Was wissen die Deutschen über Usbekistan? Folgende Fragen werden mir immer wieder gestellt: „Wo liegt das Land überhaupt“? „Kann man dort Urlaub machen?“ „Wie sieht es mit der Religion aus, immerhin ist es ein islamisches Land“? „Ist Usbekistan sicher?“ „Wie ist die politische Situation?“ „Ist es nicht ein autokratisches oder diktatorisches Land?“
Dies sind nur einige Fragen, mit denen ich immer wieder konfrontiert werde und in meiner dreijährigen erfolgreichen Vortragsreihe: „Faszination Zentralasien“ einen Beitrag leisten möchte, mit dem Ziel, für die Region Zentralasien zu werben. Dieses Mal für die Republik Usbekistan.
Bisherige Veranstaltungen fanden mit dem Botschafter der Republik Kasachstan, S.E. Nurlan Onzhanov, mit dem Botschafter von Tadschikistan, S.E. Dr. Imomudin Sattorov als auch mit Botschaftsräten anderer zentralasiatischer Länder statt.
Auf den durchgehend ausgebuchten Vorträgen stelle ich immer wieder fest, dass viele Informationen sehr vage sind, durcheinander geworfen und verwechselt werden. Es herrscht sehr viel Halbwissen bis kein Wissen in der deutschen Bevölkerung über Zentralasien vor.
Geringe Berichterstattung und „stan“ Herausforderung
Die mediale Berichterstattung in den deutschen Medien über Zentralasien ist minimalistisch und muss verbessert werden. Zumal Zentralasien eine immer wichtigere Rolle in der geopolitischen Landschaft, sowohl in der Energieversorgung als auch in der Wirtschaft, spielt. Einen Beitrag dazu, Zentralasien in der Berichterstattung nach vorne zu bringen, leistet zukünftig „NEWSMARK“. Dies ist ein vor kurzem ins Leben gerufenes Wirtschaftsmagazin.
Das Halbwissen fängt zum Beispiel mit der Endung der Länder „stan“ an. Die Endung „–stan“ in den Ländern Zentralasiens stammt aus dem Persischen und bedeutet übersetzt „Land“, „Ort“ oder „Heimat von“. Es bezeichnet somit das Gebiet, in dem das jeweilige Volk lebt. Doch werden die fünf „stan“ – Länder oft in einen Topf mit Afghanistan oder Pakistan geworfen. Aus diesem „stan“-Gemisch entsteht oberflächliches Wissen.
Mit der Vortragsreihe „Faszination Zentralasien – Usbekistan“ stellte ich einem interessierten Publikum, gemeinsam mit dem Botschafter der Republik Usbekistan, S.E. Dilshod Akhatov, Usbekistan vor, der auch auf Fragen des Publikums einging.
Der Vortrag ging von der Grenze von Kirgistan/Osh nach Taschkent, Samarkand, verbunden mit einem Ausflug in die Kyzylkumwüste und dem Aydarsee, über Buchara, Xiva, Nukus – der Hauptstadt von Karakalpakstan, bis hin nach Moynaq, der ursprünglich letzten Hafenstadt am Aralsee, durch die Aralkum direkt zum Aralsee.
Unterstützt wurde ich dabei von Zukhra Rakhmatova. Sie ist die Gründerin von „San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft e.V“ in Berlin. Die gemeinnützige Organisation baut kulturelle Brücken zwischen Usbekistan und Deutschland.
In ihrem Beitrag stellte sie die Besonderheiten der usbekischen traditionellen Handwerkskunst vor, die weltweit einen hervorragenden Ruf genießt und die tief in der Seidenstraßen-Kultur verwurzelt ist. Zu den wichtigsten Kunstformen zählen exquisite Keramik (aus Rischtan/Gijduvan), farbenfrohe Suzani-Stickereien, Ikat-Seidenstoffe (Adras/Atlas), aufwendige Goldstickereien, Teppichknüpferei und feine Holzschnitzereien, aber auch die Messerschmiedekunst als auch die jahrhundertealte Tradition der Miniaturmalerei.
Sicherheit und Religion
Immer wieder sind die Gäste erstaunt, dass Usbekistan weltweit zu den sichersten Reiseländern gehört, und auch, dass in Usbekistan bis zu 150 unterschiedliche Ethnien leben.
In Usbekistan wird überwiegend der sunnitische Islam praktiziert, zu dem sich über 90 Prozent der Bevölkerung bekennen. Es handelt sich um eine gemäßigte, traditionell friedfertige Form des Glaubens. Trotz der Mehrheit der Muslime ist Usbekistan ein streng säkularer Staat. Die Regierung kontrolliert religiöse Aktivitäten strikt, um Extremismus zu verhindern.
Gastfreundschaft hat in Usbekistan oberste Priorität. Die Usbeken sind sehr gastfreundlich, aufgeschlossen, kreativ, geschäftstüchtig und besitzen einen sehr guten Humor.
Immer wieder beeindruckt die Kulinarische Vielfalt der usbekischen Küche. Dazu gehört das Nationalgericht Plov, ein Reisgericht mit Karotten, Fleisch und Gewürzen, welches in über 200 verschiedene Varianten zubereitet wird.
Das traditionelle Reisgericht gilt als UNESCO-immaterielles Kulturerbe. In Usbekistan, wie in Zentralasien insgesamt, gehören Fleischgerichte wie Schaschlikspieße oder Manti (gefüllte Teigtaschen mit Hackfleisch und Zwiebeln) zur täglichen Küche. Für Vegetarier ist Usbekistan eine Herausforderung.
Dennoch ist die Vielfalt an Gemüse und frischem Obst sehr groß, besonders im Herbst zur Erntezeit der Melonen. Beeindruckend sind die großzügig gestalteten Restaurants, in denen man immer die Möglichkeit hat, Einblicke in die Küche zu erhalten. Sauberkeit ist oberstes Gebot.
Ganz gleich wo man sich in den Städten bewegt, ob auf den Straßen, auf Spielplätzen oder in Parkanlagen. Flaschen, Papier, Tüten oder anderer Müll sind nicht aufzufinden. Es herrscht ein großer Respekt gegenüber der eigenen Umwelt vor. Ein Vorbild für viele deutsche Städte wie beispielsweise Berlin. An diesem Punkt geht immer ein Raunen durch das Publikum und löst sofort Diskussionen aus.
Beeindruckend sind die Besuche auf Basaren. Handeln in Usbekistan ist ein „Muss“. Die Basare bieten dazu hervorragende Möglichkeiten. Erwähnenswert ist einer der ältesten Basare in Zentralasien, der „Chorsu-Basar“ in Taschkent. Die Vielfalt der Angebote an unterschiedlichsten Produkten kann man nur dann kennenlernen, wenn man mindestens einen Tag auf dem Basar unterwegs ist. Vor allen Dingen aber ist ein Blick in die Haupthalle empfehlenswert.
Beeindruckende Architektur
Das Land ist wegen seiner beeindruckenden Architektur entlang der alten Seidenstraße empfehlenswert, um Zentralasien, die Geschichte und die Kultur besser kennenzulernen.
Architektonische Highlights gibt es in Usbekistan zur Genüge. Dazu gehört Samarkand, mit einem der berühmtesten Plätze in Zentralasien, dem Registan – Platz. Aber auch die berühmte Stadt Chiwa gehört dazu, die mittlerweile zum UNESCO – Weltkulturerbe ernannt wurde. Und nicht zu vergessen Buchara. Buchara war lange Zeit ein bedeutendes Wirtschafts- und Kulturzentrum in Zentralasien. Die Fotos zu den Städten untermauern die fantastische Atmosphäre und bringen das Auditorium zum Schwelgen.
Vom Botschafter wurde auf das neu errichtete Zentrum für Islamische Zivilisation in Taschkent hingewiesen. Es ist ein bedeutendes, modernes Kultur- und Forschungsprojekt, das darauf abzielt, das reiche islamische Erbe der Region zu bewahren und zu präsentieren. Das Zentrum dient als Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, indem es wissenschaftliche Forschung mit moderner Museumstechnologie verbindet.
Das Projekt wurde auf Initiative von Präsident Schawkat Mirsijojew ins Leben gerufen, um Usbekistan als ein Zentrum der islamischen Kultur, Wissenschaft und Bildung zu stärken. Der Präsident ist seit 2016 im Amt. Das Land ist seitdem geprägt von umfassenden Wirtschaftsreformen, Öffnung nach außen, Modernisierung des Bildungswesens und einer multivektoriellen Außenpolitik.
Karakalpakstan
In Nukus angekommen, der Hauptstadt der autonomen Republik Karakalpakstan, erläuterte der Botschafter die Zusammenhänge und Entstehungsgeschichte. In Nukus befindet sich das Savitsky-Museum, welches mehr als 100.000 Exponate besitzt und zu den größten und bekanntesten Museen in Zentralasien gehört. Es beherbergt u. a. die weltweit zweitgrößte Sammlung der russischen Avantgarde zwischen 1918 – 1935. Es ist das meistbesuchte Museum in Usbekistan.
Weiter ging die Reise nach Moynak. Dies ist der ursprünglich letzte Ort am Aralsee, und mittlerweile bekannt für seinen „Schiffsfriedhof“. S.E. Dilshod Akhatov erläuterte den Gästen die Historie und Entwicklung des Aralsees, von dem aktuell nur noch 10 Prozent vorhanden sind.
Insgesamt gab es mittlerweile mehr als 1000 Konferenzen zur Renaturierung des Aralsees. Aufgrund der globalen Klimaveränderungen und des geringen Niederschlags in Usbekistan, ist eine Rettung irreversibel. Usbekistan ist für sein trockenes, kontinentales Klima bekannt. Im Durchschnitt scheint die Sonne an etwa 300 Tagen im Jahr.
Die gemeinsame Veranstaltung mit S.E. Dilshod Akhatov hat aufgezeigt, dass der Dialog zwischen beiden Ländern auf die Zivilgesellschaft ausgeweitet werden sollte. Nur so ist ein besseres Verständnis für Usbekistan, und für Zentralasien insgesamt, zu erreichen.

























