und Bildungsinitiativen. 

Er betonte außerdem, dass im multiethnischen Kirgisistan Bedingungen zur Bewahrung der Sprache, Kultur und Identität ethnischer Gemeinschaften geschaffen wurden und, dass die deutsche Gemeinschaft ein fester Bestandteil der kirgisischen Gesellschaft ist und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Wirtschaft, Bildung und Kultur des Landes leistet. Besonderes Augenmerk legte Abakirow auf die Notwendigkeit, die Rolle der deutschen Sprache weiter zu stärken und die Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur zu vertiefen. 

Der Vizeminister hob zudem hervor, dass die heutige globale Agenda komplex bleibt und neue Ansätze für die internationale Zusammenarbeit erfordert. Vor diesem Hintergrund seien Kirgisistan und Deutschland bereit, neue gemeinsame Projekte zu entwickeln und die Partnerschaft in den Bereichen Bildung, Gesellschaft, Wirtschaft und Jugend weiter auszubauen. 

Unterstützung der deutschen Minderheit

Wie Dr. Bernd Fabritius betonte, stehen im Zentrum der Arbeit der zwischenstaatlichen Kommission weiterhin Fragen der Unterstützung der deutschen Gemeinschaft, die von großer historischer und gesellschaftlicher Bedeutung sind. Ihre Hauptaufgabe sei die nachhaltige Entwicklung der deutschen Volksgruppe, die Bewahrung ihrer kulturellen Identität sowie die Erweiterung der Möglichkeiten für eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Landes. 

In diesem Zusammenhang sprach Dr. Fabritius über die Unterstützung der ethnischen Deutschen durch die Bundesregierung und wies darauf hin, dass die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen bestehender Kooperationsprogramme jährlich rund 300.000 Euro bereitstellt.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er der Eröffnung des Deutsch-Kirgisischen Hauses in Bischkek und betonte dessen Bedeutung für die Stärkung der gesellschaftlichen Beziehungen. Nach Angaben von Dr. Fabritius sei das Deutsche Haus zu einer Art Brücke geworden – nicht nur zwischen den beiden Ländern, sondern auch innerhalb der kirgisischen Gesellschaft selbst. Es sei für alle Interessierten zugänglich und diene nicht nur als Kulturzentrum, sondern auch als Raum für Dialog, gegenseitiges Verständnis sowie die Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Erbe der kirgisischen Deutschen.

Rolle der deutschen Gemeinschaft in Kirgisistan

In seiner Rede betonte der Vorsitzende des Volksrates der Deutschen in Kirgisistan, Walerij Dil, dass die deutsche Gemeinschaft der Republik, die ungefähr 10.000 Menschen umfasst, weiterhin eine der am besten organisierten und aktivsten nationalen Gemeinschaften des Landes sei.

Er hob die wichtige Rolle des Deutsch-Kirgisischen Hauses als Zentrum für den Erhalt der deutschen Sprache, Kultur und des gesellschaftlichen Lebens hervor und sprach der Regierung Deutschlands sowie der kirgisisch-deutschen Regierungskommission seinen Dank für die konsequente Unterstützung aus.

Besonderes Augenmerk legte Walerij Dil auf die Notwendigkeit, Jugend-, Bildungs- und Kulturinitiativen weiterzuentwickeln, gesellschaftliche Projekte auszubauen und moderne Arbeitsformen einzuführen, die auf die Bewahrung der deutschen Identität sowie die Stärkung der kirgisisch-deutschen Zusammenarbeit unter den Bedingungen aktueller globaler Herausforderungen ausgerichtet sind.

Projekte der Selbstorganisation der Deutschen in Kirgisistan

Der Generaldirektor der Stiftung „Deutscher Humanitärer Hilfsfonds“, Artur Schessler, betonte in seinem Bericht, dass die Selbstorganisation der Deutschen in Kirgisistan weiterhin aktiv ethnokulturelle, Jugend-, Sprach- und Sozialprojekte entwickelt.

Als Beispiele nannte er die Umsetzung der Initiative „Netzwerk der Begegnungszentren“, im Rahmen derer in Bischkek und den Regionen des Landes mehr als 100 Veranstaltungen durchgeführt wurden, sowie das ethnokulturelle Projekt „Hochzeit der Wolgadeutschen“, das auf großes öffentliches Interesse stieß und ein lebhaftes Echo in den sozialen Netzwerken fand.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er der Jugendarbeit, der Entwicklung von Leadership-Programmen, der Tätigkeit von Sprachclubs in den Regionen Kirgisistans sowie dem Projekt „Sprachassistent aus Deutschland“, das zur Schaffung einer lebendigen Sprachumgebung beiträgt.

Artur Schessler unterstrich zudem die Bedeutung der weiteren Stärkung internationaler Partnerschaften, der Unterstützung von Familien- und generationsübergreifenden Initiativen sowie der Erweiterung von Projekten zur Bewahrung der deutschen Kultur und Sprache unter der jungen Generation.

Bildungs- und internationale Programme

Dr. Franca Fülle, Leiterin des Referats DG I 4 im Bundesministerium des Innern, stellte das Programm zur Unterstützung der deutschen Minderheit ausführlich vor. Sie berichtete über die Finanzierung von Projekten in den Bereichen ethnokulturelle, Jugend-, Sprach- und Sozialarbeit und betonte, dass dieses Programm seit vielen Jahren zur Bewahrung der deutschen Identität, zur Entwicklung gesellschaftlicher Beziehungen und zur Stärkung der kirgisisch-deutschen Zusammenarbeit beiträgt.

Die deutsche Botschafterin Monika Lenhard hob hervor, dass das Goethe-Institut eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Bildungsprogrammen für die Jugend spielt. Ihrer Aussage zufolge haben dank dessen Unterstützung zahlreiche junger Menschen aus Kirgisistan an Sprach- und Bildungsprojekten teilgenommen, in deren Rahmen neben dem Deutschunterricht auch Theaterworkshops und Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung organisiert wurden.

Darüber hinaus werden mit Unterstützung des Goethe-Instituts Bildungsinitiativen zur Weiterbildung von Deutschlehrkräften umgesetzt sowie die Bereitstellung moderner Lehrmaterialien sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form sichergestellt. Besonders betont wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit des Instituts mit deutschen Verlagen für Lehrmaterialien sowie sein Beitrag zur Entwicklung der Sprachumgebung in Kirgisistan.

Internationale Zusammenarbeit und kultureller Austausch

Karoline Gil, Leiterin des Bereichs „Integration und Medien“ des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), stellte die bestehenden Programme und Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit vor. Sie berichtete über laufende Projekte, Bildungsinitiativen und Stipendienprogramme, die auf die Unterstützung der deutschen Minderheit, die Entwicklung von Jugend- und Medienprojekten sowie die Stärkung kultureller Beziehungen ausgerichtet sind.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Potential der Entsendung von deutschsprachigen Fachkräften im Rahmen des ifa-Entsendeprogramms, um den Selbstorganisationen der Deutschen in verschiedenen Ländern praktische und methodische Unterstützung zu leisten.

Bestätigung der Vereinbarungen

Am Ende der Sitzung unterzeichneten die Parteien ein gemeinsames Kommuniqué, das die Vereinbarungen zur Fortsetzung der kulturell-gesellschaftlichen Zusammenarbeit sowie zur Unterstützung der deutschen Gemeinschaft in Kirgisistan festhält.

Die Deutsch-Kirgisische Regierungskommission, die seit den frühen 1990er Jahren besteht, bleibt ein zentrales Instrument der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in Fragen des Erhalts der deutschen Sprache, des kulturellen Erbes und der Integration der ethnischen Deutschen.

Olesja Klimenko.

Übersetzung: Annabel Rosin.

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