Der Besuch des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew in München stand im Zeichen einer engeren Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Bayern. Nach dem Empfang beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder traf Tokajew die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, sowie den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Zum Abschluss seines Deutschlandbesuchs nahm er am Kasachisch-Bayerischen Technologieforum teil, bei dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenkamen.
Die Gespräche verband ein gemeinsames Ziel: Die wirtschaftlichen Beziehungen sollen über den bestehenden Handel hinaus vertieft werden – durch mehr Investitionen, direkte Kontakte zwischen Unternehmen und gemeinsame Technologieprojekte.

Politischer Dialog und wirtschaftliche Kontakte
Im Gespräch mit Ilse Aigner würdigte Tokajew Bayerns Beitrag zu den Beziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland. Aigner dankte dem Präsidenten für seinen Besuch im Landtag und hob das umfangreiche Programm des Aufenthalts hervor. Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse, den Dialog zwischen Kasachstan und Bayern fortzuführen.
Bei seinem Treffen mit Aiwanger ging es konkreter um die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Tokajew dankte dem Minister für den Empfang und für die Unterstützung bei der Durchführung des Technologieforums. Die Gesprächspartner erörterten, wie direkte Geschäftskontakte gestärkt und die Technologiepartnerschaft zwischen kasachischen und bayerischen Unternehmen erweitert werden kann.
Bayern sei einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Kasachstans unter den deutschen Bundesländern, sagte Tokajew. Aiwanger verwies auf das Interesse bayerischer Unternehmen an einer langfristigen und für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit.

Eine bereits bedeutende Handelsbeziehung
Die Partnerschaft kann auf einem beträchtlichen Handelsvolumen aufbauen. Nach Angaben des Bayerischen Wirtschaftsministeriums betrug der Warenhandel zwischen Bayern und Kasachstan 2024 rund 4,7 Milliarden Euro. Bis zu 50 Prozent der Erdöllieferungen nach Bayern stammen aus Kasachstan.
Bayern führt außerdem Rohstoffe ein und exportiert unter anderem Maschinen sowie chemische und elektrotechnische Erzeugnisse. Die bayerischen Exporte nach Kasachstan wachsen laut Ministerium zweistellig.
Mehrere bekannte bayerische Unternehmen sind bereits in Kasachstan aktiv, darunter Siemens, Linde, Horsch Maschinen und Knorr-Bremse. Das Ministerium hebt zudem Kasachstans strategische Lage zwischen Europa und Asien, seine Rohstoffvorkommen und den breit aufgestellten Agrarsektor hervor.
Tokajews Vorschläge für die nächste Phase
Beim Technologieforum sprach Tokajew dafür, die Zusammenarbeit stärker auf moderne Fertigung und Hochtechnologie auszurichten. Kasachstan baut nach seinen Worten seine Kapazitäten in Maschinenbau, Metallurgie, Elektrotechnik und der Produktion industrieller Komponenten aus. Automatisierung, Robotik und digitale Steuerung könnten dabei helfen, die Produktivität weiter zu steigern.
Als mögliche Partner nannte er unter anderem Siemens und KUKA, die auf industrielle Automatisierung und Robotik spezialisiert sind. Auch kasachische Industrieunternehmen könnten in solche Projekte eingebunden werden. Tokajew fasste die angestrebte Kooperation mit der Leitidee zusammen, Produkte in Kasachstan mit bayerischer Technologie und deutscher Qualität herzustellen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Mikroelektronik. Tokajew schlug eine Partnerschaft mit der bayerischen Halbleiterbranche und der Initiative Bavarian Chips Alliance vor. Dabei gehe es für Kasachstan zunächst weniger um die groß angelegte Fertigung von Mikrochips als um passende Teile der Wertschöpfungskette, etwa Leistungselektronik, Sensoren, Messsysteme und industrielle Steuerungstechnik. Diese Technologien könnten in der Energieversorgung, im Bergbau, in der Metallurgie, im Verkehr und in der verarbeitenden Industrie eingesetzt werden.
Auch bei kritischen Rohstoffen sieht Tokajew Möglichkeiten für eine engere Kooperation. Kasachstan könne nach seinen Worten ein zuverlässiger langfristiger Lieferant von Kupfer, Titan, Aluminium, Beryllium, Tantal und Niob sein. Diese Materialien sind für zahlreiche industrielle Anwendungen wichtig.

Logistik, Landwirtschaft und Umwelttechnologien
Für den Zugang zu Märkten sei eine leistungsfähige Transportinfrastruktur entscheidend, betonte Tokajew. Er lud bayerische Unternehmen ein, gemeinsam Industrie- und Logistikzentren entlang der Transkaspischen Internationalen Transportroute zu entwickeln. Die Route verbindet Zentralasien über das Kaspische Meer mit dem Südkaukasus und Europa.
Ein weiteres Feld ist die Landwirtschaft. Tokajew schlug ein kasachisch-bayerisches Modellprojekt für landwirtschaftliche Betriebe vor. Dabei könnten moderne Landmaschinen und Präzisionslandwirtschaft mit der Produktion und Verarbeitung von Agrarerzeugnissen nach europäischen Standards verbunden werden.
Aiwanger unterstrich ebenfalls das Potenzial dieses Bereichs. Kasachstan verfüge über rund 80 Millionen Hektar landwirtschaftlich nutzbarer Fläche, stehe aber zugleich vor Herausforderungen wie Wasserknappheit, Bodenerosion und der Sicherung der Ernährung. Bayerische Unternehmen könnten dazu Landtechnik, Speicherlösungen, Technologien für die Wasserwirtschaft und Anwendungen künstlicher Intelligenz beitragen. Das Bayerische Wirtschaftsministerium nannte außerdem Umwelttechnologien als Feld mit guten Möglichkeiten für gemeinsame Vorhaben.
Tokajew verwies auch auf Alatau City als mögliche Plattform für bayerische Unternehmen – etwa für Ingenieur- und Serviceteams, Demonstrationsprojekte und Investitionen. Zum Abschluss seiner Rede regte er an, in Almaty eine Vertretung der bayerischen Wirtschaft einzurichten, die Unternehmen bei Aktivitäten in Kasachstan und der weiteren Region unterstützen könnte.
Aiwanger kündigte eine offizielle Wirtschaftsdelegation nach Kasachstan für Mai 2027 an. Die Reise soll von Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt geleitet werden und sich auf Maschinenbau, Rohstoffe sowie Wasser- und Energietechnologien konzentrieren. Gleichzeitig prüft Bayern die Einrichtung einer eigenen Wirtschaftsrepräsentanz in Kasachstan.
aro.
























